Pump and Dump: Wie Online-Gruppen ganz legal den Bitcoin-Markt manipulieren

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Pump and Dump: Wie Online-Gruppen ganz legal den Bitcoin-Markt manipulieren

Pump and Dump: Wenn der Bitcoin-Kurs steigt, ist die Suche nach Gründen nicht fern. Wie am regulierten Aktienmarkt auch korrelieren Änderungen am Krypto-Markt oft mit Meldungen von Unternehmen. Technische und fundamentale Analyse helfen hier, einen Überblick über die gesamte Marktlage zu bekommen. Und doch gibt es im Bitcoin-Ökosystem einen großen Unterschied: Pump-and-Dump-Gruppen.

Zwischen dem 26. und 27. Mai ist der Bitcoin-Kurs signifikant angestiegen. Innerhalb von einer Stunde sprang die Bewertung der größten Kryptowährung nach Marktkapitalisierung um knapp 500 US-Dollar in die Höhe. Wie wir hier erläutern, sprechen dafür eine Reihe von Gründen. Sowohl die technische als auch die fundamentale Analyse der Marktsituation können hier helfen, die Lage am Krypto-Markt einzuschätzen. Während das Bitcoin-Ökosystem hierbei auf die Mainstream-Adaption, also den Ansturm der Massen wartet, walten jedoch im Hintergrund einige Akteure, die die Geschehnisse um den Bitcoin-Kurs ausnutzen. Dabei bereichern sie sich in sogenannten Pump-and-Dump-Gruppen.

Disclaimer: Der vorliegende Text bietet weder eine Rechtsberatung, noch soll er zur Investition in Kryptowährungen oder Pump-and-Dump-Systemen anregen. Auch wenn bei der Recherche höchste Sorgfalt gewaltet hat, kann für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen keine Garantie gegeben werden. Eine Antwort auf eine Anfrage bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht bisher aus.

Pump and Dump Definition

Eine Definition von Pump-and-Dump-Gruppen liefern wir bereits hier:

Bei einem Pump and Dump geht es darum, einen Kurs bewusst und koordiniert nach oben zu treiben („to pump“ = aufpumpen, aufblasen), um das Asset dann sofort nach Erreichen des Höchststandes mit deutlichem Gewinn wieder zu veräußern („dump“ = wegwerfen, abladen). Pump-and-Dump-Schemata sind zwar bedeutend älter als Bitcoin & Co., fallen im Krypto-Space jedoch auf besonders fruchtbaren Boden. Und das, obwohl in erster Linie die Initiatoren des Pumps und des Dumps profitieren.

Somit verabreden sich Investoren online, um gemeinsam Profite zu generieren. Sie setzen dabei darauf, bei Außenstehenden die „Angst, etwas zu verpassen“ auszulösen. (Auch bekannt als FOMO: Fear of Missing Out). Zur Verabredung gibt es eigens eingerichtete Gruppen in Messaging-Diensten wie Telegram. Um das Schema besser nachvollziehen zu können, verfolgen wir hier einen aktuellen Fall nach.

Der Bitcoin-Kurs steigt: Was im Hintergrund passiert

In der Telegram-Gruppe „Big Pump Signal“ haben die Initiatoren der derzeit größten Pump-and-Dump-Gruppe (über 40.000 Abonnenten) bereits am 14. Mai die nächste Aktion angekündigt.

Dort heißt es:

Liebe Mitglieder,

Wie ihr wahrscheinlich alle mitbekommen habt, ist der Bitcoin[-Kurs] in der letzten Zeit stark angestiegen. […] Das bedeutet, dass es aktuell viel Platz für einen sensationellen Pump in diesem Moment gibt. Wenn die Stimmung so bleibt, werden wir einen der größten Pumps durchführen, die diese Gruppe jemals gemacht hat. Es gibt eine Menge an Investment-Gruppen überall auf der Welt, die jede Bewegung der Altcoins nachverfolgen. Das können wir zu unserem Vorteil nutzen und einen einzelnen Coin so pumpen, wie wir es früher getan haben. Die Details sind wie folgt: Binance Datum: 19. Mai 2019, 21 Uhr GMT. [Anmerkung: Die Gruppe korrigierte das Datum kurze Zeit später auf den 26. Mai].

In der Zeit zwischen Ankündigung des Pumps und der aktuellen Durchführung erinnern die Initiatoren die Mitglieder in regelmäßigen Abständen daran, dass das Datum des Pumps immer näher rückt. Dabei versuchen sie, ganz im Sinne eines Schneeball- bzw. Pyramidensystems, die Mitglieder dazu zu bringen, mehr und mehr Mitglieder zur Gruppe hinzuzufügen.

[Es wird] bald ein neuer Pump angekündigt. Beginnt damit, die Gruppe zu vergrößern, um einen noch größeren Pump zu erreichen und einen zeitlichen Vorteil für [die nächste Aktion] zu schaffen!

Schließlich kommt es dann zur Ankündigung des betroffenen Coins:

Der Coin ist: POA (POA Network) […] Der Coin hat massives Potential.

Wie man am Kursverlauf des betroffenen Token erkennen kann, stieg der Kurs direkt mit der Ankündigung stark an:

Der Kurs stieg also innerhalb einiger Minuten von 0,033108 US-Dollar um über 60 Prozent auf 0,053167 US-Dollar an. Die gesamte Marktkapitalisierung stieg um knapp vier Millionen US-Dollar an.

Effizienz von Pump-and-Dump-Gruppen

Wie man am aktuellen Beispiel erkennen kann, können Pump-and-Dump-Gruppen eine gute Möglichkeit bieten, innerhalb sehr kurzer sehr viel Geld einzusammeln – wenn man schnell genug ist. Allerdings, und das ist der Haken an der Sache: Meistens profitieren vor allem die Initiatoren der Gruppe. Wer zu langsam ist und beim Dump nicht schnell genug verkauft, wird in der Regel ein Verlustgeschäft machen. Schließlich zielt das Schema darauf ab, unwissende außenstehende Investoren von der Möglichkeit eines schnellen Gewinns zu überzeugen. Dabei handelt es sich um ein klassisches Pyramidensystem, dessen sich – zumindest innerhalb der Gruppen – alle Mitglieder mehr oder weniger bewusst sind.

Rechtlicher Status von Pump-and-Dump-Gruppen bei Bitcoin & Co.

Während Pump-and-Dumps an der regulierten Börse laut BaFin unter Marktmanipulation fallen und damit verboten sind, scheint dieses Gesetz bei Kryptowährungen (noch) nicht zu greifen. Das liegt aktuell vor allem an der mangelnden Regulierung.

Hier mag man sich an das Urteil des Kammergerichtes Berlin aus dem Oktober 2018 erinnern. Aufgrund einer mangelnden offiziellen Einordnung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat die Behörde eine Maßnahme der Regulierungsbehörde BaFin als unzulässig befunden. Dort heißt es:

Dem Gesetzesentwurf sind hingegen keine Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass sogenannte Kryptowährungen unter den Begriff der Rechnungseinheit fallen sollten. Dies ist bereits aus dem Umstand verständlich, dass z. B. der hier gegenständliche Bitcoin erst 2008/2009 erstmalig im Internet Erwähnung findet (vgl. Frase BB 2016, 26). Daher konnte der Gesetzgeber Bitcoin nicht in seine Betrachtung mit einschließen. Der Gesetzeswortlaut ist aber auch keiner Auslegung zugänglich, wonach die erst nach dem Erlass des Gesetzes in Erscheinung getretenen Bitcoin unter den Begriff der Rechnungseinheit subsumierbar wären. In Betracht käme insoweit allein die Annahme einer Rechnungseinheit im Sinne des § 1 Abs. 11 Satz 1 KWG.

Dahingehend sei es vor allem eine einheitliche Anerkennung bzw. Definition, die sowohl bei Bitcoin als auch bei anderen Kryptowährungen fehle:

Damit fehlt es dem Bitcoin an einer allgemeinen Anerkennung und der entsprechenden vorhersehbaren Wertbeständigkeit, die ermöglicht, ihn zur allgemeinen Vergleichbarkeit verschiedener Waren oder Dienstleistungen heranzuziehen.

Da es bis dato kein aktuelleres Urteil gibt, ist davon auszugehen, dass der Urteilsspruch des Kammergerichts Berlin nach wie vor Bestand hat. Ohne eindeutige Regulierung gibt es demnach auch kein Verbot von Pump-and-Dump-Systemen bei Kryptowährungen. Eine Antwort auf eine Presseanfrage seitens der BaFin steht bisher aus.

Benjamin Kirschbaum von der Rechtsanwaltskanzlei Winheller bestätigt gegenüber BTC-ECHO jedoch:

Insidertrading und Marktmanipulation sind sogenannte verbotene Handlungen unter der europäischen Marktmissbrauchsverordnung (MMVO). Die Definition für Finanzinstrumente in der MMVO erfasst jedoch keine Kryptowährungen. Die Verbote und die damit verbundenen besonderen Straftatbestände im Wertpapierhandelsgesetz sind damit tatsächlich nicht einschlägig. Allerdings können gerade Pump-and-Dump-Schemata einen ganz gewöhnlichen Betrug darstellen, für dessen Verfolgung dann die Staatsanwaltschaft zuständig ist. Meiner Ansicht nach wäre es durchaus zu überlegen, Kryptowährungen unter die MMVO zu fassen. Damit könnten Vorgänge wie Insidertrading und sonstige Manipulationen durch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen untersucht und überwacht werden. Die Behörde hätte dann auch das Recht, rechtzeitig einzuschreiten, um Schäden von Investoren abzuwenden

Bis es also eine einheitliche Regulierung gibt, bleibt der Profit von Pump and Dump, ganz abgesehen von moralischen Fragen, in bestimmten Fällen legal.

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