Seit etwas mehr als einem Monat kann man die Aktien des aufstrebenden Tokenisierungs-FinTechs Securitize an der US-Börse handeln. Doch seitdem ging es für das Wertpapier vor allem in eine Richtung: nach unten, zuletzt auf 7,43 US-Dollar. Und das, obwohl die Zeichen beim Unternehmen aus Miami eigentlich auf Wachstum stehen. Was klafft hier auseinander?
Securitize, die Firma hinter BlackRocks Fonds
Dass Securitize einmal den Sprung aufs New Yorker Parkett wagen würde, war abzusehen. Die Firma von CEO Carlos Domingo baut regulierte Infrastruktur, über die Vermögenswerte dank der Blockchain schneller und einfacher abgebildet werden können. Das Geschäftsmodell erregte schnell Aufsehen in der Finanzwelt, und so dauerte es nicht lange, bis auch Schwergewichte wie BlackRock die Plattform für sich entdeckten und ihren größten tokenisierten Geldmarktfonds namens “BUIDL” gemeinsam lancierten.
Ein paar Lizenzen und Registrierungen später markierte der 2. Juli den bislang wichtigsten Schritt von Securitize: den Börsengang, der dank einer Verschmelzung mit dem Börsenmantel Cantor Equity Partners II abgewickelt wurde. Auf Anhieb schoss die Bewertung des Neuankömmlings auf 1,25 Milliarden US-Dollar.
Ein Blick in die Quartalszahlen
Auch umsatzseitig läuft es gut bei Securitize. Im ersten Quartal 2026 erreichte man einen Umsatz von 19,5 Millionen US-Dollar. Das ist der höchste Wert der noch jungen Firmengeschichte. Das Geschäftsmodell von Securitize steht grundlegend auf zwei Säulen. Zum einen partizipieren sie am Geschäft der Tokenisierung (das Emittieren von Vermögenswerten auf der Blockchain), zum anderen am Asset Servicing, was die Betreuung bestehender Fonds abbildet.
Richtig wachsen konnte in jüngster Vergangenheit jedoch nur Letzteres. Das bisherige Zugpferd, die Tokenisierungserlöse, gingen mit 11,14 Millionen US-Dollar sogar um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Haupttreiber war dementsprechend das Servicing. Das sprang von 2,77 auf 8,34 Millionen US-Dollar und trägt inzwischen erstaunliche 43 Prozent aller Quartalseinnahmen.
Der gesamte Zuwachs stammt damit aus einer einzigen Quelle, während das Emissionsgeschäft seit einem Jahr auf der Stelle tritt. Der Umsatz hängt zunehmend daran, wie viel Geld in den bestehenden Fonds liegt, und immer weniger daran, neue Mandate an Land zu ziehen.
An diesem Punkt wird die Bewertung interessant. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis setzt den Börsenwert ins Verhältnis zum Jahresumsatz. Dieses liegt bei 18,8. Ein Teil des Börsenwerts besteht allerdings schlichtweg aus Bargeld. Bereinigt um die 351,9 Millionen US-Dollar bewertet die Börse das eigentliche Geschäft mit rund 918 Millionen, was dem Dreizehnfachen des Jahresumsatzes entspricht.
Am Geld scheitert es dabei nicht, im Gegenteil. Der Zusammenschluss hat die Finanzen komplett umgekrempelt. Aus Wandelanleihen über 73,8 Millionen US-Dollar wurden Aktien, und 197,4 Millionen US-Dollar kamen frisch von institutionellen Investoren dazu.
Vor der Fusion klaffte in der Bilanz ein Loch von 148,7 Millionen US-Dollar, heute steht dort ein Eigenkapital von 354,8 Millionen. Zinsen muss Securitize seit der Umwandlung so gut wie keine mehr zahlen. Alle Zahlen zum ersten Quartal 2026 findest du im Quartalsbericht von Securitize.
Woher der Druck auf die Aktie kommt
Die naheliegendste Erklärung für den Kursverfall hat mit dem Geschäft nichts zu tun. Er dürfte eher mit den Bedingungen zusammenhängen, unter denen die Firma an die Börse ging. Denn Ende Juli hatte Securitize bei der SEC 151,6 Millionen Aktien für den Weiterverkauf angemeldet, bei 163,2 Millionen ausstehenden. Auf den Markt kommen können sie vorerst nur zum Teil, denn 38,2 Prozent aller Aktien unterliegen einer Haltefrist von 180 Tagen. Diese Frist endet Ende Dezember dieses Jahres. Vorher werden Anteile nur frei, wenn der Kurs über 15 US-Dollar steigt und sich dort hält, wovon die Aktie derzeit noch weit entfernt ist.
Wer heute kauft, weiß also, dass zum Jahresende reichlich neues Angebot in Form von potenziell zu veräußernden Aktien dazukommt. Der Kursrutsch dürfte sich damit weniger durch tatsächliche Verkäufe erklären als durch die Aussicht darauf, dass ab Dezember Early Birds ihre Bestände abstoßen.
Ähnlich sieht es Jeff Dorman, Investmentchef beim Krypto-Investmenthaus Arca. Er sah Anfang Juli gegenüber CoinDesk keinen nennenswerten negativen Auslöser in den Fundamentaldaten. Solche Ausschläge seien nach Fusionen üblich, weil sich die Anlegerschaft komplett austausche.
Eng wird es Ende Dezember, wenn die Haltefristen enden und das Servicing bis dahin nicht mindestens die Hälfte des Umsatzes trägt. Dann trifft zusätzliches Angebot auf ein Geschäft, dessen Erlöse an einem einzigen großen Fonds hängen. Wie weit Securitize gekommen ist, zeigen die Quartalszahlen am 12. August.
