Circle – Ein alter Stiefel in neuem Gewand

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Circle – Ein alter Stiefel in neuem Gewand

Ein Riese der Krypto-Ökonomie blickt auf das Jahr 2018 zurück. Er spannt ein erschlagendes Netzwerk aus etablierten Global Playern auf, in deren Mitte, einer Spinne gleich, das FinTech-Unternehmen Circle selbst sitzt. Von einer großen Vision, der Gefahr einer feindlichen Übernahme und vielen einprägsamen Worthülsen.

Die beiden vordersten Gesichter des FinTech-Unternehmens Circle, Jean Neville und Jeremy Allaire, blicken auf das Jahr 2018 zurück und wagen einen kleinen Ausblick auf 2019. Arbeitet man sich durch ihren aktuellen Medium-Artikel, drängt sich zuallererst eine Frage auf: Wo hat Circle seine Finger nicht mit im Spiel?

Jung, global und erfolgreich

Vor fünf Jahren wurde der Grundstein des Unternehmens gelegt, 2019 markiert den Beginn des sechsten Geschäftsjahres. Und: Das Jahr 2018 sei laut eigener Aussage das bedeutendste in der noch jungen Geschichte des Unternehmens. Man ist stolz auf über acht Millionen Kunden aus 195 Ländern und auf über 200 Millionen abgewickelte Transaktionen. Und das bei einem Volumen von 75 Milliarden US-Dollar. Diese haben sich nicht nur im Kryptowährungsbereich abgespielt, sondern schließen auch Devisengeschäfte und andere traditionelle Bankengeschäfte ein. Dass Neville und Allaire global und vor allem groß denken, wird auch bei der Verteilung des Handelsvolumen deutlich: Auf die USA fallen 30 Prozent, auf Europa 25 Prozent, 24 Prozent auf Asien und 21 Prozent auf den Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika.

Die BitLicense – Startschuss einer globalen Rallye

Ein Grund einer solchen globalen Offensive könnte in der ersten offiziellen Lizenz liegen, die das Unternehmen 2015 vom New York State Department of Financial Services (NYDFS) erhalten hat. Ob die maßgeblich an der Finanzkrise 2008 beteiligte Investmentbank Goldman Sachs einen Einfluss darauf gehabt hat, bleibt noch zu klären. Circle bekam jedenfalls eine Finanzspritze von ebendieser Bank. Einen ähnlichen Beigeschmack erhält Circle durch den hauseigenen Stable Coin USDC, der inzwischen auf Rang 23 (Stand: 04.01.2019) auf coinmarketcap.com gelistet ist.

Circle und Poloniex

Im Februar 2018 verleibte sich Circle die in einer vergleichsweise langen Tradition stehende Exchange Poloniex ein und sorgte laut eigener Angabe für einige Verbesserungen. Offene Kundenanfragen reduzierte man offenbar binnen einen Jahres von 200.000 auf 1.000. Zudem verbesserte Circle Vorgänge wie die Verifizierung der Kunden, Verlässlichkeit, Sicherheit und Stabilität der Plattform. Zudem ist eine App für iOS und Android in 13 Sprachen erschienen. Inzwischen kann man den Stable Coin auf über 40 Plattformen kaufen und verkaufen.

„Crypto without the cryptic“


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Um dem globalen Anspruch gerecht werden zu können, muss sich Circle an den Otto Normalverbraucher wenden. Hierfür entwickelten sie eine nutzerfreundliche App namens Circle Invest, die Wissen vermittelt und Investment erlaubt. Ganz nach dem Motto: „Crypto without the cryptic“. In der App lassen sich vorgefertigte Portfolios kaufen, die man sich den eigenen Vorlieben nach auswählen kann, so zum Beispiel Coins, die lediglich Währung sind, oder Coins, die in erster Linie mit Sicherheit und Anonymität zusammenhängen.

Institutionelle Investoren

Eine weitere Sparte des Unternehmens sind die Over The Counter Trades (OTCs), die ohne Exchange auskommen und sich in erster Linie an institutionelle Geldgeber wenden. In ihrem Artikel schreiben die beiden Geschäftsführer von steigenden Zahlen in diesem Sektor im Jahr 2018. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sich der Dienst in den USA, in Europa und in Asien gleichermaßen verbessert hat.

Weitere Verstrickungen

Neville und Allaire werfen mit weiteren Begriffen um sich, es wird unübersichtlich. Die Konsortien und technischen Finessen reihen sich in eingängigen Begriffen aneinander. Bezüglich CENTRE begnügt man sich mit dem Hinweis auf die Zusammenarbeit mit Coinbase. Circle Pay wird als quasi kostenlose Sofortzahlungs-App erwähnt. Eine Kooperation mit SeedInvest, einer der größten Crowdfunding-Plattformen, stehe ebenfalls in den Startlöchern. Man habe mit Circle Research ein Nachrichten- und Analysejournal mit tausenden Interessenten gestartet.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens, insbesondere die Bemühung um politische und regulatorische Transparenz, ist eindrücklich. So gebe es Gespräche mit dem US-Kongress, SEC und Behörden, wofür die Blockchain Association gegründet wurde. Global Digital Finance sei ein weiteres industrielles Bündnis zur allgemeinen Verbesserung des Ökosystems.

Außerdem habe man mit Finanzaufsichtsbehörden in Hongkong, Singapur, Großbritannien und Europa zu tun. Wie man dem Post weiter entnehmen kann, trete Circle zudem als Berater des IWF auf. Über die Lobpreisung der Mitarbeiter fallen schließlich noch die ganz großen Namen aus dem Banken- und Softwaresektor. Darunter: Google, Adobe, Intel, JPMorgan, Credit Suisse und Deutsche Bank.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Neville und Allaire ein gigantisches globales Netz aufspannen, das alles andere als transparent wirkt. In Sachen Regulierung und Akzeptanz von Blockchain mag das zwar eine positive Verlautbarung sein, aber zwischen den Zeilen erahnt man eher den alten oligarchischen Schulterschluss aus Banken, Behörden und Industrie.

„Crypto without the cryptic“ kann nach dieser Veröffentlichung auch so gedeutet werden: Das grob umrissene Netzwerk aus Banken, Behörden und Industrie stellt das „Crypto“ dar, also das Undurchsichtige, während die eigentlichen Stärken der Technologie das „cryptic“ ausmachen. Vielleicht lässt sich der Satz dann auch so umformulieren: „Der alte Stiefel in neuem Gewand“.

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