FTX

Was war FTX?

  Kryptobörse

FTX war eine 2019 gegründete Kryptobörse, die auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs zur drittgrößten Plattform der Branche nach Handelsvolumen zählte. Im November 2022 kollabierte FTX innerhalb weniger Tage, nachdem bekannt wurde, dass Kundengelder in Milliardenhöhe ohne Wissen der Kunden an die Handelsgesellschaft Alameda Research weitergeleitet worden waren. Der Fall gilt als einer der folgenschwersten Zusammenbrüche in der Geschichte des Kryptomarktes. Gründer Sam Bankman-Fried wurde 2023 auf allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und 2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Gegründet
Mai 2019
Nativer Token
FTT
Hauptsitz
Nassau, Bahamas
Insolvenz
11. November 2022
SBF-Urteil
25 Jahre Haft (März 2024)

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Gründung und Aufstieg

  • Mai 2019: Sam Bankman-Fried (SBF) und Gary Wang gründen FTX, zunächst in Hongkong. Die Plattform richtet sich an erfahrene Trader mit Fokus auf Derivate und Futures.
  • 2020–2021: FTX wächst rasant und zieht namhafte Investoren an, darunter Sequoia Capital, SoftBank und den Singapore-Staatsfonds Temasek. Das Unternehmen verlegt den Hauptsitz auf die Bahamas.
  • 2021: FTX wird zur drittgrößten Kryptobörse nach Handelsvolumen. SBF tritt öffentlich als Gesicht der “effektiven Altruismus”-Bewegung auf und spendet Millionen für politische Zwecke.
  • 2021: FTX kauft Naming Rights für die Arena der Miami Heat NBA-Franchise. Das “FTX Arena” wird zum Symbol des rasanten Aufstiegs.
  • 2022: Erste Risse zeigen sich im Kryptomarkt. Der Kollaps von Terra/LUNA im Mai 2022 belastet die Branche. FTX hilft Firmen wie Voyager Digital und BlockFi mit Rettungskrediten und inszeniert sich als verlässliche Kraft.

Der Kollaps im November 2022

Am 2. November 2022 veröffentlichte das Medienunternehmen CoinDesk einen Bericht über die Bilanz von Alameda Research, dem Handelsarm von SBF. Die Bilanz zeigte, dass Alamedas größtes Asset der FTT-Token war, der native Token von FTX. Am 6. November kündigte Binance-Chef Changpeng Zhao (CZ) an, alle FTT-Bestände von Binance zu verkaufen. Der FTT-Kurs brach ein. FTX-Kunden begannen massenhaft, Gelder abzuziehen. Am 8. November stoppte FTX alle Abhebungen. Binance kündigte zunächst eine Übernahme an, zog das Angebot nach Einblick in die Bücher jedoch zurück. Am 11. November 2022 meldete FTX Insolvenz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts an. SBF trat als CEO zurück. Der Insolvenzverwalter John J. Ray III, der zuvor den Enron-Skandal abgewickelt hatte, übernahm die Führung.

Das Ausmaß des Betrugs

Ermittlungen zeigten, dass FTX über Jahre Kundengelder an Alameda Research weitergeleitet hatte, ohne Wissen oder Zustimmung der Kunden. Alameda nutzte das Geld für riskante Handelsgeschäfte und Investitionen. Als die Verluste zunahmen, war das Loch nicht mehr zu schließen. Schätzungen zufolge fehlten zeitweise Kundengelder in Höhe von rund acht Milliarden US-Dollar. Zahlreiche institutionelle Anleger, darunter Risikokapitalgeber und Staatsfonds, verloren ihre gesamten Investitionen. Die Ansteckungswirkung traf auch zahlreiche weitere Unternehmen mit Verbindungen zu FTX. Das Ereignis löste weltweit Rufe nach schärferer Regulierung von Kryptobörsen aus.

Strafverfolgung und Gläubiger-Entschädigung

Im Dezember 2022 wurde SBF auf den Bahamas verhaftet und in die USA ausgeliefert. Im November 2023 sprach ein New Yorker Bundesgericht ihn auf allen sieben Anklagepunkten schuldig, darunter Betrug und Verschwörung zur Geldwäsche. Im März 2024 wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Weitere FTX-Führungskräfte, darunter Mitleiter Gary Wang und Caroline Ellison von Alameda, kooperierten mit der Staatsanwaltschaft und erhielten mildere Strafen. Die Insolvenzmasse erwirtschaftete durch den Verkauf von Vermögenswerten überraschend hohe Erlöse. Im Jahr 2025 begannen FTX-Gläubiger, Zahlungen zu erhalten, die den Nennwert ihrer Forderungen zuzüglich Zinsen übersteigen.

Häufige Fragen zu FTX

Was war FTX?

FTX war eine 2019 gegründete Kryptobörse mit Sitz auf den Bahamas, die auf dem Höhepunkt zur drittgrößten Plattform der Branche zählte. Im November 2022 kollabierte FTX nach der Enthüllung, dass Kundengelder in Milliardenhöhe ohne Wissen der Kunden an die verbundene Handelsgesellschaft Alameda Research weitergeleitet worden waren.

Warum ist FTX kollabiert?

FTX kollabierte, weil Kundengelder über Jahre ohne Wissen der Kunden an Alameda Research weitergeleitet und für riskante Handelsgeschäfte verwendet wurden. Als ein CoinDesk-Bericht Alamedas fragwürdige Bilanz enthüllte und Binance seinen FTT-Bestand verkaufte, zogen Kunden massenhaft Gelder ab. FTX konnte die Rückzahlungen nicht leisten und meldete Insolvenz an.

Wer war Sam Bankman-Fried?

Sam Bankman-Fried (SBF) war Mitgründer und CEO von FTX sowie Gründer der Handelsgesellschaft Alameda Research. Er wurde im November 2023 auf allen sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen und im März 2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Vor dem Kollaps galt er als einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Kryptobranche.

Was war Alameda Research?

Alameda Research war ein von SBF gegründetes quantitatives Handelsunternehmen, das eng mit FTX verbunden war. Es nutzte Kundengelder von FTX für eigene Handelspositionen und Investitionen, ohne dass Kunden davon wussten. Als Alamedas Verluste stiegen, konnte FTX die Kundengelder nicht mehr zurückzahlen.

Was ist FTT?

FTT war der native Token der FTX-Börse. Inhaber erhielten Rabatte auf Handelsgebühren. FTT machte einen Großteil der Bilanz von Alameda Research aus, was beim FTX-Kollaps eine zentrale Rolle spielte: Als das Vertrauen in FTT einbrach und der Token crashte, offenbarte sich das Loch in Alamedas Bilanzen.

Bekommen FTX-Gläubiger ihr Geld zurück?

Ja. Die FTX-Insolvenzmasse erzielte durch den Verkauf von Vermögenswerten und Rückforderungen überraschend hohe Erlöse. Ab 2025 begannen Gläubiger, Zahlungen zu erhalten, die den Nennwert ihrer Forderungen zuzüglich Zinsen übersteigen. Dies ist für einen derart großen Insolvenzfall ungewöhnlich.

Welche Rolle spielte Binance beim FTX-Kollaps?

Binance-CEO CZ twitterte am 6. November 2022, dass Binance alle FTT-Bestände verkaufen werde. Dies löste eine Verkaufswelle aus und beschleunigte den Vertrauensverlust in FTX. Binance signalisierte zunächst eine Übernahme, zog das Angebot jedoch zurück, nachdem Einblicke in die FTX-Bücher das Ausmaß der Lücken offenbarten.

Was hat der FTX-Kollaps für die Kryptobranche bedeutet?

Der FTX-Kollaps löste eine breite Regulierungsdebatte aus und beschleunigte die Einführung strengerer Aufsichtsregeln für Kryptobörsen weltweit. Er beschädigte das Vertrauen in zentralisierte Börsen und stärkte Argumente für dezentrale Alternativen. In Europa beschleunigte der Fall die Umsetzung der MiCA-Regulierung.