Allianz-Chefberater El-Erian: Bargeldlose Gesellschaft wird staatliche Kryptos hervorbringen

Allianz-Chefberater El-Erian: Bargeldlose Gesellschaft wird staatliche Kryptos hervorbringen

Bargeldlose Gesellschaften könnten die Herausgabe staatlicher Kryptowährungen befördern, so die Prognose des Chef-Wirtschaftsberaters der Allianz-Versicherung Mohamed El-Erian. Gegenüber CNBC hob er in dieser Woche den globalen Trend bargeldlosen Bezahlens hervor. Vor allem Schweden sei auf dem besten Weg zur bargeldlosen Gesellschaft. Staatlich-gelenkte Kryptowährung hingegen könnten bei diesem Wandel eine wichtige Rolle spielen. Derweil haben bereits mehrere Zentralbanken weltweit entsprechende Vorstöße auf den Weg gebracht.

Was die Skandinavier bereits vormachen, dürfte den Einschätzungen von Experten zufolge in kommenden Jahren globaler Trend werden: Mit voranschreitender Digitalisierung befindet sich auch bargeldloses Zahlen auf dem Vormarsch.

Während Kryptowährungen seit Jahren versuchen, eine Säule dieses Trends zu sein, folgert Allianz-Chefberater Mohammed El-Erian aus deren kometenhaften Aufstieg im Gespräch mit CNBC in dieser Woche: Digitale Währungen werden künftig eine immer größere Rolle spielen, dennoch brauche es „staatliche Kontrolle“, um deren Potentiale zu nutzen. So unterstreicht der Wirtschaftsberater:

„Gibt es eine Zukunft für Kryptowährungen? Ja, aber entscheidend [anders], [sie werden] offiziell behördlich zugelassen. Dies ist etwas ganz anderes.“

Eine solche Aufsicht könnte laut El-Erian künftig in Form staatlicher Kryptowährungen Gestalt annehmen. Während manch eine Zentralbank bereits den Sprung ins Digitale wagt, will er sich gegenüber CNBC jedoch nicht festlegen, wann dies weltweit der Fall sein werde.

„Es ist nichts, was wir in den nächsten drei bis fünf Jahren sehen werden […], weil menschliche Gewohnheiten und das Vertrauen der Menschen in das neue Medium und den Wandel nicht über Nacht wächst“,

so El-Erian, der Anfang des Jahres bereits als wichtiger Kandidat für den Vizeposten der US-Notenbank galt, jedoch bei der Nominierung durch Präsident Trump das Nachsehen hatte.

Dass er jedoch von sich bereits im Umlauf befindlichen Kryptowährungen wenig hält, betonte der 59-Jährige in der Vergangenheit mehrmals. Zuletzt hatte er etwa im September harsche Kritik am Bitcoin geäußert. Seiner Meinung nach, müsste dieser halb so viel Wert sein wie sein Kurs. Dass Bitcoin in der breiten Öffentlichkeit Anwendung und Akzeptanz fände, sei unwahrscheinlich.

Globaler Trend: Bargeldloses Bezahlen boomt

Während Norwegen und Schweden bereits dafür werben, bestätigen Studien: Die Welt befindet sich in voller Fahrt voraus auf Kurs bargeldloser Gesellschaften. Der World Payment Report etwa attestiert für das Jahr 2015 ein nie dagewesenes Wachstum digitaler Zahlungen.

Dabei hätten digitale Transaktionen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern mit 22 Prozent Steigerung ein überdurchschnittliches Wachstum erfahren. In entwickelten Ländern hingegen ginge der Wandel mit knapp sieben Prozent weitaus langsamer voran.

Unter diesen weltweit führend ist dabei Schweden. Im Land der Wälder und Seen wird derzeit durchschnittlich nur noch knapp die Hälfte aller Bezahlvorgänge analog getätigt. Der Rest läuft digital. Aber auch das bargeldfreundliche Deutschland ist vom Trend nicht ausgenommen. Hierzulande ist der Anteil bargeldlosen Bezahlens 2015 um 8,8 Prozent gestiegen – Tendenz steigend.

Staatliche Kryptowährungen: Wirtschaftliche Ratio statt Zukunftsvision

Dass El-Erians Zukunftsprognose staatlicher Kryptowährungen als Antwort auf diese Trends alles andere als aus der Luft gegriffen ist, beweisen Zentralbanken weltweit. Um den Globus wagen bereits einige Geldinstitute den Sprung ins Digitale, versehen ihre Landeswährungen mit verschlüsselten Pendants oder spielen laut mit diesem Gedanken.

Dennoch scheint sich das Kalkül entscheidend von der Vision des Allianzberaters abzuheben. Oftmals steht weniger zukunftsgewandter Gesellschaftswandel im Vordergrund als wirtschaftspolitische Ratio.

Paradebeispiel dafür steht allen voran Kryptopionier Venezuela. Dessen umstrittene Kryptowährung Petro, die angeblich von den staatlichen Ölreserven gehalten wird, soll dem Land in erster Linie dazu dienen, amerikanische Wirtschaftssanktionen zu umgehen.

Ein ähnliches Ziel dürfte auch der Iran verfolgen. Anfang des Jahres hatte die Zentralbank in Teheran die mögliche Herausgabe einer staatlich-gelenkten Währung anklingen lassen. Diese könnte vor allem dabei helfen, den Sog internationaler Kryptowährungen im Land abzumildern. Bitcoin & Co. sollen, wie BTC-ECHO berichtete, im Golf-Land im Angesicht amerikanischer Sanktionen entscheidenden Anteil der Entwertung des heimischen Riads haben.

Wirtschaftlichen Sog nutzen, Kontrolle behalten

Aber auch auf der anderen Seite des großen Teichs hat man die Herausgabe staatlicher Digitalwährungen im Blick. So hatte der ehemalige Gouverneur der US-Notenbank Kevin Warsh zuletzt im Mai eine vom Federal Reserve herausgegebene Währung, den sogenannten Fedcoin, ins Spiel gebracht. Laut Warsh gelte es, die Innovationskraft von Kryptowährungen für sich zu nutzen und gleichzeitig die geldpolitische Autorität aufrechtzuerhalten.

Weitere Vorstöße wie der Kryptorubel Russlands, der Turkcoin oder der Sovereign der Marshall-Inseln, dürften ebenfalls kurzfristige Ziele verfolgen. So will man auch hier einerseits vor allem den weltweiten Boom virtueller Bezahlalternativen für sich nutzen. Andererseits versteht man staatliche Kryptowährungen jedoch als Antwort auf einen für Behörden grundsätzlichen problematischen Umstand.

Denn sie lenken diesen Zahlungsverkehr dahin, wo er kontrolliert werden kann. Bitcoin & Co. machen dies unmöglich.

BTC-ECHO

Über David Barkhausen

David BarkhausenDavid Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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