Interview mit Dr. Alexander Bechtel (DWS) Wie Bitcoin jetzt deutsche Portfolios revolutioniert

Die Bitcoin ETFs in den USA waren nur der Anfang. Ein Investment-Profi erklärt, wie Anleger nun von neuen BTC-Produkten profitieren können.

Tobias Zander
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Dr. Alexander Bechtel leitet für das Frankfurter Unternehmen DWS die Digitalstrategie

Beitragsbild: Shutterstock, Alexander Bechtel

| Dr. Alexander Bechtel leitet für das Frankfurter Unternehmen DWS die Digitalstrategie

Seit Januar 2024 haben die amerikanischen Bitcoin ETFs die Investment-Welt auf den Kopf gestellt. Schon über 4,2 Prozent aller BTC befinden sich im Besitz der zehn zugelassenen Indexfonds. Doch nun macht ein großer deutscher Vermögensverwalter, die DWS Group, ihnen Konkurrenz: mit neuen Exchange Traded Commodities (ETCs) auf Bitcoin und Ethereum für den europäischen Markt.

Bei der Crypto Asset Conference in Frankfurt sprach BTC-ECHO mit Dr. Alexander Bechtel, dem Head of Digital Strategy der DWS.

Das Bitcoin Halving hat über Wochen hinweg die Schlagzeilen im Krypto-Space dominiert. Warum ist dieses Ereignis so wichtig?

Dr. Alexander Bechtel: Das Halving ist der Grund, warum es am Ende nur knapp 21 Millionen Bitcoin geben kann. Und es gehört zur DNA von Bitcoin, dass es absolut begrenzt ist. Genau deshalb sagen viele Bitcoiner, dass Bitcoin ein gutes, vielleicht sogar das beste Geld ist. Ich frage mich aber manchmal schon, warum Satoshi das so gestaltet hat, dass es alle vier Jahre einen großen Sprung gibt. Statt dieses großen Halvings hätte man die Block Subsidy genauso auch jede Woche ein kleines bisschen reduzieren können. Einerseits freue ich mich daher über das Halving, aber andererseits macht es mich etwas nervös, weil es durchaus ein Schock für das Bitcoin-Netzwerk ist.

Glaubst Du, das hat Satoshi bewusst so entschieden und zuvor die Vor- und Nachteile der linearen Variante gegenüber den Vierjahres-Zyklen abgewogen?

Darüber habe ich mich erst vor kurzem mit einigen Bitcoinern unterhalten. Und wir wussten alle nicht, warum vier Jahre als Zeitraum gewählt wurden. Genau genommen sind es ja nicht vier Jahre, sondern 210.000 Blöcke. Ich hätte es tatsächlich für sinnvoller gehalten, kürzere Abstände zu wählen und die Block Subsidy beispielsweise regelmäßig um ein Prozent zu reduzieren. Stattdessen werden nun nach vier Jahren die Einnahmen der Miner plötzlich halbiert, was einen großen Schock bedeutet. Zumal die Miner extrem wichtig für Bitcoin sind, denn sie sorgen letztlich für die Sicherheit im Bitcoin-Netzwerk.

Welche Auswirkungen auf die Mining-Industrie erwartest Du?

Durch den starken Preisanstieg des Bitcoin in den vergangenen Monate sollten wir erstmal keine signifikanten Effekte bei der Hashrate sehen. Derzeit dürften nur relativ wenige Miner im Bitcoin-Netzwerk Kosten über 30.000 bis 40.000 US-Dollar haben, um einen Bitcoin zu minen. Deswegen können vermutlich selbst nach der Halbierung der Block Subsidy die meisten weiterhin profitabel arbeiten.

In der letzten Episode deines „Bitcoin, Fiat and Rock’n’Roll“-Podcasts sprecht ihr über das Security-Budget-Problem. Das klingt gefährlich. Was genau steckt dahinter?

Aktuell bekommt der erfolgreiche Miner 6,25 Bitcoin pro Block, die sogenannte Block Subsidy. Dazu kommt noch ein kleiner Teil an Transaktionsgebühren, aber die Hauptentlohnung der Miner stellt die Block Subsidy dar. Je höher sie ist, desto mehr Anreiz haben die Miner, Energie ins Mining zu stecken und desto sicherer ist wiederum das Bitcoin-Netzwerk. Wenn durch das Halving nun die Block Subsidy halbiert wird, dann haben Miner einen niedrigeren Anreiz, Energie zu investieren. Dadurch könnte Bitcoin unsicherer werden, was meiner Ansicht nach noch zu wenig diskutiert wird. Aktuell ist das zwar noch kein Problem, aber in den kommenden fünf bis zehn Jahren könnte es eines werden.

Welche Lösungsansätze siehst Du für dieses Problem?

Die ideale Lösung wäre, dass der Preis so stark steigt, dass er die Halbierung der Block Subsidy kompensiert. So lief es bei den vorangegangenen drei Bitcoin Halvings. Deswegen muss man sich fragen, welche Preisentwicklung zu erwarten ist und woher der dafür nötige Anstieg der Nachfrage kommt. Jetzt haben wir die neuen ETFs, aber was wird es das nächste Mal sein? Es könnte auch einen Halving-Zyklus geben, bei dem sich der Preis kaum bewegt, und dann bräuchten wir andere Lösungen. Zum Beispiel könnte man die Block Subsidy konstant halten, etwa bei 6,25 Bitcoin. Dadurch verabschiedet man sich allerdings von der Grenze von maximal 21 Millionen Bitcoin und hätte eine leichte Inflation bei Bitcoin zur Kompensation der Miner. Eine andere Möglichkeit wäre eine Art Steuer, sodass jeder Bitcoin-Halter einen kleinen Teil seiner Bitcoin für die Miner abgibt. Diese Lösungen sind aber aktuell auf keinen Fall mehrheitsfähig in der Bitcoin-Community.

Wie kann die Mining-Industrie eigentlich langfristig überleben, wenn alle vier Jahre wieder der Block Reward halbiert wird? Können sich die Miner irgendwann ausschließlich von Transaktionsgebühren finanzieren?

Ich glaube nicht, dass wir in absehbarer Zukunft Transaktionsgebühren im Bitcoin-Netzwerk sehen, die die Block Subsidy eins zu eins ersetzen können. Derzeit wird viel an Second-Layer-Lösungen gearbeitet und ganz viele der Transaktionen, die jetzt noch auf Layer 1 stattfinden, lagern wir bald auf Layer 2 aus. Deshalb werden die Transaktionsgebühren nicht massiv steigen. Aus diesem Grund wäre der Idealfall, wie eben erwähnt, ein starker Preisanstieg, so dass die Transaktionsgebühren gar nicht unendlich steigen müssen, um die Kosten der Miner zu decken.

Podcast

Du hast die US Bitcoin ETFs bereits erwähnt. Für wie wichtig hältst Du die SEC-Genehmigung vor dem Hintergrund einer institutionellen Adaption?

Es war ein extrem wichtiges und lang ersehntes Ereignis, weil es der ganzen Assetklasse mehr Seriosität gegeben hat. Wenn eine Institution wie die SEC Spot Bitcoin ETFs zulässt, dann sagt sie damit auch, dass es keine signifikante Preismanipulation gibt und dass der Markt liquide sowie erwachsen ist. Eine sehr wichtige Voraussetzung dafür, dass sich auch größere institutionelle Investoren herantrauen. Außerdem können sie jetzt mit dem ETF eine vertraute, traditionelle Finanzhülle für ein Bitcoin Investment nutzen.

Siehst Du auch Risiken, die mit den Bitcoin ETFs einhergehen?

Die großen Asset Manager in den USA sind wirklich absolute Vollprofis. Deren Bitcoin ETFs sind auf Basis der über Jahrzehnte eingespielten Abläufe des ETF-Markts strukturiert. Was ich mir aber noch wünschen würde, wären mehr Banken als Verwahrstellen. Aktuell haben wir Coinbase als Verwahrstelle für die allermeisten ETFs, was ein Konzentrationsrisiko darstellt. Und es gibt bereits große Banken in den USA, die auch Krypto-Verwahrlösungen bauen und anbieten. Aber leider können sie wegen der Accounting-Regel SAB121 derzeit keine Krypto-Verwahrung anbieten, weil sie extrem viel Eigenkapital dafür halten müssen.

Warum haben wir in Deutschland und der EU keine Bitcoin ETFs wie in den USA, sondern nur andere Finanzprodukte mit Kürzeln wie ETP, ETN oder ETC?

Wir haben in Europa die UCITS-Regulierung, die gewisse Vorgaben für ETFs macht. Dazu gehört auch, dass in der Regel ein einzelnes Asset in einem ETF nicht mehr als 20 Prozent ausmachen darf. Und schon allein dadurch sind natürlich jegliche ETFs auf einzelne Anlageziele – wie ein Bitcoin oder ein Gold ETF – ausgeschlossen. Deswegen müssen wir uns in Europa bei anderen Finanzstrukturen bedienen. Und das sind dann ETPs, zum Beispiel ein ETN oder ein ETC.

Die DWS hat kürzlich sowohl einen Bitcoin als auch einen Ethereum ETC gestartet. Wie funktionieren diese ETCs im Unterschied zu den Bitcoin ETFs in den USA?

ETCs funktionieren ähnlich wie ETFs. Beispielsweise sind beide Instrumente börsengehandelt und es gibt autorisierte Teilnehmer, die eine entscheidende Rolle für den liquiden Handel am Sekundärmarkt spielen. Beide Produkte werden in Fiatgeld an traditionellen Börsen gehandelt, bei Schaffung und Rücknahme der Anteile werden Kryptowährungen im Primärmarkt versendet. Die ETCs sind entsprechend physisch hinterlegt und die Kryptowährungen befinden sich in Cold-Storage-Lösungen bei professionellen Krypto-Verwahrern, wobei wir extra zwei verschiedene Verwahrer ausgewählt haben, Zodia und Coinbase. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass der ETC im Gegensatz zum ETF eine Schuldverschreibung ist.

Das heißt, es gibt ein theoretisches Emittentenrisiko?

Wir haben die ETC-Plattform so strukturiert, dass das Gegenparteirisiko für Investoren so gering wie möglich ausfällt. Die ETCs werden von einer Schweizer AG ausgegeben, deren einzige Geschäftstätigkeit die Ausgabe der Krypto-ETCs ist. Die AG wurde extra dafür aufgesetzt. Außerdem hat jede ETC-Serie das alleinige Eigentumsrecht an dem zugeordneten Pool an Bitcoin und ist zu jeder Zeit 1:1 hinterlegt. Bei den ETCs handelt es sich entsprechend um besicherte Schuldverschreibungen, welche durch eine Direktinvestition in die zugrundeliegende Kryptowährung besichert sind. Die ETCs sind also nicht synthetisch, sondern physisch hinterlegt mit Bitcoin. Gleichzeitig kann das Produkt mit einer Gebühr von 0,35 Prozent im Jahr auch preislich im Vergleich zu einem Bitcoin-Kauf an Krypto-Börsen attraktiv sein. Die physischen Bitcoin aus dem ETC kann man sich zudem ausliefern lassen.

Welche Rolle wird Bitcoin in zehn Jahren in unserer Welt spielen?

Mein Narrativ für Bitcoin ist ganz klar das digitale Gold. Das physische Gold wird seit Tausenden von Jahren als Wertspeicher genutzt. Und wir haben ein unglaublich tiefes Vertrauen in Gold. Es ist unmöglich für Bitcoin, schon nach etwa 15 Jahren den gleichen Status zu haben. Aber mit jedem Jahr, das diese Assetklasse altert, steigt auch das Vertrauen der Menschen, wobei dieser Prozess vermutlich Jahrzehnte dauern wird. Ich glaube aber, dass Bitcoin über die kommenden zehn Jahre Gold immer ähnlicher werden wird und einen Teil von dessen Sparfunktion übernehmen könnte. Daran glaube ich vor allem deswegen, weil Bitcoin viele Eigenschaften von Gold hat, aber diesem teilweise sogar überlegen ist. Natürlich muss man fairerweise auch einräumen, dass Gold viel weniger volatil ist. Und es wird wohl auch weiter ein holpriger Ritt bleiben. Trotzdem blicke ich mit großer Zuversicht auf die kommenden zehn Jahre.

Vielen Dank für das Gespräch.

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