Während der Bitcoin-Kurs immer größere Aufmerksamkeit auf sich zieht, bleibt eine viel grundlegendere Frage oft im Schatten – was ist Geld eigentlich und warum bestimmt es unseren Alltag so stark? Kinder wachsen heute in einem Umfeld auf, in dem der Euro und andere Fiatwährungen stetig an Kaufkraft verlieren. Auch Erwachsene haben häufig nur ein rudimentäres Verständnis davon, wie Geld wirklich funktioniert. Der Bitcoin-Kinderbuchautor Ed Scotland will Finanzbildung nun dorthin bringen, wo sie bislang fehlt. Warum seine Bücher mehr sind als bloße Geschichten und welche entscheidende Rolle Bitcoin für die nächste Generation spielen könnte, verrät er im Gespräch mit BTC-ECHO.
BTC-ECHO: Ed, du veröffentlicht bald dein zweites Bitcoin-Kinderbuch. Worum genau geht es und was macht das Projekt so besonders?
Das Buch schließt an den ersten Teil an, der “Marlas Bitcoin Abenteuer: Der Fall in den Kaninchenbau” hieß. Da hatte ich versucht, anhand der gängigen Buzz-Wörter im Krypto-Bereich das Thema kindgerecht mit Tiermetaphern zu erklären. Das zweite Abenteuer von Marla stellt nun die Frage “Was ist Geld eigentlich?”, sodass es größtenteils um Geldgeschichte geht. Warum benutzen Menschen überhaupt Geld? Was für Geldformen gab es in der Vergangenheit? Welche Geldformen haben sich bewährt? Was sind die Funktionen und Eigenschaften von Geld?
Dieser zweite Teil ist etwas anspruchsvoller als der erste, weil er textreicher ist und es sich um ein relativ komplexes Thema handelt. Aber es wird so leicht wie möglich runtergebrochen und mein Illustrator konnte vieles sehr schön visualisieren. Zudem ist das Buch deutlich interaktiver, sodass es QR Codes gibt, mit denen die Kinder etwa ein Video anschauen können, wo Affen auf Bali den Touristen Dinge klauen, um dafür Bananen zu bekommen. Und dann gibt es noch ein Spiel namens “Money Wars” dazu, das ist ein Geldquartett, wo 26 verschiedene Geldformen gegeneinander antreten.
Wie bist du denn von Bitcoin ursprünglich zum Schreiben von Kinderbüchern gekommen?
Das war eigentlich ein krasser Zufall, der dadurch zustande kam, dass ich zwei Kinder zu Hause habe, ein kleines Baby und einen Teenager. Wie man so häufig am Esstisch sitzt und begeistert von Bitcoin schwärmt, versucht man auch den Kids das ein bisschen näher zu bringen. Irgendwann habe ich damit angefangen, mir Metaphern zu überlegen und dann versucht, ihnen das anhand der Tierwelt und der Biologie beizubringen. Dabei entdeckte ich dann relativ schnell, dass es erstaunlich viele Analogien zur Tierwelt gibt. Und dann schrieb ich in so einem Wahn innerhalb von drei oder vier Tagen die erste Geschichte auf und habe Illustrator aus dem Bekanntenkreis angesprochen, der sofort begeistert war.
Welche speziellen Herausforderungen gibt es im Vergleich zum Schreiben eines Bitcoin-Buches für Erwachsene?
Es ist deutlich schwerer, weil man sich sehr einfach ausdrücken muss. Und wenn du etwas nicht einfach erklären kannst, dann hast du es oft selbst nicht verstanden. Diese Herausforderung ist auch schön, weil du selbst die Sachen stärker verinnerlichst und auch noch mal darüber nachdenkst, wie das denn genau ist und was dahintersteckt.
Warum sollten sich denn Kinder überhaupt schon mit Bitcoin beschäftigen?
Finanzen werden leider kaum besprochen in der Schule. Und ich glaube, es ist extrem wichtig, dass man sich so früh wie möglich mit Geld und Finanzen allgemein beschäftigt, weshalb der nächste Schritt dann die Workshops sind. Mit meinem Partner habe ich eine Firma gegründet, um das Thema an Schulen zu bringen und den Kindern Finanzbildung näherzubringen. Anhand von Warren Buffen sieht man doch: Je früher du dich damit beschäftigst, umso mehr kannst du durch Zinseszinseffekt einen Vorteil gewinnen.
Unsere ganze Welt dreht sich um Geld, denn es ist ein Mittel, was eigentlich immer und überall gebraucht wird. Aber auch Erwachsene können dir oft kaum eine plausible Antwort auf die Frage geben, was genau Geld eigentlich ist. Und die Schulen sind sehr interessiert, denn ihnen fehlen häufig die Kapazitäten, um das selbst vorzubereiten. Weil diese wichtigen Themen nur am Rande im Lehrplan stehen, freuen sie sich über die externe Unterstützung
Zahlst du als überzeugter Bitcoiner dann auch das Taschengeld in BTC?
Mit meinem Großen handhabe ich das so, dass ich ihn selbst entscheiden lasse. Er kann sozusagen in Bitcoin bezahlt werden und macht das lustigerweise auch immer, wenn er gerade sparen will. Das hat er also schon verinnerlicht, dass Bitcoin ein ziemlich gutes Sparvehikel ist, obwohl das im Bärenmarkt vielleicht noch einmal ein bisschen schwieriger zu erklären ist. Wenn er jetzt aber Geld für alltägliche Dinge benötigt, also Süßigkeiten oder mal mit Freunden essen gehen, dann hat er natürlich auch Euro. Aber er benutzt beides. Wir haben auch ein Lightning-Piggy, das heißt eine Lightning Wallet für Kinder, die ein Freund von mir gebaut hat. Du kannst da regelmäßig Lightning-Transaktionen drauf machen und es funktioniert im Prinzip genau so wie ein Sparbuch.
Wie würdest du einem Skeptiker begegnen, der dir vorwerfen könnte, Kinder einseitig mit Bitcoin-Maximalismus zu indoktrinieren?
Jede Form von Ideologie ist wahrscheinlich gefährlich, wenn du so willst. Aber ich glaube, es geht gar nicht so sehr darum, Bitcoin-Maximalismus zu verbreiten, sondern den Leuten eine Idee vom Geld zu geben. Dass man sich einfach mal mit den Basics beschäftigt: Was ist Geld? Warum nutzen wir Geld? Und warum ist Geld wichtig? Und ob man nun Bitcoin oder andere Kryptowährungen oder Geldformen nutzt, sollte eine individuelle Entscheidung sein, die jeder für sich treffen kann. Wichtig ist aus meiner Sicht nur, dass man sich mit Geld auseinandersetzt und nach vorne schaut.
Wer in diesem Jahr geboren wird, erreicht 2044 das Erwachsenenalter. Welche Rolle könnte Bitcoin dann in unserer Welt spielen?
Es wird meiner Ansicht nach eine ganz entscheidende Rolle spielen, sonst würde ich mich auch nicht so intensiv und begeistert mit diesem Thema beschäftigen. Preisprognosen gebe ich nur sehr ungern ab, aber glaube durchaus, dass Bitcoin von Jahr zu Jahr wachsen und eine immer größere Bedeutung bekommen wird. Das sehen wir auch heute schon anhand der US-Politik und anhand von Staaten, die langsam anfangen, Bitcoin zu akkumulieren.
In 20 Jahren, auch schon in 10 Jahren, wird das alles noch deutlich mehr sein. Vor allem das Thema “Inflationsfreiheit”, könnte ein Grund werden, warum Bitcoin mehr benutzt wird und dann natürlich auch die Neutralität. Es ist kein Geld, das irgendjemand drucken kann und was irgendein zentraler Akteur beeinflussen könnte, sondern es ist ein Geld mit festen Regeln, was einerseits niemandem und andererseits allen gleichzeitig gehört.
Vielen Dank für das Gespräch.
