ICOs: Das Ende einer Ära? Die Zukunft von Security Token Offerings (STO)

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Das hätte man von Civil nicht erwartet: Diese Woche hat das Blockchain-Projekt seinen ICO für gescheitert erklären müssen. Trotz der erst kürzlich eingegangenen Partnerschaft mit Forbes konnte die Blockchain-Journalismus-Plattform nicht das Mindestinvestitionsziel (Softcap) von acht Millionen US-Dollar erreichen. Wenn einer der wenigen substanziellen ICOs dieser Tage nicht einmal mehr einen einstelligen Millionenbetrag einnehmen kann, dann stellt sich die Frage, ob ICOs in ihrer jetzigen Form nicht abgedankt haben.

Neben all den Luftnummern gibt es immer wieder auch Blockchain-Projekte, die wirklich innovativ sind, die es ernst meinen. Noch vor einem Jahr konnten diese Blockchain-Projekte problemlos eine Softcap von 10, 20 oder 30 Millionen US-Dollar knacken. Selbst offensichtliche Scams drangen in diese Bereiche vor. Nun, nach Platzen der ICO-Blase, ist das Selbstvertrauen der Blockchain-Projekte am Boden. Das Kommunikationsmodell eines Donald Trump funktioniert schon lange nicht mehr. Zu oft haben Investoren Sätze wie: „Wir sind die Tollsten“ oder „Niemand ist so innovativ wie wir“ von ICOs gehört. Die ICO-Hybris wurde von der Realität eingeholt: Es wurde nicht geliefert, das Kapital hat den Rückzug angetreten.

Der 90-Prozent-Einbruch

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Dass die ICO-Investitionen zurückgegangen sind, ist per se nicht schlimm. Durch die höheren Ansprüche auf Investorenseite schaffen es immer weniger Projekte, ihre Token zu verkaufen und an den Börsen zu listen. Die Flut an sinnlosen Token wird damit eingedämmt, der Markt wird professioneller. Das ist eine gesunde Entwicklung, wenn auch schmerzhaft für viele Investoren. Dennoch: Ein Einbruch von rund 90 Prozent des ICO-Marktes weißt auf eine handfeste Krise im ICO-Sektor hin, daran besteht kein Zweifel.

Diese Krise zeigt sich besonders durch vielversprechende Blockchain-Projekte, die es inzwischen kaum noch schaffen, eine zu Ende 2017 vergleichsweise niedrig gesteckte Softcap zu erreichen. Civil steht hier stellvertretend für viele gescheiterte ICOs, die trotz eines guten Teams, ernst zu nehmenden Partnerschaften und einem anspruchsvollem Use Case in der zweiten Hälfte 2018 gescheitert sind.

Lohnt sich ein ICO überhaupt noch?

Nicht wenige Blockchain-Unternehmen stellen sich daher die Frage, ob sie überhaupt noch einen ICO durchführen sollen. Die Marketingkosten haben sich zudem längst entkoppelt. Immer höher werden die Ausgaben, um verzweifelt Aufmerksamkeit von der Investorenseite zu generieren. Das einstige Versprechen, mit wenig Aufwand zweistellige Millionenbeträge einzusammeln, ist Geschichte.

Die Hoffnung liegt nun in einem Wandel des gesamten ICO-Sektors. Einige Blockchain-Start-ups warten lieber ab und hoffen auf eine Neubesetzung des Begriffs Initial Coin Offering sowie dem Aufkommen von Security Token Offerings (STOs). Wenn Security Token in einem regulierten Umfeld und mit neu geschaffenem Vertrauen darstellbar sind, wird es viele Blockchain-Unternehmen geben, die wieder aktiv über eine Herausgabe von Token nachdenken werden.

Vom ICO zum STO

Die ursprüngliche Grundidee eines ICOs ist genial und wird sich über kurz oder lang durchsetzen. ICOs sind die Zukunft der Unternehmensfinanzierung, nur werden sie dann wahrscheinlich nicht mehr ICOs heißen. Es werden vor allem Security Token sein, die bisherige Pseudo-Utility-Token ersetzen. STOs sind im Gegensatz zu ICOs die ehrlichere Variante, wenn es für ein Unternehmen primär darum geht, Kapital einzusammeln. Es werden vor allem institutionelle Player den Markt bestimmen, genauso wie im regulierten Finanzsektor. Vereinzelt wird es dann auch wieder Utility Token geben. Diese werden im Gegensatz zum heutigen Utility Token aber eine Funktion in einem wirklich dezentralen Netzwerk übernehmen. Es wird kommerziell erfolgreiche Fälle geben, bei denen mehr als eine Handvoll Menschen Utility Token für ihren vorgesehenen Zweck – Trading gehört nicht dazu – nutzen werden.

Das große Geld wird vorerst aber, zumindest in den nächsten Jahren, in Security Token sowie der Tokenisierung von echten Vermögenswerten fließen – regulatorische Grundlagen vorausgesetzt. Entsprechend gespannt warten Unternehmen und Investoren auf das Go der Regulierungsbehörden.

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