180-Grad-Wende 

“Niemals Bitcoin verkaufen”: Wie Michael Saylor die MSTR-Aktionäre an der Nase herumführte

Der Strategy-Gründer will erstmals Bitcoin abstoßen, um die STRC-Dividendenzahlungen zu gewährleisten. Ein Tabubruch mit schweren Folgen?

Tobias Zander
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Michael Saylor, MicroStrategy-Gründer

Beitragsbild: picture alliance

| Strategy-Gründer Michael Saylor möchte nun doch Bitcoin verkaufen

Es war eine Zäsur in der Geschichte von Strategy, der mit Abstand größten Bitcoin-Treasury-Firma der Welt: Vor einer Woche gestand Michael Saylor der Öffentlichkeit, dass er BTC-Verkäufe durchführen wolle, um die Dividendenzahlungen auch in schwierigen Zeiten zu gewährleisten. “Wir werden wahrscheinlich einige Bitcoin verkaufen, um eine Dividende zu zahlen, einfach um den Markt daran zu gewöhnen und die Botschaft zu senden, dass wir es getan haben”, erklärte der Strategy-Gründer im Rahmen des Earnings Call für das erste Quartal 2026 – ganz so, als wäre es keine große Nachricht.

Dabei handelt es sich um einen kompletten Bruch mit einem seiner bekanntesten Grundsätze: “Niemals Bitcoin verkaufen”. Immer wieder hatte Saylor den MSTR-Aktionären versprochen, dass er für immer BTC kaufen werde, völlig gleich, zu welchem Kurs. Ein konsequenter “Buy and Hold forever”-Ansatz, den in der Community viele begrüßten. Als der BTC-Kurs im Januar 2022 um rund 40 Prozent gefallen war, fragte Bloomberg den Permabullen, ob seine Firma jemals BTC verkaufen würde. Saylors Antwort: “Niemals. Nein. Wir sind keine Verkäufer. Wir kaufen und halten Bitcoin”.

Zwei Jahre später bekräftige er diesen Vorsatz: “Es gibt einfach keinen Grund, den Gewinner zu verkaufen”, meinte der Strategy-Gründer, erneut gegenüber Bloomberg. Und ergänzte: “Bitcoin ist die Ausstiegsstrategie.” Im Februar 2025 veröffentlichte er dann seine “21 Regeln für Bitcoin”, von denen Nr. 20 besagt: “Verkaufe deine BTC nicht.”

Nachdem die Krypto-Leitwährung kurz darauf unter 80.000 US-Dollar fiel, ging Saylor mit seiner Rhetorik sogar noch einen Schritt weiter: “Verkaufe eine Niere, wenn es sein muss, aber behalte die BTC”. Vor wenigen Monaten beteuerte der US-Unternehmer gegenüber CNBC noch einmal, dass er keinesfalls Bitcoin verkaufen wolle, und davon ausgehe, dass Strategy jedes Quartal mehr BTC erwerben werde – bis ans Ende aller Zeiten.

Ein Bitcoin-Tabubruch, der Anleger kalt lässt

Die Erklärung für den Paradigmenwechsel klingt zunächst durchaus rational: “Man kauft Bitcoin mit Krediten, lässt seinen Wert steigen und verkauft dann Bitcoin, um die Dividende zu zahlen”, sagte Michael Saylor. Auch Bitcoin-Analyst Jeff Park hält es “insgesamt für konstruktiv, den Elefanten im Raum anzusprechen” – sofern dies wohlüberlegt und mit größter Sorgfalt geschehe. Dass der charismatische Geschäftsmann bereits ein neues, ebenso einschlägiges Motto anstelle des “Niemals Bitcoin verkaufen” gefunden hat, versteht sich von selbst. Es lautet: “Kauf mehr Bitcoin, als du verkaufst”.

Ergänzend erklärte CEO Phong Le, dass Bitcoin-Verkäufe davon abhängig gemacht werden, ob diese im Vergleich zur Ausgabe neuer Aktien vorteilhafter für die Kennzahl mNAV und damit für die Aktionäre sei. Verkäufe würden grundsätzlich nur erfolgen, wenn sie den Anteil der BTC-Bestände pro Aktie langfristig erhöhen.

Angesichts der Tragweite des Tabubruchs wäre dennoch zu erwarten gewesen, dass sowohl Bitcoin als auch die MSTR-Aktie zumindest kurzfristig korrigieren. Aber nichts dergleichen passierte, stattdessen liegt das Strategy-Wertpapier im laufenden Handelsjahr sogar 25 Prozent im Plus. Auch der bekennende Bitcoin-Maximalist Samson Mow springt Saylor zur Seite: “Niemals zu verkaufen schränkt die Handlungsmöglichkeiten ein. Die öffentlichen Märkte sind ein Krieg. Im Krieg braucht man alle verfügbaren Mittel.” Wer sich ausschließlich darauf beschränke, Bitcoin zu kaufen, würde automatisch Leerverkäufer und Arbitrageure auf den Plan rufen. Also herrscht weiter eitel Sonnenschein?

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So ganz ohne Kritik kommt selbst der auf BTC-Konferenzen wie ein Rockstar gefeierte Strategy-Gründer nicht davon. “Was für ein Umschwung gegenüber der ursprünglichen Rhetorik. Sollen wir [BTC] kaufen, wenn du es uns aufschwatzen willst?”, fragt ein X-Nutzer unter dem “Kauf mehr Bitcoin, als du verkaufst”-Statement. Ein anderer bemerkt: “Euer örtlicher Ponzi-Dealer hat euch gerade erzählt, dass das Ponzi-Scheme knapp bei Kasse ist”.

Auch Peter Schiff, langjähriger Bitcoin- und Strategy-Kritiker, äußert sich zum Paradigmenwechsel: “Ich glaube, dass diese Art von ‘Verpflichtung’ nötig ist, um das Ponzi-Scheme länger am Laufen zu halten.” Wenn es so weit sei, würde Saylor aber vermutlich eher die Dividende aussetzen und STRC abstürzen lassen als Bitcoin selbst.

Die Betrugsvorwürfe mögen überzogen sein, doch der Strategy-Gründer hat tatsächlich ein zentrales Versprechen gegenüber den MSTR-Aktionären gebrochen. Selbst das führende Bitcoin-Treasury-Unternehmen hängt letzten Endes eben von regulatorischen Zwängen, Quartalszahlen und nicht zuletzt den wechselnden Meinungen der Chefetage ab. Bitcoin selbst ist und bleibt das einzige wirklich dezentrale Asset.

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