Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung

Quelle: shutterstock

Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung

Der Bitcoin-Kurs fiel am 5. September unter die 7.000-US-Dollar-Marke. Bis dato konnte sich die nach Marktkapitalisierung größte Kryptowährung von diesem kräftigen Dump nicht erholen. Die Suche nach Gründen führte zunächst zu Goldman Sachs, dann in die dunklen Ecken des Netzes. Nun gibt es neue Erkenntnisse: Auf den Spuren von sick_silk und der Wallet 1933p.

Sinkt oder steigt der Kurs von Bitcoin innerhalb von kurzer Zeit dramatisch, sucht die Community schnell nach Gründen. Oft sind es Ankündigungen von Unternehmen oder Regierungen, die neue Entscheidungen getroffen haben und damit die (gefühlte) Sicherheit der Anleger beeinflussen. So auch beim letzten Dump: Zunächst war da die Meldung, dass Goldmann Sachs die Pläne aufgegeben habe, einen Trading Desk einzurichten. Wie sich bald darauf herausstellen sollte, war die Meldung eine Ente. Nichtsdestotrotz gab es einige Anleger, die auf die Meldung offenbar verunsichert reagierten und Verkaufsangebote an den einschlägigen Bitcoin-Börsen bereitstellten.

Die mysteriöse Bitcoin-Wallet 1933p

Doch gab es auch eine andere Meldung, die derzeit vor allem auf Reddit die Runde macht. Es ist die Geschichte einer mysteriösen Wallet, auf der sich einst die stattliche Menge von 111.114,62 BTC befand. Und in die plötzlich wieder Bewegung kam. Einige Indizien sprechen dafür, dass es die Wallet von Dread Pirate Roberts ist, einem Moderatoren und mutmaßlichen Betreiber rund um den DarkNet-Schwarzmarkt Silk Road. Doch ein weiterer Kandidat steht im Verdacht, mit der mysteriösen Wallet in Verbindung zu stehen.

Der aktuelle Stand

Kurz die Fakten: Die Bitcoin-Adresse 1933phfhK3ZgFQNLGSDXvqCn32k2buXY8a (im Folgenden 1933p) enthielt ursprünglich 111.114 Bitcoin. Von ihr gingen bis vor Kurzem und seit 2014 kaum mehr Bewegungen aus, bis Unbekannte damit begannen, Bitcoin auf die Börsen Bitfinex, Binance und BitMex zu übertragen. Die bisherigen Analysen lassen neben Dread Pirate Roberts und der Silk Road noch einen weiteren Verdächtigen zu: Mt.Gox.

Mt.Gox – Schneller als die Bitcoin-Rakete


Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
[Anzeige]
Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA und die bekanntesten Kryptowährungen auf Plus500 handeln. Warum Plus500? Kostenloses Demo-Konto; Mobile Trading-App; Einzahlungen per PayPal; große Auswahl an verschiedenen Finanzprodukten (Kryptowährungen, Aktien, Rohstoffe, ETFs, Devisen, Indizies).

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Die Geschichte von Mt.Gox ist schnell erzählt – und liest sich mit ihrem Auf und Ab wie der Bitcoin-Kurs der letzten beiden Jahre. Im Jahr 2009 begann Mt.Gox als Tauschplatz für Magic Spielkarten (Mt.Gox steht für Magic: The Gathering Online eXchange) und stieg ein Jahr später auf Bitcoin um. Die Mt.Gox-Rakete bewegte sich seit diesem Zeitpunkt in Richtung Mond – im August 2013 wurden 60 Prozent des Handelsvolumens von Bitcoin über Mt.Gox abgewickelt. Doch dort crashte die Rakete dann so schnell wie sie gestartet war. Bereits am 28. Februar 2014 meldete Mt.Gox bei einem japanischen Bezirksgericht Insolvenz an.

Was war passiert? Mark Karpelès in Bedrängnis

Mark Marie Robert Karpelès wanderte im Jahr 2009 von Frankreich nach Japan aus und gründete dort das IT-Unternehmen Tibanne Co. in Tokio. Mit IT-Wissen und unternehmerischem Geschick erwarb er dort 2011 den Bitcoin-Handelsplatz Mt.Gox. Drei Jahre später gab es offenbar technische Probleme – Karpelès gab seinen Sitz im Vorstand ab, nachdem die Börse im Februar 2014 sämtliche Auszahlungen eingestellt hatte – 850.000 Bitcoin waren verschwunden. Einige Zeit später revidierte Karpelès seine Aussage – so waren es plötzlich „nur“ noch 650.000 Bitcoin, die fehlten. Schließlich wurde Karpelès festgenommen – von den Bitcoins fehlte jede Spur.

Und plötzlich war das Geld weg

Viele Nutzer waren verprellt – das Geld war weg. Es gab erhebliche Zweifel daran, dass es sich tatsächlich nur um schlechte Sicherheitsmaßnahmen handelte, die das Fehlen einer so großen Bitcoin-Menge rechtfertigte. Oft zitierte (und selten bestätigte) Insider berichteten von erheblichen Sicherheitslücken und schlechter Organisation innerhalb des Unternehmens. Selbst die US-amerikanische Homeland Security habe demnach gegen Mt.Gox ermittelt – hier waren es fehlende Lizenzen, die die Behörden dem Unternehmen ankreideten. Dennoch: Die internen Probleme waren um einiges gravierender. So stellte sich letztlich heraus, dass der Hack bereits seit zwei Jahren vonstatten ging, bis sich Mt.Gox endlich dazu entschloss, Insolvenz anzumelden. Dabei waren die Funds bereits seit langer Zeit auf externe Wallets übertragen worden. Angeblich waren die Private Keys auf einer Datei mit dem Namen „wallet.dat“ gelagert. Sie zu stehlen war – ob für Hacker oder Insider – ein Leichtes. Plötzlich waren die Bitcoins weg:



Im März 2014 – also kurz nachdem die Börse alle Zahlungen eingestellt hatte – gab das Unternehmen dann bekannt, dass man noch 200.000 Bitcoin in „alten Wallets“ gefunden hatte. Diese wurden vorerst zurückgehalten, über den Verbleib ist offenbar nichts weiter bekannt.

Zurück in die Gegenwart

Nun gibt es im Nachhall dieser kurzen Geschichte vom schnellen Aufschwung von Mt.Gox noch (mindestens) eine Wallet, auf der eine Menge Bitcoin liegen. Ob sie Hackern, korrupten Beamten oder Mark Karpelès selbst gehören, ist dabei (zumindest hier) zweitrangig. Zeitlich betrachtet besteht hier jedoch ein bemerkenswerter Zusammenhang: Es begab sich an jenen Tagen, als Mt.Gox Insolvenz anmeldete, dass es die letzten Bewegungen auf der mysteriösen 1933p-Wallet gab. Ein weiterer Zusammenhang: Mt.Gox kündigte erst kürzlich – also während die Wallet wieder aktiv wurde – ein System zur Prüfung des Schadensersatzes an.

Für den Zusammenhang zwischen 1933p und Mt.Gox spricht sich die Bitcoin-Sicherheitsfirma WizSec (die unter anderem an der Überführung Alexander Vinnik beteiligt war), auf Twitter aus:

Die mysteriöse Wallet und der Bitcoin-Kurs

Ob Mt.Gox, Dread Pirate Roberts, ein Insider, Beamte oder sonstige Gauner: Die Bewegungen von und auf der Wallet sind auffällig. Letztlich gab es noch einige bemerkenswerte Ereignisse, die mit den neuesten Aktivitäten von „1933p“ zusammenfallen:

  • Es wurden insgesamt 100 Millionen Tether bewegt, während 1933p in etwa denselben Betrag bewegt hat. Zeitgleich vermutete man auf Reddit bereits einen anstehenden Kursrutsch.
  • Auf BitMEX wurde eine 10.000-BTC-Kauforder aufgegeben, von der 8.030 von einer Bitfinex-Wallet kamen. Zur selben Zeit schickte 1933p etwa dieselbe Menge an Bitcoin auf Bitfinex.

Den Bitcoin-Krimi auf Englisch findet ihr mit weiteren Details hier.

BTC-ECHO

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
5 Bitcoin Lightning Games, die du kennen solltest
Bitcoin

Bitcoins Second-Layer-Lösung Lightning wächst weiter. Ein Teil des Wachstums ist Anwendungen wie Blockchain Minigames geschuldet. Hier sind fünf Lightning Games, die du kennen solltest.

1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
CME-Börse eröffnet Handel mit Bitcoin-Optionen
Bitcoin

Bitcoin erreicht den börslichen Handel. Künftig können Investoren an der CME-Börse Bitcoin-Optionsscheine handeln, die ihren Basiswert aus Futures beziehen. Dies könnte das riskante Wettgeschäft auf sinkende Bitcoin-Kurse beflügeln und zu einer hohen Volatilität der Kryptowährung führen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
Bitcoin Cash: Kommt die Mining-Steuer?
Altcoins

Ein Teil der Bitcoin Cash Miner plant die Einführung einer Art Mining-Steuer. Der zugehörige Fonds soll helfen, das Ökosystem stabil zu halten und die Infrastruktur weiterzuentwickeln.

1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
Hamburg Energie testet Blockchain-Plattform für dezentrale Energieversorgung
Insights

Dürreperioden, Waldbrände, Gletscherschmelze: Der Klimawandel zeigt sich von vielen Seiten. Die Problemlösung hängt maßgeblich von einer gelingenden Energiewende ab. Der städtische Energieversorger Hamburg Energie hat nun eine blockchainbasierte Plattform entwickelt, die überschüssigen Industriestrom wieder brauchbar macht.

1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
Ebbe bei Ripple: XRP-Verkäufe um 80 Prozent gesunken
Ripple

Schwere Zeiten für Ripple. Ein Marktbericht zum vierten Quartal 2019 belegt drastische Einbrüche verkaufter XRP. Dennoch stellt 2019 das erfolgreichste Wachstumsjahr des Unternehmens dar.

1933p, Der Fall 1933p: Mysteriöse Bitcoin-Wallet bleibt in Bewegung
CryptoPunks – Einzigartige Pixel auf der Blockchain
Blockchain

CryptoPunks, der Kunstmarkt und die Blockchain-Technologie: die Chancen der Blockchain-Technologie.

Angesagt

Bitcoin-Dominanz fällt weiter
Kursanalyse

Die bullishe Konsolidierung am Gesamtmarkt lässt die Kurse von Bitcoin und den Altcoins aktuell leicht zurückkommen. Der bullishe Rallye-Ausbruch am Gesamtmarkt ist temporär vertagt, aber weiterhin nicht vom Tisch.

Deloitte-Bericht zeigt ein halbes Dutzend Herausfordeungen für Libra auf
Insights

Facebooks Libra-Projekt schlägt weiterhin hohe Wellen. Nachdem der Coin schon das Licht der Finanzwelt hätte erblicken wollen, haben Regulierungsbehörden dies zu verhindern gewusst. Wie es um die Chancen des scheinbar in Scherben liegenden Projekts bestellt ist, diskutiert ein aktueller Bericht von Deloitte.

Korrelation am Krypto-Markt: Alle Augen auf Ethereum
Ethereum

Während viele Beobachter Bitcoin für das Zugpferd am Krypto-Markt halten, hat es sich herausgestellt, dass es Ether (ETH) ist. Zumindest in Sachen Korrelation. Das geht aus einer aktuellen Studie der Krypto-Exchange Binance hervor.

Mit Kryptowährungen Gutes tun: Spenden für Buschfeuer in Australien
Funding

30 Tote und rund eine Milliarde verendete Tiere – so die erschütternde Bilanz der jüngsten Waldbrände in Australien. Die verheerenden Großfeuer hinterließen unzählige Opfer, die jetzt vor dem Nichts stehen. Einige der Hilfsorganisationen akzeptieren auch Spenden in Bitcoin & Co. Ein wunderbares Beispiel für die Adaption von Kryptowährungen – und leider auch eine Gelegenheit für Cyberkriminalität.