Studie: So lassen sich Pump-and-Dump-Schemata voraussagen
Pump and Dump, Studie: So lassen sich Pump-and-Dump-Schemata voraussagen

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Studie: So lassen sich Pump-and-Dump-Schemata voraussagen

Zwei Wissenschaftler des Imperial College London haben den Ablauf von Pump-and-Dump-Schemata unter die Lupe genommen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen entwickelten Jiahua Xu und Benjamin Livshits ein Vorhersage-Modell, das auf Machine Learning basiert und die Chancen auf eine „erfolgreiche“ Teilnahme an einem Pump-and-Dump-Event deutlich erhöht.

Wer kennt das nicht: Am Krypto-Markt geht irgendein Shitcoin, den vorher niemand auf dem Schirm hatte, plötzlich und ohne ersichtlichen Grund durch die Decke. Sobald man damit beginnt, mehr über den Coin herauszufinden (womöglich handelt es sich ja um ein Projekt mit Substanz?), sieht man im Augenwinkel den Kurs wieder ins Rote rutschen. Diesem FOMO-verursachenden Kursgebaren liegt meistens eine Mauschelei zugrunde. Diese Mauschelei heißt Pump and Dump.

Bei einem Pump and Dump geht es darum, einen Kurs bewusst und koordiniert nach oben zu treiben („to pump“ = aufpumpen, aufblasen), um das Asset dann sofort nach Erreichen des Höchststandes mit deutlichem Gewinn wieder zu veräußern („dump“ = wegwerfen, abladen). Pump-and-Dump-Schemata sind zwar bedeutend älter als Bitcoin & Co., fallen im Krypto-Space jedoch auf besonders fruchtbaren Boden. Und das, obwohl in erster Linie die Initiatoren des Pumps und des Dumps profitieren.

In ihrem Paper „The Anatomy of Cryptocurrency Pump-and-Dump Scheme“ haben Jiahua Xu und Benjamin Livshits diese Form der Marktmanipulation genauer erforscht. Sie haben dabei festgestellt, dass vergleichbar einfache Machine-Learning-Modelle brauchbare Vorhersagen darüber machen können, für welchen Coin ein Pump bevorsteht. Dazu beobachteten sie zwischen Juli und November 2018 über 220 Pump and Dumps.

Typischer Ablauf eines Pump and Dump

Setup


Studie: So lassen sich Pump-and-Dump-Schemata voraussagen
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Die Autoren stellen fest, dass die meisten Pump-and-Dump-Aktivitäten über den Messenger Telegram koordiniert werden. Dazu gründen der Initiator bzw. die Initiatoren zunächst einen Telegram Channel und versuchen, möglichst viele Teilnehmer zu gewinnen. Xu und Livshits nennen 1.000 Mitglieder als eine typische Schwelle, die es zu erreichen gilt, bevor ein Pump beginnt. Üblicherweise geht die Kommunikation dabei nur in eine Richtung: Ausschließlich der Organisator darf in dem Channel posten. Das unterscheidet einen Telegram Channel von einer Telegram-Gruppe.

Pump-Ankündigung

Haben sich genug Mitglieder in der Gruppe versammelt, beginnt das große Warten. Der Pump-Organisator bzw. Channel-Administrator gibt zunächst den exakten Zeitpunkt bekannt, wann der Pump stattfinden soll. Um welchen Coin es sich dabei handelt, verrät der Administrator dabei noch nicht. Stattdessen hält er die Gruppenmitglieder bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Coins mit Countdowns, motivierenden Worten und Verhaltensstrategien bei der Stange. Das dauert in der Regel einige Tage.

Bekanntgabe des Pump-Kandidaten

Zum vereinbarten Zeitpunkt gibt der Pump-Organisator dann den Coin bekannt, den es zu pumpen gilt. Das erfolgt meist mithilfe einer Bilddatei, damit keine Bots „mitlesen“ können. Diese Mitteilung bedeutet für die Mitglieder des Kanals das Signal zum Kauf des Tokens. Durch die konzertierte Aktion steigt der Kurs des Coins in der Regel innerhalb weniger Minuten um ein Vielfaches. In dieser Zeit beschwört der Organisator des Pumps die Mitglieder des Kanals, ihre Coins noch zu halten, damit auch Außenstehende noch auf die vermeintliche Mondrakete aufspringen können.

Dump

Bereits nach wenigen Minuten, in manchen Fällen sogar Sekunden, hat der Kurs des gepumpten Coins seinen Höhepunkt erreicht. Bei dem ersten Anzeichen eines sinkenden Kurses beginnt dann die Welle der Panikverkäufe und der Kurs stürzt rapide auf das Niveau vor dem Pump. Bei einem erfolgreichen Pump and Dump profitiert vor allem dessen Initiator:

„Es ist den Pump-Teilnehmern allgemein bekannt, dass Admins am meisten von einem Pump profitieren. Meistens ist der Admin in der Lage, seine vorab gehorteten Coins zu einem überhöhten Preis an andere Gruppenmitglieder während des Pumps zu verkaufen.“

Dabei vertrauen die Teilnehmer auf die „Theorie des größeren Narren“, also darauf, dass es immer noch einen Dümmeren gibt, dem man seine aufgeblasenen Coins gewinnbringend verkaufen kann.

PumpOlymp – Gewusst, wo

Um sich einen Überblick der Pump-Aktivitäten auf Telegram zu verschaffen, fischten die Forscher Daten der Website pumpolymp.com ab. Die Seite listet Telegram-Kanäle auf, die sich dieser Form der Marktmanipulation verschrieben haben. Auf diese Weise ermittelten die Autoren für den Zeitraum zwischen dem 19. Juli und dem 18. November dieses Jahres 220 Pump-and-Dump-Aktivitäten.

Pumper’s Choice: Cryptopia

Über zwei Drittel (67 Prozent) der Manipulationen fanden dabei auf der Krypto-Börse Cryptopia statt, gefolgt von Yobit (18 Prozent), Binance (elf Prozent) und Bittrex (vier Prozent). In jedem vierten Fall hat es an der entsprechenden Exchange schon einmal einen Pump des jeweiligen Coins gegeben. Die Autoren stellen außerdem fest, dass bei Binance aufgrund ihrer großen Reichweite deutlich mehr User in Pump-and-Dump-Aktivitäten verwickelt waren. Die entsprechenden Kursanstiege der gepumpten Coins waren an diesen Handelsplätzen jedoch deutlich geringer als bei Jobit und Cryptopia. Der Grund liegt in der Listung von Coins mit niedriger Marktkapitalisierung, die man auf den großen Krypto-Börsen vergeblich sucht.

„Pump-and-Dump-Organisatoren, die Cryptopia bevorzugen, werden von der großen Auswahl an Coins mit niedriger Marktkapitalisierung angezogen, die an der Börse notiert sind. Es ist nicht verwunderlich, dass kleine Münzen eher mit Betrügereien in Verbindung gebracht werden, was zu einem möglichen Delisting führt“,

so die beiden Autoren.

Trade against the Machine

Jihuana Xu und Benjamin Livshits entwickelten Machine-Learning-Modelle, die Vorhersagen über anstehende Pump and Dumps treffen können sollen. Dabei blickten sie auf Coins, die bei Cryptopia gelistet sind.

„Im Durchschnitt haben wir 358 Kandidaten für einen Pump, von denen einer die tatsächlich gepumpte Kryptowährung ist. Die Anzahl der berücksichtigten Coins variiert für jedes Ereignis aufgrund der ständigen Listing-/Delisting-Aktivitäten der Börsen. Die vollständige Stichprobe enthält 47.487 Pump-Coin-Beobachtungen, insgesamt wurden 133 Pump-and-Dump-Fälle beobachtet […].“

Insgesamt speisten die Forscher ihre Modelle mit Daten aus 46 Kategorien, wie etwa die Marktkapitalisierung des Coins, ob er schon einmal gepumpt wurde, das Alter der Währung, die Transaktionsgebühren auf Cryptopia und die Volatilität des Kurses. Dabei verwendeten sie sowohl das Klassifikationsverfahren Random Forest als auch General-Linear-Modelling-Ansätze. Das Training verlief dabei bei verschiedenen Modellen erfolgreich. So konnten Jiahua Xu und Benjamin Livshits zwischen dem 31. Oktober und dem 4. November fünf von sechs Pumps korrekt voraussagen.

Daraus entwickelten sie eine Trading-Strategie, bei der sich die Gewichtung eines Portfolios nach der Wahrscheinlichkeit eines Pumps der einzelnen Komponenten richtet:

„[…]eine einfache, aber wirkungsvolle Handelsstrategie, die in Kombination mit den Vorhersagemodellen verwendet werden kann. Out-of-Sample-Tests zeigen, dass eine Rendite von bis zu 80 Prozent über drei Wochen auch unter konservativen Annahmen konsequent erzielt werden kann.“

Wer sich intensiver mit der Schnittstelle von Machine Learning und Krypto-Trading auseinandersetzen möchte, dem sei die Lektüre der Arbeit von Jiahua Xu und Benjamin Livshits wärmstens ans Herz gelegt.

The Anatomy of Cryptocurrency Pump-and-Dump Scheme“ ist eine faszinierende Lektüre für jene, die mehr über die Vorhersagen von Krypto-Kursen erfahren möchten.

BTC-ECHO

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