Bitcoin, Bitcoin: Behörden nehmen bisher größten DarkNet-Kinderporno-Ring hoch
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Bitcoin: Behörden nehmen bisher größten DarkNet-Kinderporno-Ring hoch

Dank Bitcoin konnten US-Behörden in internationaler Zusammenarbeit einen Darknet-Kinderpornographie-Ring sprengen. Dieser wurde durch die Technologie erst möglich. Hier entspinnt sich ein technologisch-moralisches Dilemma.

Bitcoin und die Blockchain-Technologie geraten immer wieder in moralische Dilemmata. Da ist auf der einen Seite das Versprechen finanzieller Inklusion, eng verkettet mit einer zugangsfreien Verteilung des digitalen Geldes. Schließlich kommt die Blockchain ohne Institution aus. Einer zentralisierten Verwaltung setzt das Bitcoin-System einen dezentralen Zusammenschluss von Teilnehmern entgegen. Staatliche und behördliche Kontrolle? Schwierig.

Bitcoin und die dunkle Seite

So lockte Bitcoin auch seit jeher „die dunkle Seite“ an. Schließlich erlangte die Kryptowährung Nummer eins erste Berühmtheit durch den Online-Schwarzmarkt Silkroad. Gegründet vom nun inhaftierten Ross Ulbricht konnte man dort (fast) all das kaufen, was die Alarmsirenen der Strafverfolgungsbehörden anschlagen lässt: Drogen, Falschgeld, gehackte PayPal-Konten und gefälschte Dokumente standen ganz oben auf der Liste. Bezahlen konnte man diese Waren und Dienstleistungen mit der Kryptowährung Bitcoin.

Das Ganze geschah (und geschieht) im „Darknet“, einer Art geheimer Extra-Schicht unter dem Internet (gegenläufig als „ClearWeb“ bezeichnet), das nur über einen speziellen Browser zugänglich ist. Dort bewegt man sich, indem man sich über einen VPN-Client und den TOR-Browser (The Onion Router) einwählt, so gut wie anonym.

US-Behörden sprengen Kinderporno-Ring


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Diese Anonymität führt nun dazu, dass neben Online-Schwarzmärkten wie der Silkroad auch die noch dunklere Seite angelockt wird: Der Markt für Kinderpornographie gedeiht auf jenem zerfurchten Boden prächtig. So auch die Darknet-Seite „Welcome to Video“, die bis vor Kurzem zum größten Markt für die sexuelle Ausbeutung von Kindern zählte. Laut einer Pressemitteilung haben US-Behörden diesen Ring nun gesprengt. Neben einem 37-jährigen Koreaner zählte der Ring insgesamt 337 Nutzer aus folgenden Ländern:

  • Arabische Emirate
  • Australien
  • Brasilien
  • Deutschland
  • Irland
  • Kanada
  • Spanien
  • Südkorea
  • Tschechien
  • Vereinigtes Königreich

Bitcoin-Transaktionen ermöglichte das Auffinden der Server

Der entscheidende Faktor bei der Aushebung des Rings: Bitcoin. Durch Transaktionen, die über die Blockchain-Technologie ausgeführt worden sind, konnten die Behörden die Zahlungsströme nachvollziehen. So kommentierte Don Fort von der US-Bundessteuerbehörde Internal Revenue Service (IRS):

Durch die ausgeklügelte Verfolgung von Bitcoin-Transaktionen konnten IRS-CI-Spezialagenten den Standort des Darknet-Servers bestimmen, den Administrator der Website identifizieren und schließlich den physischen Standort des Website-Servers in Südkorea ermitteln. Dieses groß angelegte kriminelle Unternehmen, das die Sicherheit von Kindern auf der ganzen Welt gefährdet hat, gibt es nicht mehr. Unabhängig von der illegalen Regelung und unabhängig davon, ob es sich um virtuelle oder greifbare Erlöse handelt, werden wir weiterhin mit unseren Partnern auf Bundes- und internationaler Ebene zusammenarbeiten, um diese ekelhaften Organisationen aufzuspüren und vor Gericht zu bringen.

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, hatten internationale Behörden den Betreiber Jong Woo Son bereits am 5. März 2018 aufgegriffen. Über Darknet-Server hatte er Videos mit kinderpornographischen Inhalten bereitgestellt. Die internationalen Untersuchungen wurden von IRS-CI, HSI und NCA geleitet. Auch das deutsche Bundeskriminalamt war an der Ermittlung beteiligt.

Bisher größter Fund nach Datenvolumen

Im Zuge der Ermittlungen stellten die Behörden über 8 Terabyte Videomaterial sicher – der größte bisherige Fund. Insgesamt beziffert er sich auf über 250.000 Videos, 45 Prozent davon seien neue Videos, deren Inhalt bisher nicht kursierte. Dazu Brian A. Benczkowski von der Kriminalabteilung des Justizministeriums:

Darknet-Sites, die von der sexuellen Ausbeutung von Kindern profitieren, gehören zu den abscheulichsten und verwerflichsten Formen kriminellen Verhaltens. [Unsere Behörde] wird es Kinderschändern nicht erlauben, gesetzlose Online-Räume als Schutzschild zu nutzen. Die heutige Ankündigung zeigt, dass das Justizministerium weiterhin fest entschlossen ist, eng mit unseren Partnern in Südkorea und auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, um Kinderopfer zu retten und die Täter dieser abscheulichen Verbrechen vor Gericht zu bringen.

Wie die US-Behörden mitteilen, haben sie die Daten mit Behörden auf der ganzen Welt geteilt, um Kunden der Seite zu identifizieren und die Strafverfolgung in Gang zu bringen. Inzwischen seien 337 Individuen in insgesamt 38 Ländern verhaftet worden. Insgesamt konnten die Behörden 23 Opfer des Rings retten. Bisher sei jedoch kein Urteil gesprochen worden, die Festgenommenen sind bis zu einem eventuellen Richterspruch unschuldig. Die gesamte Liste der Festgenommen findet man in der Pressemitteilung selbst.

Ferner ist der Mitteilung zu entnehmen, dass sie über die Bitcoin-Transaktionen 24 Individuen in fünf Ländern identifizieren konnten, die die Webseite finanzierten. Die konfiszierten Geldmittel sollen schließlich an die Opfer fließen.

Böse Technologie, gute Technologie?

Das Dilemma, das sich hier entspinnt, ist in der Medien-Landschaft altbekannt: Gibt es böse oder gute Technologien? Einerseits hat Bitcoin eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung jenes Kinderporno-Rings gespielt. Doch muss man sich fragen: Hätte es Bitcoin nicht gegeben, hätte es auch den Ring nicht gegeben?

Vermutlich nicht. Denn: Technologie an sich ist zunächst wertneutral (klammern wir KI-Roboter mit programmierten Intelligenzen aus, das würde den Rahmen bei Weitem sprengen). Andererseits, und das ist vielleicht entscheidender: Dank der Blockchain-Technologie konnten die Behörden die Schuldigen überhaupt erst identifizieren und das nach Volumen bisher größte Kinderporno-Netzwerk ausheben.

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