Wie gut eignen sich Kryptowährungen für illegale Aktivitäten?

Quelle: Money Laundering/ US dollars hung out to dry via Shutterstock

Wie gut eignen sich Kryptowährungen für illegale Aktivitäten?

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Kryptowährungen einfach erklärt" - Ein Gastbeitrag von dem Autor und TenX-Co-Founder  Dr. Julian Hosp.

Vielleicht hast Du Dich schon einmal gefragt, ob Kryptowährungen eine gute Möglichkeit sind, Geld zu waschen, illegale Dinge zu tun oder Steuern zu vermeiden. In den Medien oder am Stammtisch geht oft das Gerücht um, dass Kryptowährungen so privat, anonym und intransparent sind, dass niemand weiß, was unter der Haube passiert. Schauen wir uns an, was Fakt und was Fiktion ist, doch dazu müssen wir zuerst einige grundlegende Terminologien definieren.

Was ist Privatsphäre?

Privatsphäre ist die Fähigkeit einer Person oder einer Gruppe, sich selbst oder Informationen über sich selbst zu verstecken und sich dadurch so auszudrücken, wie sie das will (https://en.wikipedia.org/wiki/Anonymität). Wenn es um Geld geht, sind zwei Komponenten der Privatsphäre besonders wichtig: Anonymität und Transparenz. Dies ist die mathematische Formel dazu:

P = A / T

Privatsphäre ist am höchsten, wenn die Anonymität am höchsten und die Transparenz am niedrigsten ist.

Was ist Anonymität?

Anonymität bzw. das Adjektiv „anonym“ leiten sich aus dem griechischen Wort ἀνωνυμία, anonymia, ab und bedeuten „ohne einen Namen“ oder „Namenlosigkeit“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Anonymity). Im Falle von Geld bedeutet Anonymität, dass niemand weiß, wer sich hinter einer Kryptowährungsadresse verbirgt. Da eine Blockchain nicht zwischen Alter, Rasse, Herkunft, Geschlecht oder Bildung unterscheidet, scheint es bei Kryptowährungen vorerst eine 100-%-ige Anonymität in Bezug darauf zu geben, wer oder was einen zufälligen Private Key generiert hat. Aufgrund der Anonymität wäre deshalb die Privatsphäre 100 %.

Was ist KYC, KYB, AML und CTF?

Nicht zu wissen, wer wer ist, wäre ein regelrechter Albtraum für eine Regierung. Deshalb fordern zentrale Behörden im Falle von Kryptowährungen Exchanges (auch uns bei TenX) dazu auf, Anti-Geldwäsche (AML), Terrorismusbekämpfung (CFT) und Kundendaten (KYC oder KYB) zu kontrollieren. Deshalb musst du bei den meisten Services deinen Pass und einen Adressnachweis hochladen.

Abgesehen davon, dass die Anonymität durch Exchanges dramatisch sinkt, gibt es noch die zweite Komponente der Privatsphäre, welche das Gleichgewicht komplett verschiebt: Transparenz.

Was ist Transparenz?

Transparenz, nicht in der Definition von Licht, das durch etwas scheinen kann, sondern in dem Sinne, wie es in der Wirtschaft, den Geisteswissenschaften und in anderen sozialen Kontexten verwendet wird, impliziert Offenheit, Kommunikation und Verantwortlichkeit. Transparenz bedeutet, dass andere leicht erkennen können, welche Aktionen ausgeführt werden. Für Geld bedeutet dies, dass die Wege der Geldflüsse bekannt sind – und das ist der Punkt, in dem die meisten Blockchains sogar über die gesamte Geschichte hinweg zu 100 % transparent sind. Es gibt einige neuere Technologien wie Zero-Knowledge-Proofs und Ringsignaturen, auf die wir in einem späteren Kapitel eingehen werden, die die Transparenz verringern, doch derzeit kann man davon ausgehen, dass eine Blockchain absolut transparent ist. Auf die Formel von zuvor bezogen, bringt das ein interessantes Gleichgewicht: Was bedeutet es für die Privatsphäre, wenn sowohl die Anonymität als auch die Transparenz bei einer Kryptowährung praktisch unendlich hoch sind? Da dies einen interessanten Effekt auf die Privatsphäre erzeugt, nennen die Leute Kryptowährungen pseudo-anonym.

Was bedeutet pseudo-anonym?

Pseudo-anonym bedeutet, dass ein Computer aufgrund der hohen Transparenz (was passiert) und obwohl die Anonymität auf den ersten Blick sehr hoch ist, Transaktionen rückrechnen, die fehlende Information zur Identität zusammensetzen und somit die Anonymität reduzieren könnte. Das würde genügen, selbst wenn die eigentliche Identität nie zum Vorschein kommt, um herauszufinden, wer wer ist und wer zum Beispiel ein bestimmtes Finanzverbrechen begangen hat oder nicht. Dass dies nicht nur theoretisch funktioniert, sondern bereits mehrmals von Regierungen angewendet worden ist, zeigt das folgende Beispiel.

Eignen sich Kryptowährungen für illegale Aktivitäten?

Leute glauben, dass Kryptowährungen für illegale Aktivitäten besser geeignet seien als normales Fiatgeld. Die höchste Form der Privatsphäre hat jedoch bares Geld: Niemand weiß, wem es gehört und an wen es weitergegeben wird. Deswegen wollen es Regierungen loswerden. Steuerhinterziehung und andere Verbrechen würden dadurch buchstäblich auf Knopfdruck aufgedeckt werden. Genau das hat sich im Falle von Ross Ulbricht 2015 gezeigt, der wegen Geldwäsche und Drogenhandel mit Kryptowährungen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Ross_Ulbricht). Dieses Verbrechen mit Fiatgeld aufzudecken, wäre um ein Vielfaches schwieriger gewesen, bei Kryptowährungen hatten die Ermittler über die Blockchain jedoch Zugriff auf seine gesamte Transaktionshistorie. Als dann ein paar Male die Anonymität bei einigen Transaktionen durchsickerte, war es nicht nur ein Einfaches, seine Identität herauszufinden, sondern gleichzeitig sogar noch ein Beweis dafür, dass er illegale Tätigkeiten durchgeführt hatte. Bei Fiatgeld wäre dies deutlich komplizierter gewesen und so zeigte sich einmal mehr, dass Kryptowährungen NICHT für illegale Aktivitäten geeignet sind, auch wenn es der Unwissende denken mag.

Neue Standards setzen

Wie in einer aktuellen Studie (https://cdn2.hubspot.net/hubfs/3883533/downloads/Bitcoin%20Laundering.pdf) gezeigt, werden nur 1 % aller Transaktionen mit Kryptowährung für betrügerische Zwecke durchgeführt, verglichen mit 4 % aller Fiat-Transaktionen. Ich gehe davon aus, dass diese Zahl noch weiter sinken wird, da immer mehr Unternehmen den Ursprung von Geldern auf der Blockchain verfolgen, um Risikoparameter besser als jemals zuvor zu bestimmen. In 15-20 Jahren wird es wahrscheinlich inakzeptabel sein, Fiat aufgrund von Betrugszwecken zu verwenden.

Ich möchte hier einen wichtigen persönlichen Zusatz hinzufügen: Während ich absolut dagegen bin, irgendwelche Verbrechen zu begehen, bin ich für ein gewisses Maß an Intimität (ein Maß an Privatsphäre, das die meisten Menschen in ihrem Leben haben wollen und sollen). Menschen sollten in der Lage sein, in einem Krankenhaus zu bezahlen, ohne dass der gesamte Rest der Welt dies weiß. Offensichtlich gibt es eine schmale Linie, wenn eine solche Intimität in „Geheimnistuerei“ (eine gewisse Transparenz, die oft mit bösartigem Verhalten verbunden ist) übergeht, und das ist es, was das Thema der Privatsphäre so schwierig macht. Wann ist zu viel und wann ist zu wenig davon vorhanden? Genau diese Frage stellen sich nicht nur Regierungen, sondern auch die Blockchain-Entwickler selbst, denn es gibt Kryptowährungen, welche komplett privat sind, wie du gleich lernen wirst.

Dr. Julian Hosp ist der Co-Founder und Präsident von TenX (www.tenx.tech), einer Blockchain-Firma, welche Kryptowährungen mit einer Debitkarte ausgebbar macht. Er ist der Autor des Bestsellers „Kryptowährungen einfach erklärt, welches bereits in 20 Sprachen übersetzt und über 100.000 mal verkauft worden sind.

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