Nordirische Hauptstadt plant eigene Währung – Aufschwung dank Belfast Coin?

Quelle: Shutterstock

Nordirische Hauptstadt plant eigene Währung – Aufschwung dank Belfast Coin?

Im Zuge einer internationalen Förderinitiative will die nordirische Hauptstadt Belfast noch in diesem Jahr eine eigene Kryptowährung herausgeben. Mit dieser will die Stadt Bürger für vorbildliches Verhalten wie Recycling belohnen. Übergeordnetes Ziel des Belfast-Coin soll es unter anderem sein, die stagnierende Wirtschaft in der ehemaligen Industriestadt anzukurbeln. Diese muss mit Blick auf den anstehenden Brexit und das Szenario einer harten Grenze auf der irischen Insel derzeit um ihre Zukunft bangen.

Weltweit wenden sich immer mehr Regierungen, Zentralbanken und staatliche Geldbehörden den Potentialen eigener Kryptowährungen zu. Während die Beispiele erfolgreicher Regierungs-Coins derzeit jedoch rar gesät sind, schrecken auch die meisten Städte und Regionen noch vor der durchaus heiklen Herausforderung einer eigenen Währung zurück.

Die erste europäische Stadtverwaltung, die sich diesen Schritt nun traut, ist die nordirische Hauptstadt Belfast. Wie der Stadtrat der britischen Exklave an diesem Mittwoch, dem 8. Mai, in einer Pressemitteilung verkündet, will die Metropole noch in diesem Jahr eine eigene Digitalwährung herausgeben.

Belfast-Coin belohnt Bürger für Recycling

Anders als bei herkömmlichen Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether & Co. soll man den sogenannten Belfast-Coin jedoch nicht einfach mithilfe des britischen Pfunds eintauschen können. Vielmehr will die Stadt vorbildliches Verhalten belohnen: Das Einkaufen vor Ort, Recycling, Freiwilligenarbeit oder die Teilnahme an bürgerschaftlichen Aktivitäten – für all dies sollen die Einwohner der Millionenstadt bald Anreize in Form des Belfast-Coin erhalten. Dies soll vor allem die Wirtschaft der Region anfeuern.

Wir hoffen, dass der Belfast-Coin den lokalen Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhilft und den Stadtrat dabei unterstützt, langfristige Ziele wie Umweltverbesserungen zu erreichen,

erklärt Grainia Long, Resilienzkommissarin der Stadt, die Motivation hinter der Kooperation mit dem britisch-israelischen FinTech Colu.

Dies bietet uns die Gelegenheit zu untersuchen, wie eine Stadtwährung Anwohner, Unternehmen und Städtepartner zusammenbringen kann, um integratives Wachstum zu unterstützen.

Amos Meiri, Geschäftsführer von Colu, ergänzt:

Der Belfast-Coin wird einen enormen Beitrag zur Entwicklung der Stadt leisten – wirtschaftlich, sozial, ökologisch und sogar darüber hinaus.

Zunächst will die Stadt eine Pilotphase starten und Geschäftspartner finden, bei denen die Bürger mit dem Belfast-Coin künftig bezahlen können. Gelingt dies, soll im weiteren Verlauf des Jahres der offizielle Startschuss des Förderprojekts fallen.

Rockefeller-Projekt soll Abwehrmechanismen schaffen

Dabei ist die Stadtwährung Teil einer breiter angelegten Strategie der regionalen Förderung. Seit 2016 ist Belfast Mitglied der sogenannten 100-Resilient-Cities-Initiative der Rockefeller-Stiftung. Diese fördert neben Athen, Kapstadt oder Jakarta Städte und Gemeinden weltweit. Mithilfe der Fördergelder sollen sie Abwehrmechanismen für kommende wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen aufbauen. Andererseits will die Initiative vor allem dort Wachstum schaffen, wo ebendiese Herausforderungen schon heute zu spüren sind.

Dass die nordirische Hauptstadt Teil der weltweiten Resilienz-Initiative ist, kommt dabei nicht von ungefähr. So war die ehemalige Industrie-Hochburg zwar zwischen 1998 und 2007 hinter London die am schnellsten wachsende Wirtschaft im Vereinigten Königreich. Die Finanzkrise hat das Land jedoch hart getroffen. Seit 2008 stagniert das ehemals galoppierende Wachstum. In diesem Jahr soll die britische Exklave sogar das geringste wirtschaftliche Plus aller Briten verzeichnen.

Belfast und der Brexit – Wo liegt die Zukunft der nordirischen Wirtschaft?

Unklar ist zudem, wo die Zukunft der nordirischen Hauptstadt liegt, kommt es trotz verlängerter Verhandlungsfrist zum harten Brexit – und damit zu einer harten Außengrenze zwischen UK und EU. Das Schicksal der inneririschen Grenze gilt als Knackpunkt der laufenden Verhandlungen zum Austritt der Briten. Dabei besteht die Republik Irland auf dem freien Waren- und Personenverkehr zwischen den Bruderländern. London wiederum will eine Sonderrolle im Vereinigten Königreich auch zum Preis von Zollkontrollen verhindern.

Sollte es im Oktober nun zu einer solchen harten Grenze zwischen der irischen Republik und dem einst umkämpften Nordirland kommen, brächte dies nicht nur vernichtende Konsequenzen für die Wirtschaft auf der grünen Insel. Von nordirischer Seite würde dies vor allem die Hauptstadt Belfast treffen.

Du bist ein Blockchain- oder Krypto-Investor? Der digitale Kryptokompass ist der erste Börsenbrief für digitale Währungen und liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Jetzt kostenlos testen

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Ein Krypto-Fan als US-Präsident? – Andrew Yang will ins Weiße Haus
Ein Krypto-Fan als US-Präsident? – Andrew Yang will ins Weiße Haus
Regierungen

Der New Yorker Unternehmer Andrew Yang rüttelt dieser Tage am Fundament der demokratischen Partei.

Französischer Zentralbankchef & EZB-Rat Villeroy de Galhau sieht Potential in Stable Coins
Französischer Zentralbankchef & EZB-Rat Villeroy de Galhau sieht Potential in Stable Coins
Regierungen

Der französische Zentralbankchef und derzeitige Rat der Europäischen Zentralbank Francois Villeroy de Galhau zieht Stable Coins Bitcoin vor.

Newsletter

Die besten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    Bitcoin, Ethereum und Ripple – Kursanalyse KW21 – Seitwärts auf hohem Niveau
    Bitcoin, Ethereum und Ripple – Kursanalyse KW21 – Seitwärts auf hohem Niveau
    Kursanalyse

    Die letzten Tage wurde seitens den drei Top-Coins dazu genutzt, den Anstieg in den vergangenen Wochen zu verdauen.

    Bitcoin-Börse Kraken geht auf Investorenjagd
    Bitcoin-Börse Kraken geht auf Investorenjagd
    Unternehmen

    Die Bitcoin-Börse Kraken hat einen Verkauf von Unternehmensanteilen gestartet. Die Anteile können indes online erworben werden.

    Ethereums Zukunft: Foundation veröffentlicht Roadmap
    Ethereums Zukunft: Foundation veröffentlicht Roadmap
    Ethereum

    Während sich der Ether-Kurs tapfer über der 250-US-Dollar-Marke hält, gibt sich die Ethereum Foundation alle Mühe, das eigene Ökosystem weiterzuentwickeln.

    Was uns der Bitcoin Pizza Day über Geld verrät
    Was uns der Bitcoin Pizza Day über Geld verrät
    Bitcoin

    Als Laszlo Hanyecz am 22. Mai 2010 zwei Pizzen kaufte und diese mit Bitcoin bezahlte, ahnte er noch nicht, dass er damit in die Geschichte einging.

    Angesagt

    Erfolgreicher Startschuss für Finledger – Deutsche Banken testen Schuldschein-Plattform
    Blockchain

    Ein Zusammenschluss der Helaba, DekaBank, dwpbank und der DZ Bank verkündet in dieser Woche den erfolgreichen ersten Test seiner Blockchain-Plattform Finledger. 

    „Undiskutable Fakten“: Bitcoin-Börse Bitfinex zeigt New Yorker Staatsanwaltschaft den Mittelfinger
    Regulierung

    Die Skandal-Bitcoin-Börse Bitfinex sowie die mit ihnen verbandelte Tether Limited wehren sich gegen die aktuelle Anklage der New Yorker Staatsanwaltschaft.

    Die Linke will Bitcoin verbieten – wieso das nicht gelingen wird
    Kommentar

    Die Partei Die Linke will nach Inhalt des Wahlprogramms zur Europawahl Bitcoin verbieten.

    Ein Plädoyer für die Hodl-Mentalität: Bitcoin ist ein Wertspeicher – und das ist gut so
    Bitcoin

    Kritiker der Kryptowährung Nr. 1 werfen ihr häufig mangelnde Nutzbarkeit vor.

    ×

    Happy Bitcoin Pizzaday

    25% Rabatt auf alle Shop-Produkte

    Gutscheincode: PIZZA

    Der Kryptokompass Mai 19

    Aktuelle Ausgabe inkl. STO Guide kostenlos testen

    NEU: Aktuelle Mai Ausgabe gratis testen inkl. STO-Guide