Bitcoin-ETF-Debatte: Warum uns die Ablehnungsbescheide der SEC kalt lassen sollten

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Und schon wieder ist es passiert: Die US-Wertpapieraufsicht SEC hat neun Bitcoin-ETF-Anträgen eine Absage erteilt. Die große Flut an frischem Kapital bleibt vorerst aus, eine Indexfonds induzierte Bitcoin-Rallye muss warten, zumindest bis zum 30. September. Schließlich liegt ein weiterer Bitcoin-ETF-Antrag mit größeren Erfolgsaussichten, da unter anderem Kleinanleger ausgeschlossen werden, in der Pipeline bzw. auf den Schreibtischen der US-Behörde und wartet auf seine Zulassung. Befürworter der regulierten Fonds können also doch noch zeitnah zu ihrem regulierten Bitcoin-Investment kommen. Wie die Entscheidung der SEC zu interpretieren ist und warum die Absagen entspannt aufgenommen werden können, soll im Folgenden skizziert werden.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

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Die gescheiterten Zulassungsanträge lassen den Kryptomarkt verhältnismäßig kalt. Das Minus von Bitcoin & Co. ist gemessen an den Kursstürzen der letzten Wochen eher harmlos – zu Recht. Gab es doch bereits im Vorfeld große Zweifel, ob die Anträge durchgehen würden. Außerdem schien die finale Absage gar nicht so final zu sein. Denn kaum einen Tag später gab die SEC bekannt, die Anträge doch nochmal zu überprüfen. Dennoch ist die Frage nicht ob, sondern wann es von der SEC genehmigte Krypto-ETFs geben wird. Aus der Finanzmarkthistorie der letzten Jahrzehnte lässt sich schließen, dass jeder Vermögenswert über kurz oder lang durch Finanzprodukte abgebildet wird. Die Gier hat sich bislang immer durchgesetzt. Egal, ob Hedgefonds aus der Offshore-Finanzparadies-Jurisdiktion Cayman Islands oder Asset Backed Securities, die zur Hypothekenblase und anschließenden Finanzkrise 2008 geführt haben. Die Kreativität der Finanzingenieure und Finanzmarktjuristen sollte man nicht unterschätzen.

Kein Ende in Sicht


Die Flut von Anträgen für Kryptofinanzprodukte wird nicht nachlassen. Vor allem da es bereits einige zugelassene und regulierte Finanzprodukte gibt. Es ist vollkommen normal, dass zunächst weniger stark regulierte Finanzprodukte mit geringeren Hürden zugelassen werden, bis man am Ende bei der Königsklasse ETF ankommt. Es gibt bereits Bitcoin-Futures, genauso wie alternative Investmentfonds, Exchange Traded Notes oder sonstige Zertifikatskonstruktionen, die Bitcoin abbilden. Diese erfolgreichen Beispiele zeigen, dass bereits einige regulatorische Hürden genommen wurden und dass es sehr wohl möglich ist, eine Erlaubnis von einer Behörde für Kryptoprodukte zu erhalten.

Die Unsicherheit der Behörden

Es ist kein Geheimnis, dass die SEC, wie praktisch jede andere Behörde auf der Welt, eine Entscheidung möglichst lange hinauszögern möchte. Zu groß ist die Angst davor, sich zu einem späteren Zeitpunkt rechtfertigen zu müssen, wenn es zu Fehlern und rechtlichen Streitigkeiten kommt. Nur weil ETFs reguliert sind, ist es Bitcoin noch lange nicht. Bitcoin und der Kryptomarkt bleiben aus Sicht der Behörden unberechenbar. Der Mix aus reguliert und unreguliert verunsichert die Entscheidungsträger in den Behörden. So kommt immer wieder die Frage auf, ob es wirklich ein ausreichendes rechtliches Gerüst für Bitcoin-Fonds geben kann.

Die Devise lautet: Wer nichts macht, macht auch keine Fehler. Dies erklärt unter anderem, warum die SEC die meisten Anträge immer wieder auf die maximale Entscheidungsfrist verlängert. Eine Entscheidung kam in den meisten Fällen erst dann, wenn keine Fristverlängerung mehr möglich war.

Wie auch im aktuellen Fall der Ablehnungsbescheide, weisen die Entscheidungsträger gerne auf die Gefahr der Marktmanipulationen hin. Ohne ausreichenden Schutz vor Betrug kann man, so die SEC, keinen Fonds zulassen. Im Namen des Verbraucherschutzes erteilt die Behörde dann das bekannte Urteil der Ablehnung. Nicht immer nachvollziehbar, aber dennoch wenig überraschend für eine Aufsichtsbehörde.

Entspannt bleiben

Bitcoin & Co. haben sich in den letzten Jahren auch ohne ETFs prächtig entwickelt. So sehr viele Investoren von dem Gedanken eingenommen sind, dass Bitcoin-ETFs den Bitcoin-Kurs in die Höhe schnellen lassen würden, sollte man doch Ruhe bewahren. Zum einen sind die Auswirkungen starker Mittelzuflüsse nicht per se gut für das Krypto-Ökosystem – man denke hier nur an die Skalierungsproblematik und Überlastung der Kryptodienstleister während des Kryptohypes Ende 2017 – noch lenken sie die Kurse zwangsläufig gen Himmel. Genauso wie bei Bitcoin-Futures sind bei ETFs Long- und Short-Konstruktionen möglich, ergo können ETFs grundsätzlich auch Positionen gegen Bitcoin aufbauen und die Kurse nach unten prügeln.

Anstatt also auf Wertpapier-Kennnummern zu warten, kann es sich lohnen, einen Blick auf die bestehenden Möglichkeiten der Krypto-Ökonomie zu werfen. Das Schöne daran: Im Gegensatz zu ETFs braucht man für die Bitcoin-Verwahrung auf Wallets keine Depotgebühren zu bezahlen.

BTC-ECHO


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