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Hoffnung für Kunden  Was ist noch zu retten? So sieht die Bilanz von FTX aus

Ein Blick in die Bilanz der insolventen Krypto-Börse FTX birgt Hoffnung für Kunden, ihre Gelder zumindest in Teilen zurückzuerlangen.

Johannes Macswayed
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FTX

Beitragsbild: Shutterstock

| Könnten Kunden von FTX ihre Kryptos zurückbekommen?

Die Financial Times hat im Zuge der Insolvenz von FTX – bis dato eine der größten Krypto-Börsen im Sektor – die Bilanz des Unternehmens gesichtet. Das Dokument datiert auf den 10. November und ist angeblich vom EX-CEO Sam Bankman-Fried erstellt worden.

In der Übersicht zu sehen ist eine Aufstellung aller Verbindlichkeiten gegenüber dem angeblichen Vermögen des Unternehmens. Dieses gibt Aufschluss über eine mögliche Auszahlung an Gläubiger, die nach Abschluss des Insolvenzverfahrens zumindest einen Teil ihrer Gelder wiederbekommen könnten. Laut der Krypto-Analyse-Plattform Messari wären sogar 40-50 Prozent der Kundengelder wiederherstellbar.

Das FTX-Vermögen

Kurzum: Etwa acht Milliarden US-Dollar an Kundengeldern soll FTX derzeit noch in ihren Büchern halten. Dem entgegen stehen etwa vier Milliarden an mehr oder minder liquidem Vermögen. Geht man davon aus, dass die Wertpapiere und Kryptos in den FTX-Büchern mit geringfügigem Abschlag (Discount) verkauft werden können, besteht die Hoffnung, dass die Erlöse an Kunden ausgezahlt werden können.

Liquides Vermögen von FTX laut Bilanz | Quelle: Messari.io / Financial Times

Den Großteil des liquiden Vermögens machen Wertpapiere der Handelsplattform RobinHood (zu 50 Prozent abgeschrieben) und US-Dollar aus. Dazu reihen sich Kryptos wie DAI, DOT oder PAXG. Sie alle bilden zusammen 622 Millionen US-Dollar des Gesamtvermögens.

Weiter teilt sich die Bilanz in “weniger liquides Vermögen” und “gänzlich illiquides Vermögen”. Zu ersterem gehören überwiegend Token, die mit Solana (SOL) in Verbindung stehen. FTX galt als eine der größten Unterstützer des Solana-Ökosystems. Das spiegelt sich so auch in der Bilanz des teilliquiden Vermögens wider.

Erschreckend aber: 2,1 Milliarden US-Dollar an Serum-DEX-Token (SRM) werden laut Messari vermutlich komplett abgeschrieben. Damit entfällt bereits die Hälfte der weniger liquiden Assets. Auch die etwa 550 Millionen US-Dollar an FTX-Token (FTT) im Besitz der Börse dürften laut Messari vollständig abgeschrieben werden, da das Unternehmen keine Gewinne mehr verzeichnen dürfte. Lediglich 616 Millionen US-Dollar sind aus diesem Teil der Bilanz daher zu retten.

Weniger liquides Vermögen | Quelle: Messari.io / Financial Times

Im illiquiden Vermögen findet sich das größte Potenzial für eine Wiederherstellung. Unklar ist jedoch, ob diese Investments von FTX-Ventures allein oder in Verbindung mit Alameda Research, der Trading-Firm Sam Bankman Frieds, getätigt wurden. Nach konservativen Schätzungen Messaris könnten in diesem Bereich aber bis zu 2,8 Milliarden US-Dollar gerettet werden.

Fragen wirft an dieser Stelle die Position TRUMPLOSE auf. Angeblich eine sieben Millionen US-Dollar schwere Wette der Firma gegen eine Wiederwahl des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Sie zeugt von den finanziellen Ausschweifungen der Handelsplattform, sollte aber ebenfalls zur Liquidität beitragen.

Verbindlichkeiten

Was bereits klar war: Das größte Problem für FTX sind die knapp neun Milliarden US-Dollar hohen Verbindlichkeiten des Unternehmens. Beim überwiegenden Teil (8,4 Milliarden US-Dollar) handelt es sich um Kundeneinlagen.

Verbindlichkeiten | Quelle: Messari.io / Financial Times

Stimmt die Rechnung Messaris, könnte das gesamte, aus liquidem, weniger liquidem und illiquidem Kapital bestehende Vermögen in Höhe von 4,1 Milliarden US-Dollar immerhin knapp die Hälfte der Verbindlichkeiten abdecken.

Sam Bankman-Fried beteuerte in einer Serie kryptischer Tweets der vergangenen Tage, dass die Kunden der Börse an oberster Stelle stünden. Was sein Wort nach diesem Desaster noch wert ist, wird sich zeigen.

Laut dem Wall-Street-Journal war der Ex-FTX-CEO im Laufe des Wochenendes zumindest damit beschäftigt, neue Geldgeber für das riesige Bilanzloch zu finden. Eigenen Angaben zufolge wolle er so versuchen, die geschädigten Kunden seiner Börse auszuzahlen.

Messari geht indessen von einer priorisierten Auszahlung des bestehenden Vermögens an geschädigte Kunden aus. Sofern es dazu kommt. Denn noch tappt der Sektor bezüglich des Insolvenzverfahrens von FTX zum großen Teil im Dunkeln. Auch ist nicht klar, wie wahrheitsgetreu die veröffentlichte Bilanz der Firma ist oder welche ernüchternden Offenbarungen noch auf Kunden warten. Ein wenig Hoffen kann inmitten der desaströsen Nachrichten der vergangenen Tage jedoch nicht schaden.

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