Vom Krypto-Einstiegstor zur Wettplattform 

Robinhood bricht Rekorde – Krypto bricht weg

Robinhood hat die Erwartungen der Analysten übertroffen und neue Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn erzielt. Dennoch gerät die Aktie unter Druck – auch weil das Kryptogeschäft schwächelt

Philipp Baumgartner
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Smartphone mit dem Robinhood-Logo vor einem Bildschirm, der eine Depotübersicht mit Kursverlauf zeigt.

Beitragsbild: Shutterstock

| Die App, über die US-Kleinanleger zu Krypto kamen. Wofür wird sie heute genutzt?

Robinhood hat am Mittwochabend das stärkste Quartal seiner Börsengeschichte vorgelegt. Der Umsatz stieg um 32 Prozent auf 1,31 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie um satte 48 Prozent auf 62 Cent. Analysten hatten mit lediglich 41 Cent Gewinn pro Aktie gerechnet.

Doch zum Erstaunen vieler Anleger fiel die Aktie nachbörslich um 1,4 Prozent auf 88,41 US-Dollar, nachdem sie im Jahresverlauf bereits von 153,86 auf zuletzt unter 90 US-Dollar gefallen war. Was sind die wirklichen Auslöser für den Abverkauf?

Woher die 573 Millionen kommen

Ein Auslöser für den Rückgang im Kurs betrifft die eigentliche Herkunft des Gewinns. Robinhood weist für das Quartal 573 Millionen US-Dollar aus. Das klingt vorerst solide. Was Analysten jedoch Grund zur Sorge gibt, ist, dass 129 Millionen davon aus einem einmaligen Vorgang außerhalb des laufenden Geschäfts, der Entkonsolidierung von Robinhood Ventures, dem hauseigenen Beteiligungsfonds stammen.

Entkonsolidierung bedeutet, dass ein Konzern eine Tochtergesellschaft aus der eigenen Bilanz herauslöst und den verbliebenen Anteil daran neu zum Marktwert ansetzt. Die Differenz zum bisherigen Buchwert erscheint als Gewinn in der Erfolgsrechnung, obwohl kein US-Dollar den Besitzer gewechselt hat.

Nachvollziehen lässt sich das an der Lücke zwischen dem operativen Ergebnis von 574 Millionen US-Dollar und dem Vorsteuerergebnis von 709 Millionen, die solche Posten aufnimmt. Je Aktie macht der Effekt 14 Cent aus, bereinigt bleiben rund 48 Cent bei einer Erwartung von 41 Cent, womit der Vorsprung schmaler ausfällt als die Schlagzeile vermuten lässt.

Krypto schrumpft schneller als gedacht

Der Krypto-Handel brachte im Quartal 100 Millionen US-Dollar ein. Für sich genommen ist das eine ordentliche Zahl. Ein Jahr zuvor standen an derselben Stelle allerdings 161 Millionen, und der Rückgang von 38 Prozent fällt größer aus als der beim Handelsvolumen in der App, das um 35 Prozent nachgab.

Robinhood verdient an jedem gehandelten US-Dollar also weniger als zuvor. Diese Marge, im Fachjargon als “Take Rate” genannt, misst schlicht, wie viel von einem gehandelten Betrag beim Handelsplatz hängen bleibt. Dahinter stehen zwei Kräfte, die in dieselbe Richtung ziehen. Die Handelsplätze unterbieten sich seit Monaten bei den Gebühren, und was für Kunden günstiger wird, fehlt den Anbietern in der Kasse. Hinzu kommt eine Umstellung im eigenen Haus, denn Robinhood rechnet den Krypto-Handel inzwischen über ein Modell mit offen ausgewiesenen Gebühren ab, das der Konzern in seinen Risikohinweisen als eigene Unsicherheit führt.

Welche Krypto-Börsen über eine MiCA-Lizenz verfügen, zeigt unsere Übersicht. Hier gehts zum Vergleich aller EU-regulierten Anbieter.

Über die eigene App und die 2025 zugekaufte Börse Bitstamp bewegte Robinhood im Quartal Krypto im Wert von 40 Milliarden US-Dollar und behielt davon lediglich 100 Millionen US-Dollar.

Wetten schlagen Coins

Was den Rückgang etwas auffängt, sind die Event Contracts. Das sind Kontrakte auf den Ausgang realer Ereignisse, vom Ergebnis eines Sportspiels bis zum Ausgang einer Wahl, und funktionieren für den Nutzer wie eine Wette mit börslicher Abwicklung. Vorbild hierfür sind Kalshi oder Polymarket. Robinhood verdiente daran im Quartal 156 Millionen US-Dollar bei 13,6 Milliarden gehandelten Kontrakten.

Damit verdient Robinhood an Wetten auf Ereignisse inzwischen mehr als am Handel mit Kryptowährungen. Gemessen am gesamten Konzernumsatz kam vor einem Jahr jeder sechste US-Dollar aus dem Krypto-Geschäft, heute ist nur noch jeder dreizehnte. In Prozent ausgedrückt sind das 16,3 gegenüber 7,6.

Noch deutlicher fällt der Befund bei den Transaktionserlösen aus, also dem Teil der Einnahmen, den Robinhood unmittelbar am Handel verdient und der die Zinserträge auf Kundengelder ausklammert. Dort lag Krypto damals bei 29,9 Prozent und inzwischen bei 12,9. Krypto selbst ist in zwölf Monaten von Rang zwei auf Rang vier gerutscht.

Wohin die Spekulanten gewandert sind

Aus der Branchenperspektive fällt die Bewertung verhalten aus, denn Robinhood war das populärste Einstiegstor, über das US-Kleinanleger überhaupt in den Krypto-Space kamen. Dieses Tor wird schmaler, obwohl das Unternehmen die Infrastruktur ausbaut. Im Quartal startete das öffentliche Mainnet von Robinhood Chain, einer eigenen Layer-2-Blockchain auf Ethereum, dazu kamen tokenisierte Aktien in mehr als 120 Ländern.

Wer die wahren Gewinner der Robinhood Chain sind und wieso Anleger ein Auge auf Coinbase werfen sollten, lest ihr hier: Die wahren Gewinner der Robinhood Chain

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