UK-Justizministerium – Beweismittelsicherung dank Blockchain?

Das Justizministerium des Vereinten Königreichs könnte in Zukunft bei der Sicherung von Indizien und Asservaten den Schritt ins Digitale wagen. Wie der Regierungsbeamte Al Davidson auf dem offiziellen Regierungsblog in dieser Woche schreibt, sei das Ministerium erpicht darauf, entsprechende Blockchain-Lösungen zu erproben. Damit wäre das Vereinte Königreich neben Estland der erste Staat, der in der Beweismittelführung auf ein Distributed-Ledger-Register setzt.

Beweis-E-Mails, Fotos, Videos, Polizei-Bodycams und diplomatischer Schriftverkehr – all dies könnte in Zukunft digital archiviert und durch Blockchain-Lösungen gesichert werden. Davon gibt sich das Justizministerium auf dem UK-Regierungsblog in dieser Woche überzeugt.



“Wir haben uns angesehen wie Distributed-Ledger-Technologien Regierungsverwaltungen verbessern können. Die Möglichkeit, die Verwahrung [von Information] zu verteilen, könnte einen echten Unterschied machen, wenn das öffentliche Vertrauen in die Regierung in Frage steht”,

so beschreibt der Regierungsbeamte Al Davidson die britische Hoffnung.

Deshalb prüfe man Nutzungsmöglichkeiten und die Potentiale der Technologien etwa für die Einsatzprotokollierung im Polizeiwesen. Blockchain oder Distributed-Ledger-Technologien könnten besonders dann wegweisend werden, wenn Informationen angezweifelt werden. Und dies sei besonders in der Beweismittelführung und –sicherung der Fall.

Dadurch, dass es mit dem offiziellen Register eine „einzelne Wahrheitsquelle“ gäbe, so Davidson, wolle man Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Pionierarbeit in der Mache

Während Experten die Chancen der Blockchain-Nutzung in der öffentlichen Verwaltung breit gesät sehen, setzen Staaten bis dato am stärksten auf Technologieoptionen in der Landvermessung. Neben der schwedischen Landregistratur Lantmäteriet unterhalten derzeit etwa Georgien oder der indische Bundesstaat Andhra Pradesh (PA) entsprechende Pilotprojekte.

E-Government-Fackelträger Estland informiert indes über sein Justizportal über Gerichtswesen und bereits erlassene Urteile mithilfe von Blockchain-Software. Zudem bietet das Portal Zugriff auf Gerichtsunterlagen.

Mit Blockchain-Software, die Beweismittel, Polizeivideos und den Schriftverkehr prüft und sammelt, wäre Großbritannien jedoch seinerseits Pionier. Ein entsprechender Vorstoß könnte damit zum Vorreiter, Nachahmermodell und Inspiration für andere Staaten werden, ihr eigenes Justiz-Instrumentarium digital aufzurüsten.

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Über David Barkhausen

David BarkhausenDavid Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.