Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Quelle: Shutterstock

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Das Wertversprechen von Kryptowährungen wie Bitcoin offenbart sich illustrativ am Beispiel des iranischen Finanzwesen. Es ist ist beinahe erstaunlich, wie treffsicher die Krypto-Narrative von Theorie in Praxis übergehen. Neueste Entwicklungen in dem Land tragen dazu bei.

Bereits im September hatte die Interbanken-Organisation SWIFT infolge politischen Drucks seitens der USA einen Großteil der iranischen Geschäftsbanken sowie die iranische Zentralbank CBI aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Dies geschah im Zusammenhang mit verstärkten US-Wirtschaftssanktionen gegen die islamische Republik. BTC-ECHO berichtete.

Die Folgen waren fatal. Da SWIFT auf die Transaktionsabwicklung des globalen Finanzsektors ein Quasi-Monopol hat, waren iranische Finanzhäuser kaum noch in der Lage, internationale Transaktionen ihrer Kunden zu verarbeiten. Effektiver können Sanktionen kaum sein.

Bitcoin eilt zur Hilfe

Die Geschichte klingt indes wie für einen Krypto-Use-Case geschrieben. Denn der Peer-to-Peer-Charakter von Bitcoin & Co. bedeutet de facto eine Unabhängigkeit von zentralen Institutionen – und befreit von politischem Kalkül wie dem der USA.


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Im Zuge der Geschehnisse vom September letzten Jahres sah sich offenbar auch die iranische Staatsführung gezwungen, Alternativen zum traditionellen Interbanken-Markt an Land zu ziehen. Es dauerte nicht lange und man erkannte sogar an oberster Stelle das Potenzial von Kryptowährungen. Seither forscht man an der Einführung einer staatlichen Zentralbank-Kryptowährung.

Und das – wie aktuelle Entwicklungen zeigen – offenbar mit Nachdruck. Denn wie bekannt wurde, führt die oberste Handelsbehörde der islamischen Republik Gespräche mit Vertretern aus acht Ländern über mögliche Anwendungsfälle für Kryptowährungen. Erklärtes Ziel: die Umgehung der US-Sanktionen gegen das Land.

„Der Iran beginnt ein neues Kapitel seines internationalen Geldverkehrs, um US-geführte Sanktionen zu umgehen, und verhandelt über die Verwendung von Kryptowährung im Finanzverkehr mit acht Ländern“,

sagte der Chef der Behörde Mohammad-Reza Modoudi gegenüber Teheran Times. Und weiter:

„Vertreter aus der Schweiz, Südafrika, Frankreich, England, Russland, Österreich, Deutschland und Bosnien haben den Iran besucht, um entsprechende Gespräche über das Thema zu führen.“

Gemeint sein dürfte die Verwendung staatlicher Kryptowährungen als Gegenentwurf zum SWIFT-System.

Iranische Notenbank erlaubt Bitcoin-Handel

Doch dies sind nicht die einzigen krypto-bezogenen Entwicklungen in dem vorderasiatischen Staat; auch seitens der iranischen Notenbank, der Central Bank of Iran (CBI), gibt es Updates. Seit geraumer Zeit arbeitet man an einer gesetzlichen Regulierung von Kryptowährungen. Eine erste Fassung wurde nun veröffentlicht. Bisher waren private Kryptowährungen wie Bitcoin zwar nicht ausdrücklich verboten, gerne gesehen waren sie in dem wirtschaftlich gebeutelten Land aber auch nicht. Aus dem veröffentlichten Draft geht nun hervor, dass Bitcoin eindeutig legal ist. Iranische Staatsbürger dürfen die Kryptowährung Nr. 1 besitzen und handeln. Aber: Die Verwendung als Zahlungsmittel bleibt untersagt. Dies geht aus einem Artikel von AlJazeera hervor.

Ferner darf das akkumulierte Krypto-Vermögen den Gegenwert von 10.000 Euro nicht übersteigen. Ziel dieser Maßnahme sei es, den übermäßigen Liquiditätsabfluss aus der schwächelnden Landeswährung Rial zu verhindern.

Mit Zuckerbrot und Peitsche

Aus dem neuesten Regulierungspapier der CBI dürfen wir eine Reihe von Erkenntnissen ziehen. So scheinen selbst Regierungen autoritärer Staaten wie dem Iran dem Bedürfnis der Bevölkerung nach finanzieller Selbstbestimmung Rechnung zu tragen. Schließlich ist Bitcoin ausdrücklich erlaubt. Trotzdem gibt es immer noch rechtliche Handhabe, den Einsatz privater Währungen zu verhindern. In diesem Fall mithilfe des Verbots, Kryptowährungen als Tauschmittel zu nutzen, sowie die nominale Beschränkung des Vermögens, dass Bürger in Bitcoin & Co. tauschen dürfen.


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Hier gilt zwar auch: Beides lässt sich in der Praxis nur schwer verhindern. Durch ein hinreichend repressives Strafmaß für Verstöße dürfte sich eine Einhaltung der Gesetze allerdings recht zuverlässig durchsetzen lassen.

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