Bitcoin, werd’ erwachsen! Die Lage am Mittwoch

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Bitcoin muss erwachsen werden und die Blockchain aus den Kinderschuhen raus. Die inzwischen fast zum Mantra gewordenen Forderungen hallen bisweilen ungehört durch die Chats und Foren der Blockchain-Gemeinde. Doch wie ist der Status quo? 

Bitcoin, werd’ erwachsen! Dass der Unkenruf einer unruhigen Gemeinde zu einer erfüllten Prophezeiung werden kann, dafür scheint es noch einiges zu brauchen. Eine vernünftige Regulierung, ein bisschen weniger Spekulation und vor allem: Weniger FUD ‘n’ FOMO.

Denn: Die Bitcoin-Gemeinde, das Blockchain-Ökosystem, die Jünger IOTAs und die Ripple-Ritter haben ein gemeinsames Problem. Während in der Ruhe ihre Kraft liegen sollte, bewegen sie sich in einer extrem schnelllebigen und unsteten Industrie. Wenn Sekunden über Gewinn und Verlust entscheiden, wie soll man da mit ruhiger Hand traden?

FUD ‘n’ FOMO vs. Hype Cycle

FOMO-Käufe sind genauso wie FUD-Verkäufe – man kann es nicht oft genug betonen – schlechte Anlageberater. Die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), ist ein ebenso schlechter Ratgeber wie Angst, Unsicherheit und Zweifel (FUD). Diesen zu entkommen ist nicht immer einfach. Doch folgt man einer simplen Rezeptur (und verliert zwischenzeitlich nicht den Glauben an die Blockchain-Industrie), lassen sich Verluste möglichst gering halten.

Orientiert man sich nämlich am Gartner-Hype-Cycle-Modell, heißt der Ratschlag: Augen zu und durchhodln. Denn demnach befinden wir uns momentan in einer Korrekturphase, wie sie für Technologien im Frühstadium nicht ungewöhnlich ist. Der erste Hype ist vorbei, die schnelllebigen Investoren sind wieder abgesprungen, was bleibt, ist der feste Kern (der sich jedoch auch noch schmälern wird). Fällt man nun nicht auf Pump-and-Dumps herein (oder macht man schnell genug und bei den richtigen mit), wird man auch den aktuellen Bärenmarkt überleben.

Dessen Ende hängt, folgt man dem Modell weiter, nun vor allem von der berühmt-berüchtigten Adaption von Bitcoin & Co. ab. Sprich: Die Technologie muss sich durchsetzen, die richtigen Projekte müssen ihren Weg in den Mainstream finden. Das bedeutet jedoch auch: Viele Projekte werden in der (nahen?) Zukunft scheitern, einige wenige überleben.

Doch warten wir nicht schon viel zu lange? Eigentlich nicht:

Klar, zehn Jahre klingen lang. Aber wenn du das mit dem Internet vergleichst, sind zehn Jahre relativ kurz. Das Internet ist den achtziger Jahren erfunden worden, die erste Blase kam dann in den neunziger Jahren. Aber die Unternehmen, die wir heute nutzen, sind ja damals erst gestartet. Das heißt, wir würden uns jetzt am Startpunkt befinden. Genau die nächsten zwanzig Jahre sind daher spannend.

Dr. Julian Hosp im BTC-ECHO-Interview.

Regulierung kann helfen

Um der Flut an Shitcoins und zum Scheitern verurteilter Projekte zu entkommen und Betrügern nicht das Geld in die Hände zu schieben, braucht es jedoch auch Hilfe von Außen. Hier müssen vor allem Regierungen und Behörden ansetzen, um geeignete Richtlinien zu schaffen, die helfen, dieser „neuen“ Technologie namens Blockchain Herr zu werden. Stichwort: Pump and Dump.

Denn gewieften Tricksern ist es ein Leichtes, sich an der Schnelllebigkeit des Marktes zu bereichern. Was ihnen oft und gerne in die Hände spielt: FOMO. Das aktuellste Beispiel ist der BitTorrent Token aus dem Hause TRON. Innerhalb kürzester Zeit verteilte die Krypto-Börse Binance und das Token-Projekt TRON neue Token an eine geringe Anzahl sogenannter „Wale“, die den Kurs für den Token jetzt (theoretisch!) künstlich in die Höhe treiben können. Das hat wiederum den Effekt, das Außenstehende auf das angebliche Potential des Token aufmerksam werden und auch ihren Teil des Kuchens abhaben wollen (Pump). Im richtigen Moment stoßen die Wale ihre Token wieder ab (Dump) und bereichern sich so an gefoppten FOMO-Opfern.

An regulierten Finanzmärkten sind solche Praktiken längst verboten. Doch die unterscheiden sich eben in einem wichtigen (offensichtlichen) Punkt: Sie sind reguliert.

Bitcoin breitet sich aus

Im Gegensatz zu etwaigen Kursverläufen spricht die Verbreitung von Blockchain und Kryptowährungen allein in der vergangenen Woche eine andere Sprache. Da ist zum Beispiel das alte Problem mit Bitcoins Energieverbrauch, das von Gegnern der Kryptowährung immer wieder angeführt wird. Bitfury, eine der Top-Blockchain-Unternehmen, will seit Kurzem die „goldene Gans“ gefunden haben. Denn in einer aktuellen Bestrebung, Paraguays erneuerbare Energieressourcen anzuzapfen, will das Unternehmen Bitcoin Mining wieder zu altem Glanz verhelfen. Dass sich die Kryptowährung auf dem südamerikanischen Kontinent längst verdient gemacht hat, lässt selbst Präsident Maduro zum wiederholten Male aufhorchen.

Und auch an technologischer Front tut sich was. Die Aktion #InTrustChain soll verdeutlichen, was die Bitcoin Blockchain ohnehin abbilden soll: Vertrauen. So war es ein Norweger, der eine Art Bitcoin-Kettenbrief ins Leben rief, die seitdem von Enthusiast zu Enthusiast weitergereicht wird. Und das, obwohl sie mit jeder Weitergabe wertvoller wird.

Was also bleibt, ist der Unkenruf im Stimmbruch: Bitcoin, werd erwachsen! Dann klappt’s auch mit dem ETF.


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