Die Erben des Petro – Türkei erwägt Turkcoin, auch Iran will nachziehen

David Barkhausen

von David Barkhausen

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David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Die Türkei könnte künftig ihre eigene nationale Kryptowährung, den Turkcoin herausgeben. Einen entsprechenden Vorschlag hat die Regierungsstützende Partei MHP in der vergangenen Woche veröffentlicht. Damit verleiht die Partei den Visionen der türkischen Regierung Gestalt. Erst vergangene Woche hatte stellvertretende Premierminister Mehmet Şimşek von der möglichen Herausgabe einer eigenen Kryptowährung gesprochen. Ebenfalls nachziehen will nach geglücktem Petro-Launch auch der Iran. Stimmen aus dem iranischen Kabinett lassen entsprechende Pläne der Zentralbank erahnen.

rong>Mehmet Şimşek von der möglichen Herausgabe einer eigenen Kryptowährung gesprochen. Ebenfalls nachziehen will nach geglücktem Petro-Launch auch der Iran. Stimmen aus dem iranischen Kabinett lassen entsprechende Pläne der Zentralbank erahnen.

Der Petro zieht seine Kreise: Während der offizielle Startschuss der Öl-Währung in den ersten Tagen ganze 735 Millionen US-Dollar in die venezolanischen Staatskassen gespült haben soll, regt dies mancher Staaten Fantasie an.

Dass auf den Petro in der Türkei bald der Turkcoin folgen könnte, geht nun aus einem entsprechenden Gesetzesvorschlag der rechtskonservativen Splitterpartei MHP hervor. Wie die Nachrichtenplattform Al-Monitor berichtet, schlägt der ehemalige Industrieminister des Landes und stellvertretende Vorsitzende der Partei Ahmed Kenan Tanrikulu vergangene Woche in einem Papier die Herausgabe der staatlichen Kryptowährung vor.

„Auch wir können eine digitale Währung erschaffen. Weil eine solche Nachfrage existiert, sollten wir dies tun und unsere eigene Digitalwährung herausgeben. Sich solchen Währungen zu widersetzen, ergibt keinen Sinn. Dies ist eine nationale Angelegenheit, die auch nationalen Konsens braucht“,

beschreibt Tanrikulu das Vorhaben seiner Partei.


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Ähnlich dem venezolanischen Petro, der durch die Staatlichen Ölreserven gehalten wird, soll das Fundament Turkcoins die Wirtschaftsstärke des Landes sein. So soll die Kryptowährung vom Nationalen Wohlstandsfonds gehalten werden. Damit würden Anteile der Weltkonzerne Turkish Airlines, Turk Telekom sowie der Istanbuler Börse diesen absichern.

Dabei ginge es in erster Linie darum, dem Zeitgeist zu folgen und die Chancen der Blockchain-Technologien nicht zu verpassen, mahnt Tanrikulu gegenüber Al-Monitor:

“Die Welt wandelt sich zu einem neuen digitalen System. Die Türkei sollte ihr eigenes digitales Umfeld und eine eigene digitale Währung schaffen, bevor es zu spät ist.“

Turkcoin: Zeitgeist oder politisches Kalkül?

Während die türkische Regierung seit Längerem einen kritischen Kurs gegenüber Kryptowährungen fährt, scheint die AKP-stützende MHP mit ihrem Vorstoß nicht nur den internationalen Drive dieser Tage nutzen zu wollen, sondern beweist vor allem innenpolitisch strategisches Kalkül.

Zum einen verfolgt der Vorschlag der Turkcoins ein zentrales Anliegen der türkischen Regierung, nämlich den Boom im Dunstkreis der Kryptowährungen in staatlich-kontrollierte Bahnen zu lenken. So soll der Turkcoin dem vorherrschenden gesetzlichen Vakuum sowie Geldwäsche und Steuerhinterziehungspotentialen von Kryptowährungen begegnen. An einem entsprechenden Gesetzesvorschlag sitzen das Finanzministerium und die Kapitalmarkt-Behörde des Landes seit Längerem.

Gleichzeitig kommt die MHP weiteren Regierungsplänen zuvor: Denn erst vergangene Woche hatte der für die Wirtschaft zuständige stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Şimşek gegenüber CNN Türk erklärt, man bereite eine nationale Kryptowährung vor. Bislang fehlten allerdings konkretere Vorschläge der AKP.

Nun scheint man zwei Fliegen mit einer Klappe erwischen zu wollen, sucht die rechtskonservative Splitterpartei derzeit doch nach politischen Erfolgen. Sie ist offiziell Unterstützer der Erdogan-Regierung AKP und hat etwa das umstrittene Verfassungsreferendum 2016 mitgetragen. Dieses soll mit den Wahlen 2019 das Präsidialsystem in der Türkei einführen. Dennoch ist die Partei derzeit nicht an der Regierung des Landes beteiligt und von innerparteilichen Richtungsdisputen zerrissen.

Iranische Zentralbank erwägt ICO

Wie Coindesk berichtet, so hat neben der Türkei der Iran vergangene Woche den Launch einer eigenen staatlich-kontrollierten Kryptowährung anklingen lassen. MJ Azarri Jahromi, Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie des Landes, verkündete am Mittwoch Entsprechendes auf Twitter.

So heißt es in dem Tweet, man plane die „erste cloud-basierte digitale Währung“ herauszugeben. Zuvor hatte er sich mit Vertretern der iranischen Zentralbank getroffen.

Nach Launch des Petro fanden vergangene Woche zudem erste Gespräche Venezuelas mit der russischen Regierung statt. Thema soll die finanzielle Kooperation beider Länder gewesen sein, dies berichtet Coindesk. Russland hatte vergangenes Jahr seinerseits die Herausgabe des vom Kreml kontrollierten Krypto-Rubel angekündigt. Die venezolanischen Erfahrungen dürften also auf interessierte Ohren der russischen Finanzriege gestoßen sein. Auch hier sucht man seit Längerem nach Antworten auf Bitcoin & Co.

Nationale Kryptowährungen: Bitcoin bändigen, Staatskassen füllen

Die laufende Woche beweist: Erfolge schaffen Nachahmer. Staatliche Kryptowährungen liefern in den Augen vielerlei Regierungen begehrte Antworten auf die Fragen und Kontrollbedürfnisse, die die digitalen Bezahlalternativen dieser Tage aufwerfen. Sie bändigen die Faszination vor allem gegenüber des Zugpferdes Bitcoin, nutzen diese für sich und leiten sie dahin, wohin jeder Gesetzgeber sie gern sieht: in behördlich-geregelte Bahnen, in Besteuerung und damit letztlich in den eigenen Haushalt.

Im Lichte dessen, scheint es nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Staat nachziehen wird.


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