Altcoin Deep Dive – Das Token Utility Canvas am Beispiel Bitcoin

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Zur Analyse und Bewertung von Kryptowährungen sind Einordnungsschemata häufig hilfreich und sollen zukünftig mehr Verwendung finden. In dem ersten Artikel der Reihe Altcoin Deep Dive schauen wir deshalb nicht auf eine einzelne Kryptowährung, sondern betrachten ein Analyse-Framework von ConsenSys.

Wie in einem Artikel vor gut zwei Wochen erläutert, soll die Kolumne „New Coins on the Block“ nun als Altcoin Deep Dive fortbestehen. Wir haben in der Vergangenheit schon über verschiedene Frameworks zur Token-Klassifizierung gesprochen, heute möchten wir eines vorstellen, welches bei zukünftigen Altcoin Deep Dives genutzt wird. Es handelt sich dabei um den Token Utility Canvas von ConsenSys.


Das Token Utility Canvas oder kurz TUC kann man sich als das Token-Pendant zum Business Model Canvas vorstellen. Das Business Model Canvas ist ein von Alex Osterwalder entwickeltes strategisches Framework, welches gerade im Lean-Start-up-Bereich eine gewisse Beliebtheit besitzt. Ziel des Business Model Canvas ist die Betrachtung einer Geschäftsidee von allen Seiten. Und so fasst man auf einer Seite verschiedene Charakteristiken wie die Partner, die Hauptaktivitäten oder das zugrundeliegende Wertversprechen zusammen.

Token Utility Canvas – ein Business Model Canvas für die Token Economy

Da dieses Modell recht bekannt ist, sind ConsenSys nicht die Einzigen, die dieses Modell im Krypto-Bereich verwenden wollen. ConsenSys kritisieren, dass beim Business Model Canvas ein klassisches Business im Fokus steht. Tokenbasierte Projekte sollten jedoch die Wechselwirkung von unterschiedlichen Stakeholdern mit den Token erfassen. Sie schlagen deshalb das Token Utility Canvas vor, das diese Struktur hat:

Zum einen analysiert das Token Utility Canvas die Beziehung zwischen dem Wertversprechen einer dezentralisierten Plattform und den Funktionen des Tokens. Neben dieser Beziehung ist festzuhalten, wie unterschiedliche Marktteilnehmer mit den Token interagieren.

Die Kenntnis über das gewünschte Verhalten der einzelnen Stakeholder beziehungsweise das von ihnen gewünschte Verhalten bildet sozusagen den Kern dieser Analysemethode. Warum? Weil dieses gewünschte Verhalten das Wertversprechen der dezentralen Plattform bestimmt.

Um die Verbindung zwischen Marktteilnehmer, Token und Wertversprechen genauer zu erfassen, schlägt ConsenSys eine genauere Analyse des Nutzerverhaltens vor. Diese kann in tabellarischer Form erfolgen. Die Spaltenreihenfolge wurde hier im Vergleich zu ConsenSys etwas angepasst, um so dem Gedankengang bei der Stakeholder-Analyse gerecht zu werden:

[table id=7 /]

Token Utility Canvas am Beispiel Bitcoin

Soweit, so abstrakt. Gehen wir deshalb gemeinsam ein Beispiel durch. Vieles in diesem Abschnitt ist dem Leser unserer Seite bekannt und wird hier nur noch einmal wiederholt, um das Denken im Rahmen des Token Utility Canvas zu erläutern.

Wir beginnen mit der Stakeholder-Analyse und fokussieren uns hier zunächst auf ein „Lightning-freies“ Bitcoin-Ökosystem. Mit Lightning Nodes, die für das Aufrechterhalten von Payment Channels zuständig sind, würde es einen weiteren Stakeholder geben. Weiterhin betrachten wir nur den Kern des Ökosystems, ohne die Bitcoin nicht laufen würde:

[table id=9 /]

Als erstes kann man betonen, dass alle anderen Stakeholder-Gruppen letzten Endes für die Nutzer arbeiten. Die Verwaltung der eigenen Funds ohne Notwendigkeit eines Mittelsmannes und ohne eine Möglichkeit einer Zensur ist ein Ziel von Bitcoin. Ein zweites ist, dass keine zentrale Quelle die Menge aller Bitcoins ändern kann, sodass eine willkürliche Inflation unmöglich ist.

Alle anderen Stakeholder – Miner, Node-Hoster und Entwickler – unterstützen diesen Zweck Bitcoins. Für die Nutzer existiert deshalb kein anderer Anreiz als die Vorteile und Möglichkeiten, die sich durch die Nutzung des Systems ergeben.

An den Nutzern erkennt man auch die Notwendigkeit eines Tokens: Die Funds müssen abzählbar sein. Damit es keine zentrale Kontrolle gibt, muss ein Ökosystem geschaffen werden, welches dezentral sowohl die Gesamtmenge aller Token als auch den Besitz der einzelnen Nutzer verwaltet. Das geschieht über ein dezentrales Protokoll, welches von den Entwicklern in Form von Bitcoin-Clients implementiert wird. Der Bitcoin-Client ist schließlich sowohl für die Miner als auch die Full Nodes die Software-Basis.

Incentive – Muss er immer finanziell sein?

Während Hoster von Full Nodes und Developer keinen finanziellen Anreiz erhalten, profitieren Miner von ihrer Arbeit. Sie erhalten Transaktionsgebühren der Nutzer, die Funds versenden wollen, sowie neu generierte Token, die gemäß des Bitcoin-Protokolls einer klar definierten Emissionslinie folgen. Durch diese Definition, die auf allen Bitcoin-Clients hinterlegt ist, ist die Anzahl an Bitcoins absolut limitiert und eine willkürliche Inflation so verhindert. Der finanzielle Anreiz ist notwendig, da die Produktion eines neuen Blocks ein rechen- und damit energieintensiver Prozess ist. Miner benötigen also eine Kompensation der Stromkosten.

Entwickler und Node-Hoster bekommen zwar keinen im Protokoll festgelegten Incentive, sind jedoch zentral an der Konsensfindung beteiligt. Durch Entwicklung eines neuen Clients kann der Entwickler einen Einfluss auf den Konsens, auf die Interpretation des Protokolls ausüben. Node Hoster können wiederum durch Nutzung eines derartigen Clients einen starken Einfluss ausüben. Das zeigte sich sehr gut im letzten Jahr mit der User Activated Soft Fork (UASF).

Aus dieser elementaren Liste der Stakeholder kann man das Token Utility Canvas generieren:

Der Token Utility Canvas – Wenn die Netzwerke um einen Token komplexer werden

Was ist der Sinn von diesen Mühen? Zugegeben: Das Kern-Ökosystem Bitcoins ist noch vergleichsweise übersichtlich. Jedoch kann man nach Entwicklung eines solchen Canvas schnell die Rollen der einzelnen Stakeholder, das Wertversprechen und die dazu notwendige Tokenlösung sehen und erhält so eine gute Übersicht über das System.

In der Betrachtung von anderen dezentralen Plattformen ist eine derartige Betrachtung beispielsweise hilfreich, um erkennen zu können, ob das im White Paper ausgesprochene Wertversprechen mit den vorgeschlagenen Lösungen zusammenpasst oder nicht. Gerade für einen „Deep Dive“ hat man also ein gutes Tool zur Analyse von Altcoins zur Hand.
BTC-ECHO

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