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Bitcoin: Geschichte und Unterschiede von BTC, BCH und BSV

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Bitcoin: Geschichte und Unterschiede von BTC, BCH und BSV

Bitcoin, Bitcoin Cash, Bitcoin SV. Wer soll denn da den Durchblick behalten? Grund genug, sich vor Augen zu führen, wie es zu den Projekten kam und worin sie sich unterscheiden. 

Fast zehn Jahre nach der Geburtsstunde von Bitcoin, dem elektronischen Peer-to-Peer-Geldsystem, gibt es mehrere Technologien, die den Anspruch haben, „der wahre Bitcoin“ zu sein. Die populärsten Kandidaten befinden sich zur Zeit des Schreibens alle in den Top 10 der Kryptowährungen, wenn man nach Marktkapitalisierung geht.

Es war einmal Bitcoin…

Alles fing mit der Skalierungsdebatte an. Diese begann bereits schon in frühen Zeiten, weit vor der Eskalation des Konflikts. Im Jahr 2013 wurde auf dem damals zentralen Ideen-Marktplatz, BitcoinTalk, das von Satoshi Nakamoto implementierte Blocksizelimit diskutiert. Glücklicherweise kann man diese Diskussionen auch heute noch nachverfolgen. Für jeden, der nicht die Zeit hat, sich durch die Fäden zu hangeln:

Die eine Fraktion, zu der auch der bereits damals untergetauchte Satoshi Nakamoto zählte, meinte, dass es keine feste Blockgröße geben müsse. Die Hardware würde sich über die Zeit verbessern und größere Blöcke unterstützen.

Die Gegenseite argumentierte, dass es bei steigender Blockgröße zunehmend schwieriger würde, eine Full Node zu betreiben (eine Full Node ist ein Knotenpunkt im Bitcoin-Netzwerk, der die komplette Transaktionshistorie, die Blockchain, gespeichert hat und so jede einzelne Transaktion selbst verifizieren kann, ohne sich dabei auf eine dritte Partei verlassen zu müssen). Das würde bedeuten, dass nur noch professionalisierte Unternehmen mit Geld für Hardware und ausgezeichneter Internetverbindung die Blockchain verifizieren könnten. Dies würde einen Angriffsvektor für autoritäre Regierungen bieten, die das Netzwerk zensieren wollen.

Satoshi Nakamoto selbst hatte die Obergrenze für die Blockgröße als schnellen Fix eingebaut. Sie abzuschaffen würde eine fundamentale Änderung des Regelwerks bedeuten, eine Hard Fork. Das Bitcoin-Protokoll änderte sich damals nicht; doch die Saat des Konflikts war ausgestreut.

Die Skalierungsdebatte 2017

Im Jahr 2017 brodelte der Konflikt dann immer weiter hoch. Bitcoin konnte sich zunehmender Popularität erfreuen. Damit stieg auch die Zahl der Transaktionen. Doch durch die limitierte Blockgröße stauten sich die Transaktionen. Wer zeitnah eine Transaktion in einen Block bekommen wollte, musste deshalb eine höhere Transaktionsgebühr bezahlen. Die Nutzer fingen an, um den Platz in der Blockchain zu konkurrieren und die Transaktionskosten stiegen. Bitcoins Nützlichkeit als Geldsystem für Bezahlungen sank dadurch. Eine Lösung war bereits in Arbeit, nämlich SegWit (Segregated Witness).

Mit SegWit (Bitcoin Improvement Proposal 148) würden die digitalen Signaturen der Bitcoin-Transaktionen nicht mehr in der Blockchain gespeichert werden. Ergo, wäre auch mehr Platz in der Blockchain für Transaktionen – ohne die Blockgröße zu erhöhen. SegWit wäre ein Fix für die Transaction Malleability. Transaction Malleability beschreibt die Veränderung von unbestätigten Transaktionen, ohne dass die Transaktion invalide wird.

Parallel dazu machte ein Gerücht die Runde: der ASICBoost. Der Bitcoin-Mining-Hardware-Hersteller Bitmain sollte es geschafft haben, seine ASICs versteckt zu optimieren, um weniger Energie als die Konkurrenz zu benötigen. Dieser Trick, so hieß es, würde versteckt passieren und natürlich dementierte Bitmain alle Anschuldigungen. Bitmain war jedoch Gegner von SegWit. SegWit würde den vermuteten ASICBoost unmöglich machen, die wirtschaftlichen Anreize sprachen also für sich.

So bildeten sich zwei Lager: Bitcoin SegWit und Bitcoin Unlimited. Bitcoin Unlimited war die Idee, jegliche Limitierung der Blockgröße abzuschaffen und die Größe der Blöcke den Minern zu überlassen. Für das Bitcoin-Unlimited-Lager trat vor allem Roger Ver, der Bitcoin.com-CEO, auf den Plan, aber auch Bitmain-Co-Founder Jihan Wu. Bitcoin SegWit wurde durch etliche Bitcoin-Core-Entwickler, Blockstream und weitere vertreten.

Die Eskalation: Bitcoins erste Hard Fork

Mitte 2017 waren die Fronten soweit verhärtet, dass keine Einigung in Sicht war. Die SegWit-Seite hatte mit der UASF (User Activated Soft Fork) nachgerüstet. Hier signalisierten die Full Nodes im Bitcoin-Netzwerk, dass sie nach dem 1. August 2017 nur noch SegWit unterstützen würden. Daraufhin nahm das Lager von Ver und Wu das Ruder in die eigene Hand und entschied sich zu einer Hard Fork. Am 1. August 2017 trennten sich dann die Wege. Bitcoin (BTC) aktivierte SegWit und Bitcoin Cash (BCH) verzichtete auf SegWit, erhöhte dafür allerdings die Blockgröße auf acht Megabyte.

Seither hat sich technologisch bei Bitcoin (BTC) nicht viel verändert. SegWit ist aktiv und erlaubt neue Adressformate und das Lightning Network. Die Blockgröße wurde abgeschafft, dafür gibt es jetzt ein Blockgewicht. Dieses beträgt um die vier Megabyte. Effektiv wurde der Platz auf der Blockchain also etwas erhöht, allerdings wurde primär die Transaction Malleability gefixt. So entschied sich die BTC-Community für den konservativen Weg der Soft Fork.

Die Spaltung Bitcoin Cashs

Bitcoin Cash (BCH) ging den Weg der größeren Blöcke und den weniger konservativen Weg der Hard Forks. Man einigte sich innerhalb der BCH-Community, zweimal im Jahr eine Hard Fork durchzuführen. Im Mai 2018 fand dieser Plan zum ersten Mal Anwendung. Die Blockgröße in BCH fand ihr neues Limit nun bei 32 Megabyte. Außerdem wurden einige OP Codes wieder für das Protokoll aktiviert. Die Hard Fork verlief problemlos, der Konflikt schien gelöst…

… bis der August 2018 anrückte. Die Spezifikationen für die nächste Hard Fork, im November 2018, lösten große Kontroversen innerhalb der BCH-Community aus. Wie im Jahr zuvor bildeten sich zwei Lager. Auf der einen Seite standen abermals Roger Ver und Jihan Wu mit ihrem ABC-Protokoll. Auf der anderen Seite stand diesmal Craig Wright aka „Satoshi Nakamoto“ und Coingeek-CEO und Milliadär Calvin Ayre mit Satoshi Vision (SV). In den folgenden Monaten flog viel Schlamm von beiden Seiten – vor allem aber von der Wrights. Ein Bürgerkrieg bahnte sich an.

Als der 15. November, der Tag der Hard Fork, kam, spaltete sich das Bitcoin-Cash-Netzwerk erneut. Zuerst hieß es seitens Faketoshi, dass man keinen Split wollte. Man drohte stattdessen mit einer 51-Prozent-Attacke und wollte die ABC-Kette auslöschen. Diese Schlacht ging als die Hash Wars in die noch junge Geschichte der Kryptowährung ein. Das Endergebnis war doch ein Chainsplit. So existieren heute zwei unterschiedliche Coins. Der eine trägt den Namen Bitcoin Cash (das ist die ABC-Fraktion). Der andere Coin folgt der Vision Craigs, pardon, Satoshis und heißt deswegen auch Bitcoin SV (Satoshi Vision).

Technische Gegenüberstellung von BTC, BCH und BSV

Worin aber unterscheiden sich die verschiedenen Lager auf der technischen Ebene?

Bitcoin (BTC)

Von den drei Projekten ist Bitcoin das einzige, das die Transaction Malleability gefixt hat. Der Fix dafür heißt SegWit. Damit wurde gleichzeitig die Blockgröße abgeschafft und durch ein Blockgewicht ersetzt. Das funktioniert so: Jedes Byte einer Transaktion hat ein „Gewicht“ von vier Byte. Wenn es sich allerdings um ein Byte des SegWit-Bereichs (also der ausgelagerten digitalen Signatur einer Transaktion) handelt, dann wiegt dieses eine Byte auch nur ein Byte im Block. SegWit-Transaktionen erhalten somit einen Discount.

Für SegWit gibt es neue Adressenformate. Zum einen sind dies die P2SH-P2WPKH-Adressen, die mit einer 3 beginnen. Zum anderen sind es die nativen P2WPKH and P2WSH, oder Bech32-Adressen, die mit bc1 beginnen.

SegWit war eine Soft Fork. Mit anderen Worten, die Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerkes mussten nicht aktiv zustimmen. Das bedeutet allerdings auch, dass noch nicht alle Teilnehmer des Bitcoin-Netzwerks in den Genuss der Neuerung kommen. Betrachten wir aktuell das Bitcoin-Ökosystem, so sehen wir, dass SegWit nur in 40 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen zum Einsatz kommt.

Quelle: https://oxt.me/charts

Schließlich sollte man noch anmerken, dass SegWit den Aufbau zweiter Ebenen begünstigt – namentlich das Lightning Network.

Bitcoin Cash (BCH)

Bitcoin Cash hat seit der Hard Fork im November 2018 nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Bitcoin Cash vor dieser Hard Fork. Nur der Name ist derselbe geblieben.

Die größte Änderung, die unter anderem auch für die Kontroverse mit SV sorgte, war das Canonical Transaction Ordering, kurz CTOR. Damit würde die Skalierung auf extrem große Blöcke einfacher, denn Blöcke können sich schneller im Netzwerk propagieren. Bitcoin und Bitcoin SV ordnen ihre Transaktionen hingegen topologisch (TTOR). Allerdings hat BCH noch keine so großen Blöcke, geschweige denn das Transaktionsvolumen. Der Chart zeigt die durchschnittliche Anzahl an Transaktionen pro Block im Vergleich zu Bitcoin (BTC). Bis auf einige Spikes liegt das Transaktionsvolumen weit unter Bitcoin.

Quelle: cash.coin.dance/blocks

Die zweite kontroverse Änderung ist die Aktivierung von OP_CHECKDATASIGVERIFY (DSV). Damit lassen sich beispielsweise Smart Contracts und Orakel in der BCH-Blockchain integrieren.

Die Hard Fork brachte auch noch einige kleinere Neuerungen, wie eine Mindestgröße von 100 Byte für Transaktionen, einen aufgeräumten Stack und Push-Only für scriptSig. Die Blockgröße blieb unverändert bei 32 Megabyte.

Im Hash War zog sich BCH allerdings eine schwere Kriegswunde zu: Aus Angst vor einer 51-Prozent-Attacke durch verstecktes Mining nutzen die Entwickler der Implementierung ABC ihre Macht aus und bauten Checkpoints in den Clienten ein. Damit wurde es unmöglich, dass es eine Reorganisation der Blockchain über zehn Blöcke gebe. Diese Aktion kann man als ein Schuss ins eigene Bein kritisieren, denn infolgedessen entfernt sich BCH immer weiter von der eigentlichen „Vision Satoshi’s“, bei der die Kette mit dem meisten Proof of Work als gültige Geschichte der Transaktionen anzusehen ist.

Bitcoin SV (BSV)

Die Vision Satoshi’s lebt in Bitcoin SV weiter. Unter der Führung von Craig „Satoshi“ Wright nähert sich BSV der ursprünglichen Version des Bitcoin-Protokolls wieder an – natürlich ohne die anfänglichen Bugs.

Bei der Hard Fork am 15. November erhöhte BSV die maximale Blockgröße auf 128 Megabyte. Des Weiteren wurden einige OP Codes des originalen Protokolls wieder aktiviert. Damit wird die Vision einer vollen Programmiersprache auf der Protokollebene wieder ins Leben gerufen. Außerdem lockerte die Hard Fork auch noch die Restriktionen für Skripte.

BSV konnte sich also größtenteils unbeschadet aus dem Hash War retten. Schließlich musste man doch einsehen, dass sich das ehemalige Bitcoin-Cash-Netzwerk unversöhnlich geteilt hatte.

You can go your own way

Die Geschichte zeigte, dass die Bitcoin Community fundamentale Meinungsverschiedenheiten hat. Bitcoin (BTC) sieht vor allem den Wertspeicher (Store of Value) als Mehrwert der Kryptowährung. Bitcoin Cash (BCH) und Bitcoin SV (BSV) betonen hingegen die Funktion des Mediums zum Tausch. Manches Mal führten diese unterschiedlichen Perspektiven zu Weggabelungen, bei denen sich die Communities spalten.

Zum einen liegt hier die Schönheit einer quelloffenen und genehmigungslosen Software: Jeder darf den Weg einschlagen, der in seinen Augen der beste ist. Zum anderen zerreißen die Hard Forks die Communities und verhindern den Netzwerkeffekt eines einheitlichen, globalen Zahlungsmittels.

Für uns Nutzer stellt sich zwar die Frage, welches Projekt nun das beste ist. Doch während sich die Miner und Entwickler entscheiden müssen, wohin sie ihre Energie stecken, können wir auf allen Hochzeiten tanzen. Der letzte Groschen in der Bitcoin-Frage ist noch nicht gefallen. Warten wir also noch geduldig einige Jahre ab und geben jedem die Chance, sich zu beweisen.

BTC-ECHO

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