FTX-Prozess hat begonnen Sam Bankman-Fried will Zeugenaussagen verhindern

Prozesstag 1: Noch vor Beginn will Sam Bankman-Fried Zeugenaussagen verhindern. Die Juryauswahl beginnt diese Woche, gefolgt von den Eröffnungsreden in der nächsten Woche.

Dominic Döllel
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Sam Bankman-Fried (SBF)

Beitragsbild: Picture Alliance

| Sam Bankman-Fried (mitte) neben seinen Anwälten Mark Cohen (links außen) und Christian Everdell (rechts außen)

Der heutige 03. Oktober ist nicht nur der Tag der Deutschen Einheit. Sondern auch der Start, für den lange erwarteten Gerichtsprozess um FTX-Gründer Sam Bankman-Fried (SBF). Doch noch vor Beginn wollte der 31-Jährige den Prozess beeinflussen. Denn: Sam Bankman-Frieds Anwälte widersprechen der Forderung der Staatsanwaltschaft nach Zeugenaussagen von Kunden und Investoren. Die Anwälte argumentieren, dass diese Anfragen verfrüht sind und jede Zeugenaussage im Einzelfall betrachtet werden sollte.

Sollte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft stattgeben, wird der Verteidigung das Recht eingeräumt, die Zeugen zu befragen. Zudem wurden weitere Briefe vor Prozessbeginn eingereicht, darunter der Antrag auf Ablehnung einer Fernaussage eines in der Ukraine ansässigen FTX-Kunden. Die Juryauswahl beginnt diese Woche, gefolgt von den Eröffnungsreden in der nächsten Woche. Welche gerichtlichen Entscheidungen bereits im Vorfeld getroffen wurden, lest ihr in dieser ausführlichen Dokumentation.

Mark Cohen, ein Anwalt von Sam Bankman-Fried, am ersten Tag des Betrugsprozess vor dem Bundesgericht in New York City I Quelle: Picture Alliance

Insiderinformationen zu Beziehung zwischen SBF und Alameda-CEO

Im Vorfeld sorgte das Buch mit dem Titel “Going Infinite: The Rise and Fall of a New Tycoon” für viel Wirbel. Veröffentlicht am heutigen 03. Oktober – pünktlich zum Prozessbeginn – porträtiert Autor Michael Lewis den gefallenen Krypto-Milliardär mit der Lockenfrisur. So erklärte Bankman-Fried in einem Memo an die Alameda-CEO Caroline Ellison, dass er Bedenken hinsichtlich ihrer Beziehung hatte. Er betonte die möglichen Nachteile wie PR-Probleme und machte sich Gedanken über Machtverhältnisse.

Andererseits schätzte er Ellisons Qualitäten, fand sie klug und beeindruckend. Doch Ellison wollte mehr aus der Beziehung, während Bankman-Fried zögerte. Die Unsicherheit quälte ihn, er dachte, dass seine eigenen Gefühle und Reaktionen möglicherweise nicht echt seien. Ellison fühlte sich manchmal von ihm versteckt und hatte das Gefühl, dass er sich für sie schämte.

Die Kommunikation zwischen den beiden war schwierig, Ellison wünschte sich mehr Offenheit. Im aktuellen Gerichtsprozess kooperiert die ehemalige Alameda-CEO mit der Staatsanwaltschaft – und hat ausgepackt. Sie hofft, ihr eigenes Strafmaß herabsetzen zu können, ihr drohen Jahrzehnte im Gefängnis.

FTX-Skandal: Millionen-Verlust für institutionelle Investoren

Das Buch über FTX und SBF im Hintergrund erzählt zudem die Verwicklungen von Jump Trading. Gemäß Michael Lewis verlor der Krypto-Marketmaker 206 Millionen US-Dollar im FTX-Skandal. Lewis verweist als Informationsquelle auf private Dokumente, die von der ehemaligen FTX-COO Constance Wang veröffentlicht wurden.

Ebenfalls betroffen vom FTX-Kollaps: Temasek. Der singapurische Staatsfonds hatte 275 Millionen US-Dollar in FTX investiert und alle Investitionen nach der Insolvenz der Krypto-Börse abgeschrieben.

Zu den ersten Geldgebern zählt auch Binance. In einer Finanzierungsrunde im Dezember 2019 investierte das Unternehmen einen zunächst unbekannten Betrag. Das Investment gleicht FTX aus. Binance-CEO Changpeng Zhao bestätigte, kurz vor dem Kollaps knapp 2,1 Milliarden US-Dollar in BUSD und FTT erhalten zu haben. Im März 2020 steigt Sino Global Capital in FTX ein. Die genaue Summe bleibt allerdings unbekannt.

Der aktuelle Verlust für betroffene Privatkunden geht in die Milliarden. An einer optimalen Entschädigung wird schon länger gefeilt. Bereits beschlossen: der Neustart von FTX – allerdings ohne Sam Bankman-Fried als Mastermind.

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