re:publica Spezial: BTC-ECHO sucht nach Blockchain-Innovationen (Teil2)

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Auch am letzten Tag der re:publica in Berlin war BTC-ECHO wieder vor Ort und hat nach Blockchain-Vorträgen und Diskussionen Ausschau gehalten. Wer wissen möchte, was die re:publica am ersten Tag in Sachen Blockchain zu bieten hatte, kann sich gerne unseren Teil 1 durchlesen.
Blockchain in der Energiebranche

Blockchain in der Energiebranche

Der freie Energiejournalist Ralph Diermann hat in seinem Vortrag “Stromhandel über den Gartenzaun – Blockchain in der Energiebranche” einen spannenden Einblick gegeben, welche Blockchain-Lösungen im Energiesektor denkbar wären und welche konkreten Projekte es bereits gibt.


Das disruptive Potential der Blockchain im Energiesektor steht dem im Finanzsektor in nichts nach, betont Ralph Diermann.  Die Blockchain ist in der Lage, wenn auch eher langfristig, den gesamten Energiesektor umzukrempeln.

Die gegenwärtige Situation

Bislang ist es Privatpersonen nicht möglich Strom an andere Privatpersonen zu verkaufen. Produziert die Solaranlage auf dem Dach also mehr Strom als verbraucht wird, so bleibt nur der Verkauf an den Energiedienstleister zu einem vorgegeben Preis. Der Energiedienstleister als Third Party hat also die volle Kontrolle über die Stromtransaktionen und die Angebots- sowie Verkaufspreise.

Auch ist es nicht möglich flexibel den Stromanbieter zu wählen, je nachdem, wo der Strompreis gerade am günstigsten ist, sodass das Endgerät (z.B. Waschmaschine) automatisiert den günstigsten Stromanbieter wählen könnte. Der stark regulierte und oligopole Energiesektor zieht gegenwärtig noch scharfe Grenzen für Innovationen.

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Blockchain als Lösung

Um diese starren und unflexiblen Strukturen aufzubrechen, kann die Blockchain als dezentrale Peer-to-Peer-Lösung den Stromverbrauchern und privaten Produzenten mehr Autonomie zurückgeben. Die Blockchain-Infrastruktur ist in der Lage den Energiedienstleister in seiner Mittlerfunktion auszuschalten. Dadurch wäre es möglich, dass Strom von Solardächern innerhalb eines Wohnortes untereinander gehandelt werden kann, ohne den Umweg über den Energieversorger.

Es gibt bereits Projekte, die dieses Vorhaben in die Praxis umgesetzt haben. Mithilfe der Ethereum-Blockchain wurde dieser Ansatz bereits in New York erfolgreich getestet (Artikel).

Ein anderes Modell wäre die kollektive Finanzierung einer Photovoltaikanlage innerhalb eines Mehrparteienhauses. Auch die Abrechnung könnte über Smart Contracts automatisiert erfolgen.

Wir haben bereits über viele Projekte, die Ralph Diermann vorgestellt hat, in der Vergangenheit berichtet. Wer mehr erfahren möchte, kann sich gerne die folgenden Artikel durchlesen:

  • Solarspeicher für Netzstabilität von TenneT und sonnen (Artikel)
  • Wien Energie (Artikel)
  • Share and Charge von slock.it (Artikel)

Bis sich die Blockchain im Energiesektor durchgesetzt hat, wird noch einige Zeit vergehen müssen, äußert Diermann. Die Regulierung und festgefahren Strukturen machen eine schnelle Disruption unwahrscheinlich.

Meetup zu Non-Financial Blockchain-Use Cases

Damit man nicht nur passiv Rednern bei ihren Vorträgen zuhört, sondern sich auch selbst aktiv mit in die Diskussion einbringt, gab es Meetups auf der re:publica. In den kleinen Stuhlkreisen war jeder eingeladen mit zu diskutieren.

So wurde im Blockchain-Meetup vor allem die Frage diskutiert wie die Blockchain außerhalb des Finanzsektors und insbesondere in der Entwicklungshilfe sinnvoll eingesetzt werden kann. Schnell wurde dabei klar, dass es nicht immer so einfach ist wie es auf den ersten Blick scheint.

Zwar kann die Implementierung von Smart Contracts Vorgänge enorm beschleunigen und Kosten reduzieren, doch bleibt die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass bei der Programmierung alles “gerecht” zugeht. Wie kann gewährleistet werden, dass der Programmierer alle Interessen gleichermaßen berücksichtigt und frei von Interessenskonflikten ist? Wie geht man mit Fehlern im Smart Contract um? Welche Risiken stellen die Schnittstellen zur Außenwelt dar?  Keine einfachen Fragen.

Darüber hinaus wurden mögliche Einsatzgebiete der Blockchain in Regionen diskutiert, deren Infrastruktur und Institutionengefüge unzureichend für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung ist. Ein Beispiel waren hier Flüchtlingscamps in Jordanien, wo die UN die Ethereum-Blockchain nutzt, um Hilfsgüter zu verteilen (Artikel). Ein anderes Beispiel waren Überlegungen, wie Versicherungen, die über eine Blockchain laufen, Erdbebenopfern helfen können.

Die vielen Ideen wurden auch nach Ablauf der offiziellen Zeit noch weiter rege diskutiert.

Fazit

Die Qualität der Blockchain-Vorträge und Diskussionen auf der re:publica war hoch, allerdings hat man gemerkt, dass die Blockchain nur ein Randthema auf der re:publica war. Leider, denn die Nachfrage nach Blockchain-Input war definitiv da. Nicht wenige mussten bei den Vorträgen stehen, da sie keinen Sitzplatz mehr ergattert haben. Entsprechend hoffen wir, dass es auf der nächsten re:publica ein größeres Blockchain-Programm geben wird. Wir werden auf jeden Fall auch nächstes Jahr vor Ort sein und Euch Bericht erstatten.

BTC-ECHO


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