Tech-ECHO KW37 – Leichter Lightning Client, Mimblewimble und Stablecoins

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Tech-ECHO KW37 – Leichter Lightning Client, Mimblewimble und Stablecoins

Neben einem Light Client für das Lightning Network war die Kalenderwoche 37 vor allem von Neuerungen im Ethereum-Netzwerk und verschiedenen Stable Coins geprägt. Doch auch andere Themen wie ein Patentstreit zwischen Bitmain und Whatsminer oder Mimblewimble prägten die Woche. 

Im Bitcoin- und Bitcoin-Cash-Umfeld lagen in der vergangenen Woche wohl alle Augen auf den Debatten zwischen Roger Ver, Jimmy Song und Tone Vays. Im Ethereum-Ökosystem entwickelte sich viel beim Sharding, einem neuen Testnet und Token-Standard. Auch bei anderen Kryptowährungen blieb die Zeit nicht stehen.

Im IOTA-Umfeld arbeitete das Team an einer Lösung für das Volatilitätsproblem, verschiedene Stable Coins traten ins Rampenlicht und mit Beam gibt es eine neue Kryptowährung mit dem auf Anonymität fokussierten MimbleWimble. Generell gab es im Blockchain-Bereich Patentstreitigkeiten und mit ASIC Boost kam wieder ein Geist aus der Vergangenheit ins Bitcoin-System.

Ein leichter Lightning Client für Bitcoin

In dieser Woche blieb es an der Development-Front um Bitcoin vergleichsweise ruhig, jedoch konnte Lightning Labs einen Meilenstein erreichen: Am 10. September hat Tankred Hase die neue Version des Lightning App vorgestellt. Das Besondere: Die App soll als Light Client laufen – auch auf Smartphones. Es ist mit dieser App also nicht mehr notwendig, eine eigene Lightning Full Node zu betreiben. Aktuell ist die App mit dem Testnet verbunden. Jene, die „in it for the technology“ sind, können die App herunterladen und über einen Faucet (dank Lightning auch wieder für Bitcoin verfügbar) etwas „Spielgeld“ auf den Light Client überweisen.

Ethereum: Neuer Meilenstein bei Sharding und das Görli-Testnet 

Vlad Zamfir hat gemeinsam mit Steve Marx und anderen einen Proof of Concept für Sharding auf Ethereum geschrieben. Sharding ist eine Skalierungslösung für das Ethereum-Netzwerk. Einfach gesagt ist der Ansatz, dass nicht jede Node die gesamte Blockchain kennen muss, sondern nur einen Shard, zu deutsch Splitter.

Man kann sich vorstellen, dass eine sichere Lösung kompliziert ist. Das Risiko eines sogenannten Cross-Shart-Atomicity-Failure muss ausgeschlossen sein. Diesen Fehler kann man sich so vorstellen, dass in einem Shard jemand eine Zahlung sendet, in einem anderen Shard jedoch nicht der Empfang registriert ist. Derartige Widersprüche dürfen nicht im Netzwerk auftreten und Vlad Zamfir meint, mit seiner Lösung diesen Fehler zu vermeiden.

Afri Schoedon von Parity ist der Überzeugung, dass es ein neuartiges Ethereum-Testnet braucht. Im verlinkten Artikel stellt er dar, was es für verschiedene öffentlich zugängliche Testnets gibt – allein das ist eine interessante Übersicht. Was seiner Meinung nach fehlt, ist ein Netzwerk, welches verschiedene Clients zulässt und nicht Proof of Work ist.

Das Görli-Testnet-Proposal umfasst drei Punkte: Erstens lädt es ein, einen Proof-of-Authority-Mechanismus in Form eines Ethereum Improvement Proposals auszuarbeiten. Proof of Authority ist ein Konsensmechanismus, in der einer Autorität bei der Generierung der Blöcke vertraut wird.

Gerade für Testnets kann ein derartiger Konsensmechanismus für eine etwaige Fehlersuche praktisch sein, ist doch die Identität der Validatoren zumindest über dApps formell verifiziert. Zweitens sollen derartige Mechanismen in Clients wie Geth oder Parity Ethereum implementiert werden. Schließlich möchte Afri Schoedon mit Görli ein vollständiges Proof-of-Authority-Testnet aufsetzen. Das ultimative Ziel ist letztlich, ein Testnet zu haben, in welchem man die verschiedenen Innovationen, die Casper betreffen, genauer ausprobieren kann.

ERC-1400: Neuer Tokenstandard für Security Token

Mit ERC-1400 haben Adam Dossa, Pablo Ruiz, Fabian Vogelsteller und Stephane Gosselin einen neuen Tokenstandard geschaffen. Anders als der allseits bekannte ERC-20 oder die beiden mit CryptoKitties beziehungsweise Videospielen im Zusammenhang stehenden Standards ERC-723 und ERC-1155 liegt hier der Fokus auf Security Tokens.

Im dargelegten Konzept stellen sich die Autoren einen Token vor, der mit ERC-20 beziehungsweise dem jüngst veröffentlichten ERC-777 kompatibel ist. Außerdem soll er verschiedene Zusatzfeatures haben, die ihn aus regulatorischer Sicht für Securities geeignet machen. So soll es beispielsweise möglich sein, von außen Funds zu transferieren oder verlorene beziehungsweise gestohlene Anlagen wieder zurückzuholen.

Bitcoin Cash: CTOR oder die optimale Transaktionsordnung

Bei Bitcoin Cash hat sich in dieser Woche eher wenig getan. Außer einem für Ende Oktober angekündigten Hackathon in Amsterdam ist CTOR aufgefallen. Dabei handelt es sich um die Canonical Transaction Ordering Rule, die mit der Bitcoin-ABC-Hard-Fork im November in Kraft treten soll. Mit dieser Regel soll die Anordnung von Transaktionen in Blöcken spezifiziert werden. Aktuell ist die einzige Anforderung, dass die Transaktionen kausal sinnvoll geordnet sind, sprich, dass die Ein- und Ausgänge logisch aufeinanderfolgen. Mit CTOR sollen die Transaktionen gemäß ihrer Transaktions-ID nun auch alphabetisch geordnet sein. Nur die Coinbase-Transaktion ist vor allen anderen aufgeführt. Das ist nicht nur lesbar, sondern soll langfristig für Full Nodes mit gemeinsam genutzten UTXO-Datensätzen (den aktuellen Kontoständen, einfach ausgedrückt) für bessere Performance sorgen.

Volatilitätsminimierung mit Abra, neues dPOW auf Nano und neue Kryptowährung mit Mimblewimble

Etwas unter die Räder geraten ist das Paper aus dem Hause Cardano hinsichtlich der Aufteilung der Rewards. In diesem stellen Lars Brünjes et al. vor, wie ein faires Proof-of-Stake-System aussehen könnte, welches ohne Zentralisierung auskommt.

Die Volatilität von Kryptowährungen ist ein bekanntes Problem. Wie, fragen nicht wenige, soll ein alternatives Geldsystem entstehen, wenn die Volatilität zu hoch ist? Ein Lösungsansatz ist die Nutzung von Qubic, der Smart-Contract-Lösung von IOTA. In Abra, der dazugehörigen Programmiersprache, könnte man finanzielle Werkzeuge implementieren, die gegen die Kursschwankungen hedgen. Im klassischen Finanzmarkt werden dazu Optionen verwendet, etwas entsprechendes wird im verlinkten Artikel vorgeschlagen.

Nano, Maker DAO, MimbleWimble

Das Distributed-Proof-of-Work-System von Nano soll überarbeitet werden. Prinzipiell übernimmt im Nano-Netzwerk jeder seinen Proof of Work, da jeder seine eigene Blockchain pflegt. Für Services mit hohen Transaktionsraten wie Faucets oder Tipbots ist dies jedoch unwirtschaftlich. Hier ist der Gedanke, dass man den Proof of Work von anderen berechnen lassen kann – gegen eine kleine Gebühr.

In Maker, ehemals bekannt als MakerDAO, wurde nun der sogenannte Voting Proxy Contract veröffentlicht. Ziel desselben ist, dass alle Maker-Token-Holder deutlich kürzer online sein müssen und trotzdem an der Governance teilhaben können. Er kann nun eine Hot Wallet allein für das Voting aufsetzen, welches er dann in Vertretung für seine sicher abgelegten MKR-Token nutzt. Es fand inzwischen auch eine Wahl über dieses System statt, in der mit überwiegender Mehrheit für die Grundprinzipien der Governance von Maker gestimmt wurde.

Vor einigen Monaten berichteten wir über MimbleWimble, ein neuartiges Protokoll mit Fokus auf Anonymität. Neben Grin, der in dem verlinkten Artikel vorgestellten Implementation, gibt es außerdem Beam. Anders als Grin sieht sich Beam gemäß dem White Paper in erster Linie als Wertspeicher und nicht als Austauschgut. Jüngst wurde das Public Testnet freigegeben. Mit den über Github herunterladbaren Clients kann sich nun jeder ein Bild von dieser Anonymitätslösung machen.

Stable Coins, Stable Coins, Stable Coins

Das Kryptopendant zum Apfelbäumchen, das jeder vor dem Weltende pflanzen soll, ist anscheinend der Stable Coin. Mehrere Bestrebungen um neue Formen von Stable Coins machten die Runde. Der Gemini-Dollar und Paxos waren schon Thema eines Artikels. In beiden Fällen handelt es sich um ERC-20-Tokens auf der Blockchain, die durch Dollars in FDIC-versicherte Bankkonten abgesichert sind. Ein wenig klingt es nach „Tether auf Ethereum“.

Neben diesen beiden Stable Coins hat Ndau in dieser Woche noch von sich Reden gemacht. Ndau ist ein Stable Coin, der laut Entwicklern auf ein „Blockchain Policy Council“ setzt. Was man bisher als Information hört, klingt stark nach einem Delegated-Proof-of-Stake-System. Mehr kann man nicht hören, außer dass das Projekt verspricht, ein langfristiger Store of Value zu sein. Das Ganze klingt insgesamt nach einer Ansammlung von Buzzwords.

CarbonUSD gehen dabei etwas mehr ins Detail und betonen, dass ihr Stable Coin auf Basis von Hedera Hashgraph realisiert werden soll – zumindest wenn die Marktkapitalisierung eine Milliarde US-Dollar beträgt. Aktuell möchten die Entwickler es auf der Ethereum-Blockchain implementieren.

Insgesamt haben wir aktuell Tether, TrueUSD, Gemini-Dollar, PAX, Ndau, Dai, CarbonUSD und sicherlich noch einige Stable Coins mehr. Wie sieht es, außer bei Tether, mit der Adaption aus? Tether ist mit verschiedenen Kontroversen in Verruf geraten. Das alte Experiment Nubits schwebt wie ein Damoklesschwert über Stable Coins und eine vor Kurzem veröffentlichte Analyse stellt die Stabilität von Stable Coins insgesamt in Frage. Statt weitere Stable Coins zu schaffen, wäre es nun wichtig, zu klären, ob die verschiedenen Kritikpunkte mit den unterschiedlichen Ansätzen lösbar sind.

Neue Entwicklungen im Blockchain-Sektor: Patentstreite und ASIC Boost auf Bitcoin-Blockchain

Wo Patente geschrieben werden, kommt es auch zu Patentstreitigkeiten. So zwischen Bitmain und Whatsminer. Dies scheint auch nur das aktuelle Ende einer längeren Entwicklung zu sein; Bitmain hat schon BitWei angeklagt, jedoch hatte das Gericht diese Klage zurückgewiesen. Die ganze Geschichte, in englischer Fassung auf Medium zu finden, liest sich wie ein Wirtschaftskrimi.

Apropos Mining: ASIC Boost Mining auf der Bitcoin-Blockchain war in dieser Woche ein heiß diskutiertes Thema. Der unbedarfte Surfer, der Asicboost.dance besuchte, muss sich gefragt haben, wieso nun Segregated Witness durch die User-activated Soft Fork so forciert wurde – da wird schließlich noch mit ASIC Boost gemint.

Wie jedoch in einem bitcointalk-Thread erklärt, muss man hier zwischen offener und versteckter Nutzung von ASIC Boost unterscheiden. Letztere ist mit Segregated Witness ausgeschlossen, die erste kommt noch vor, ist aber vor allem eine Optimierung und kein so großer Angriff auf die dezentrale Struktur der Miner. Dennoch: Über Asicboost.dance kann man betrachten, ob sich ein Bitmain-eigener Pool in Richtung 51 Prozent verschiebt.

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