Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme

Quelle: Shutterstock

Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme

Das Wertversprechen von Kryptowährungen wie Bitcoin offenbart sich illustrativ am Beispiel des iranischen Finanzwesen. Es ist ist beinahe erstaunlich, wie treffsicher die Krypto-Narrative von Theorie in Praxis übergehen. Neueste Entwicklungen in dem Land tragen dazu bei.

Bereits im September hatte die Interbanken-Organisation SWIFT infolge politischen Drucks seitens der USA einen Großteil der iranischen Geschäftsbanken sowie die iranische Zentralbank CBI aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Dies geschah im Zusammenhang mit verstärkten US-Wirtschaftssanktionen gegen die islamische Republik. BTC-ECHO berichtete.

Die Folgen waren fatal. Da SWIFT auf die Transaktionsabwicklung des globalen Finanzsektors ein Quasi-Monopol hat, waren iranische Finanzhäuser kaum noch in der Lage, internationale Transaktionen ihrer Kunden zu verarbeiten. Effektiver können Sanktionen kaum sein.

Bitcoin eilt zur Hilfe

Die Geschichte klingt indes wie für einen Krypto-Use-Case geschrieben. Denn der Peer-to-Peer-Charakter von Bitcoin & Co. bedeutet de facto eine Unabhängigkeit von zentralen Institutionen – und befreit von politischem Kalkül wie dem der USA.

Im Zuge der Geschehnisse vom September letzten Jahres sah sich offenbar auch die iranische Staatsführung gezwungen, Alternativen zum traditionellen Interbanken-Markt an Land zu ziehen. Es dauerte nicht lange und man erkannte sogar an oberster Stelle das Potenzial von Kryptowährungen. Seither forscht man an der Einführung einer staatlichen Zentralbank-Kryptowährung.


Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
[Anzeige]
Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA und die bekanntesten Kryptowährungen auf Plus500 handeln. Warum Plus500? Kostenloses Demo-Konto; Mobile Trading-App; Einzahlungen per PayPal; große Auswahl an verschiedenen Finanzprodukten (Kryptowährungen, Aktien, Rohstoffe, ETFs, Devisen, Indizies).

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Und das – wie aktuelle Entwicklungen zeigen – offenbar mit Nachdruck. Denn wie bekannt wurde, führt die oberste Handelsbehörde der islamischen Republik Gespräche mit Vertretern aus acht Ländern über mögliche Anwendungsfälle für Kryptowährungen. Erklärtes Ziel: die Umgehung der US-Sanktionen gegen das Land.

„Der Iran beginnt ein neues Kapitel seines internationalen Geldverkehrs, um US-geführte Sanktionen zu umgehen, und verhandelt über die Verwendung von Kryptowährung im Finanzverkehr mit acht Ländern“,

sagte der Chef der Behörde Mohammad-Reza Modoudi gegenüber Teheran Times. Und weiter:

„Vertreter aus der Schweiz, Südafrika, Frankreich, England, Russland, Österreich, Deutschland und Bosnien haben den Iran besucht, um entsprechende Gespräche über das Thema zu führen.“

Gemeint sein dürfte die Verwendung staatlicher Kryptowährungen als Gegenentwurf zum SWIFT-System.

Iranische Notenbank erlaubt Bitcoin-Handel

Doch dies sind nicht die einzigen krypto-bezogenen Entwicklungen in dem vorderasiatischen Staat; auch seitens der iranischen Notenbank, der Central Bank of Iran (CBI), gibt es Updates. Seit geraumer Zeit arbeitet man an einer gesetzlichen Regulierung von Kryptowährungen. Eine erste Fassung wurde nun veröffentlicht. Bisher waren private Kryptowährungen wie Bitcoin zwar nicht ausdrücklich verboten, gerne gesehen waren sie in dem wirtschaftlich gebeutelten Land aber auch nicht. Aus dem veröffentlichten Draft geht nun hervor, dass Bitcoin eindeutig legal ist. Iranische Staatsbürger dürfen die Kryptowährung Nr. 1 besitzen und handeln. Aber: Die Verwendung als Zahlungsmittel bleibt untersagt. Dies geht aus einem Artikel von AlJazeera hervor.

Ferner darf das akkumulierte Krypto-Vermögen den Gegenwert von 10.000 Euro nicht übersteigen. Ziel dieser Maßnahme sei es, den übermäßigen Liquiditätsabfluss aus der schwächelnden Landeswährung Rial zu verhindern.

Mit Zuckerbrot und Peitsche

Aus dem neuesten Regulierungspapier der CBI dürfen wir eine Reihe von Erkenntnissen ziehen. So scheinen selbst Regierungen autoritärer Staaten wie dem Iran dem Bedürfnis der Bevölkerung nach finanzieller Selbstbestimmung Rechnung zu tragen. Schließlich ist Bitcoin ausdrücklich erlaubt. Trotzdem gibt es immer noch rechtliche Handhabe, den Einsatz privater Währungen zu verhindern. In diesem Fall mithilfe des Verbots, Kryptowährungen als Tauschmittel zu nutzen, sowie die nominale Beschränkung des Vermögens, dass Bürger in Bitcoin & Co. tauschen dürfen.

Hier gilt zwar auch: Beides lässt sich in der Praxis nur schwer verhindern. Durch ein hinreichend repressives Strafmaß für Verstöße dürfte sich eine Einhaltung der Gesetze allerdings recht zuverlässig durchsetzen lassen.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
BIZ ernennt Libra-Kritiker Benoît Cœuré zum Vorsitzenden ihrer neuen FinTech-Abteilung
Regulierung

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat den Weckruf von Libra erhört und bemüht sich nun, FinTech-Lösungen für die Verbesserung des globalen Finanzsystems zu untersuchen. Dazu hat die BIZ einen eigenen „Innovation Hub“ gegründet – und mit dem Zentralbanker Benoît Cœuré einen ausgemachten Libra-Skeptiker zum Chef der neuen Abteilung gemacht.

Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
Tunesiens Zentralbank gibt digitale Währung „E-Dinar“ heraus
Altcoins

Tunesiens Zentralbank hat die Einführung einer digitalen Währung bekannt gegeben. Die Blockchain-Plattform, auf der der E-Dinar gehandelt wird, wird vom russischen Unternehmen Universa bereitgestellt. Als erste digitale Währung wird der E-Dinar von einer Zentralbank herausgegeben. Andere Zentralbanken stehen jedoch bereits in den Startlöchern und könnten bald nachziehen. 

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
BIZ ernennt Libra-Kritiker Benoît Cœuré zum Vorsitzenden ihrer neuen FinTech-Abteilung
Regulierung

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat den Weckruf von Libra erhört und bemüht sich nun, FinTech-Lösungen für die Verbesserung des globalen Finanzsystems zu untersuchen. Dazu hat die BIZ einen eigenen „Innovation Hub“ gegründet – und mit dem Zentralbanker Benoît Cœuré einen ausgemachten Libra-Skeptiker zum Chef der neuen Abteilung gemacht.

Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
Schweizer Krypto-Bank SEBA startet operatives Geschäft mit Bitcoin & Co.
Insights

Schweizer Kunden können nun offiziell digitale Anlagen bei der Bank SEBA verwahren. Die Bank hat kürzlich die Lizenz der Finma erhalten und öffnet ihre Pforten nach einer einmonatigen Testphase für Schweizer Kunden. Der Fokus des Bankgeschäfts richtet sich auf die Verwahrung und den Handel digitaler Anlagen und den Umtausch von Krypto- in Fiatwährungen.

Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
Bitcoin-Kurs und -Marktbetrachtung: Startet bald die neue Rallye?
Kursanalyse

Der Bitcoin-Kurs weist ein aufstrebendes Triangle Pattern im Stundenchart auf. Diesem leicht bearishen Sentiment steht die bullishe Divergenz des RSI im Vierstundenchart. Ethereum scheint schlie0lich im Wertepaar ETH/BTC einen Boden erreicht zu haben.

Bitcoin, Der Iran im Spannungsfeld zwischen Bitcoin und Zentralbank-Kryptos – eine Bestandsaufnahme
Gründer von Blockchain-Konsole Komodore64 verhaftet
Altcoins

Der Gründer von Komodore64 ist in Den Haag verhaftet worden. Sam Narain wird vorgeworfen, Gelder aus dem Konsoleprojekt veruntreut zu haben. Die Spieleplattform mit eigener Kryptowährung (K64) hatte angeblich knapp 78 Millionen US-Dollar von Investoren erhalten. Laut niederländischen Medienberichten hat das Unternehmen nun Konkurs angemeldet. Von gespielten Investoren, falschen Mitgründern und Brotkästen.

Angesagt

Royal Bank of Canada erwägt eigene Bitcoin-Börse
Blockchain

Während viele Unternehmen an dezentralen Open-Source-Blockchain-Lösungen arbeiten, versucht die Royal Bank of Canada, ihre geplante Bitcoin-Handelsplattform über Patente zu schützen.

Bitcoin: Bakkt öffnet Warehouse für breiteres Publikum
Bitcoin

Der Krypto-Verwahrer Bakkt erhöht stetig seine Reichweite. Mit der aktuellen Erweiterung seiner Custody-Lösung setzt der Bitcoin-Futures-Anbieter weiterhin auf institutionelle Investoren.

Iran: Bittrex-Kunden erhalten eingefrorene Bitcoin zurück
Unternehmen

Die Bitcoin-Börse Bittrex wird iranischen Kunden eingefrorene Gelder zurückzahlen. Das geht aus Berichten in den sozialen Medien hervor.

Tunesiens Zentralbank gibt digitale Währung „E-Dinar“ heraus
Altcoins

Tunesiens Zentralbank hat die Einführung einer digitalen Währung bekannt gegeben. Die Blockchain-Plattform, auf der der E-Dinar gehandelt wird, wird vom russischen Unternehmen Universa bereitgestellt. Als erste digitale Währung wird der E-Dinar von einer Zentralbank herausgegeben. Andere Zentralbanken stehen jedoch bereits in den Startlöchern und könnten bald nachziehen.