Regulierung SEC-Chef Gary Gensler will DeFi-Dienstleister ins Visier nehmen
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 3 Minuten

US-Dollar sowie eine Bitcoin-, Ethereum- und XRP-Münze liegen vor dem Wappen der SEC.

Quelle: Shutterstock

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Gary Gensler will auch den DeFi-Sektor unter regulatorische Obhut nehmen. Wie er das bewerkstelligen möchte, erklärte der SEC-Chef in einem Interview.

Anfang des Jahres sickerte die Information durch, dass Gary Gensler neuer Chef der Securities and Exchange Commission (SEC) werden soll. Der Krypto-Space zeigte sich davon regelrecht euphorisiert, gilt der 63-Jährige doch als Fachmann für digitale Assets. Das äußerte sich beispielsweise darin, dass er vor seinem SEC-Engagement jahrelang Vorlesungen zum Thema Krypto und Blockchain am MIT hielt. Seit seinem Amtsantritt haben sich die Erwartungen einiger Akteure des Krypto-Space jedoch nicht erfüllen können.


So rollt nach wie vor eine Regulierungswelle über die USA, die zwanghaft versucht, digitale Vermögenswerte in ein regulatorisches Korsett zu zwängen. Gensler steht dabei an vorderster Front und zielt auf Börsen à la Coinbase oder Kraken. Aufgrund zentralisierter Strukturen ist hier die Durchsetzung eines einheitlichen Regelwerks nicht besonders schwer. Es folgten Reporting-Pflichten und weitere KYC/AML-Bestimmungen.

Anders sieht es jedoch mit dezentralen Börsen aus. Hier gibt es keine Meldepflichten und auch Identitätsnachweise werden in der Regel nicht abgefragt – ein Dorn im Auge von Regulatoren. Auch wenn man diese Handelsplätze schwierig bis gar nicht regulieren kann, sieht Gensler trotzdem Möglichkeiten, zumindest Teile des DeFi-Sektors unter die Obhut der SEC zu stellen. Das offenbarte der Chef der Börsenaufsicht in einem Interview mit Bloomberg.

“Lending-Plattformen könnten wie Investmentfonds angesehen werden”

Das Gespräch eröffnete Gensler, der bereits unter der Obama-Administration Vorsitzender der CFTC war, mit einem klaren Statement:


Obwohl ich der Technologie neutral gegenüberstehe und sogar fasziniert bin – immerhin habe ich drei Jahre damit verbracht, sie zu lehren und mich in sie hineinzuversetzen – stehe ich dem Anlegerschutz nicht neutral gegenüber. Wenn jemand das Bedürfnis hat, zu spekulieren, ist das seine Sache. Unsere Aufgabe ist es jedoch, Anleger vor Betrug zu schützen.

Gary Gensler gegenüber Bloomberg

Besorgt zeigte er sich über neue Strömungen in Richtung von Peer-to-Peer-Lending-Plattformen wie beispielsweise BlockFi. Der DeFi-Dienstleister steht in den USA aktuell unter regulatorischem Druck. Behörden stören sich vor allem an dem Angebot, das als “BlockFi Interest Account” (BIA) vermarktet wird. Der Verdacht: der BIA erfüllt die Bedingungen eines Insertionsvertrags und wäre damit ein registrierungspflichtiges Wertpapier. Die Börsenaufsichtsbehörden von drei US-Bundesstaaten haben BlockFi derzeit im Visier.

Wenn Unternehmen mit einem bestimmten Zinssatz für einen Krypto-Vermögenswert werben, könnte das ausreichen, die Darlehen unter die Aufsicht der SEC zu stellen, sagt Gensler. Plattformen, die digitale Vermögenswerte bündeln, könnten als eine Art Investmentfonds angesehen werden, sodass die SEC möglicherweise eine regulatorische Handhabe hätte.

SEC-Chef sieht sich nicht als Krypto-Heiland

Darüber hinaus habe seine Behörde sechs weitere Problemfelder innerhalb des Krypto-Space identifiziert. Darunter auch Stablecoins, die vor allem mit ihrer Eins-zu-Eins-Deckung durch Fiatwährungen überzeugen (sollen). Bei einigen Projekten halten sich jedoch vehement Gerüchte, die diese Sicherheit anzweifeln. Gensler selbst habe die SEC angewiesen, “alle möglichen Ressourcen unserer Behörde zu verwenden”, um diese Fragen klären.

Gary Gensler sieht sich derweilen nicht als Krypto-Heiland, als der er von der Community beschrieben wurde. Nur weil er in der Materie bewandert sei, bedeute das nicht, dass er mit einer von vielen Enthusiasten geforderten unbürokratischen Aufsicht einverstanden sei. Patrick McCarty, ein ehemaliger CFTC-Kollege Genslers, schätzt den 63-Jährigen dennoch als gerechten Charakter ein. Der SEC-Chef werde jedem Akteur innerhalb der Krypto-Industrie eine “faire Anhörung” gewähren, wenngleich er viele Enthusiasten mit seinen Ansichten enttäuschen dürfte.



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