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Russlands Cyberkrieg Wo Krypto-Hacker angreifen könnten – und wie man sich schützt

Der Cyberkrieg zwischen dem Westen und Russland intensiviert sich. Experten warnen vor den Folgen für den Krypto-Space. Wie groß ist die Gefahr – und wie minimiert man sie?

Giacomo Maihofer
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Beitragsbild: Shutterstock

Die Angst ist groß: Zwischen Russland und dem Westen droht ein Cyberkrieg. Politiker, Experten und Behörden sind alarmiert. Erst letzte Woche warnte US-Präsident Joe Biden vor den Angriffen der russischen Cyber-Armee: “Sie werden kommen.” Die Cybersicherheitsbranche ist in Aufruhr. Es herrsche “so viel Angst wie nie zuvor”, erklärte Experte Jonathan Reiber auf einer Konferenz im März. Auch die Kryptowelt ist ein Schlachtfeld in diesem Cyberkrieg.

Hacks erschüttern seit Jahren den Space. Besonders anfällig sind zentralisierte Krypto-Börsen und Dienstleister von dezentralen Finanzen (DeFi). Allein im Jahr 2021 wurden dort über 12 Milliarden US-Dollar an Kryptowährungen von Hackern gestohlen, schätzt der Datendienstleister Chainalysis. Und heute, am 30. März 2022, machten sich Hacker mit über 600 Millionen US-Dollar aus dem Protokoll des Blockchain-Spiels Axie Infinity davon. Es war der schlimmste Hack aller Zeiten im DeFi-Bereich. Welche Ziele könnten in einem Cyberkrieg zwischen dem Westen und Russland ins Visier der Hacker geraten? Wie groß ist die Gefahr für Kleininvestoren – und wie schützen sie sich am besten?

Bereits kurz nach Beginn der Invasion der Ukraine durch Russland erklärte das Hackerkollektiv Anonymous dem Kreml den Cyberkrieg. Es attackierte russische Staatsmedien wie Russia Today und Russ.ru, legte ihre Webseiten lahm und ließ Antikriegsbotschaften anzeigen. Vor zwei Wochen stahl Anonymous 20 Terabyte an Daten einer deutschen Tochter des russischen Energiekonzerns Rosneft. Die Sorge vor baldigen Vergeltungsschlägen wächst.

Russische Hacker klauen Bitcoin

Denn im Zuge dieser Attacken erklärte eine der berüchtigtsten russischen Hackergruppen ihre “volle Solidarität” mit Moskau. Sie heißt “Conti”. Das FBI zählt über 400 Angriffe allein auf US-Unternehmen, teilweise auf kritische Infrastruktur. Die russischen Hacker von “Conti” klauen mit ausgeklügelten Computerviren, sogenannten Trojanern, auch die Daten von Nutzern – und Bitcoin.

Über 65.000 Stück befinden sich in der Kriegskasse ihrer geleakten Kryptowallet, umgerechnet sind das mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Die Firma Chainalysis verfolgt seit 2014 Hacker und Geldwäscher im Krypto-Space und schätzt: Über 700 Millionen US-Dollar wusch man in Moskau mit diesen gestohlenen Bitcoin bereits in den letzten drei Jahren.

In einem Krieg mit so starken wirtschaftlichen Auswirkungen könnten die Krypto-Börsen und Protokolle von DeFi-Dienstleistern bald zu Honigtöpfen für die Hacker werden, meint Richard Gardner, CEO von Modulus, gegenüber BTC-ECHO. Seine Firma entwickelt seit 1997 Software für Finanzdienstleister wie NASDAQ, darunter auch Sicherheitstools. “Sie brechen dort ein und stehlen, was sie für die Finanzierung des Krieges brauchen.” Nordkoreanische Hacker tun dies bereits einigen Jahren. Auch sie verstärken ihre Aktivitäten nach neuesten Berichten von US-amerikanischen Cybersicherheitsfirmen.

Anonymous könnte demnächst Krypto-Börsen und DeFi-Protokolle ins Visier nehmen, die im Dienste russischer Operationen stehen. Russische Hacker wiederum könnten Krypto-Börsen angreifen, die Krypto-Spenden an die Ukraine weiterleiten, so Gardner. Bisher wurden fast 100 Millionen US-Dollar an Spenden auf diese Weise gesammelt.

Cyberkrieg und die Folgen

Betsy Bevilacqua, Chefin für Cybersicherheit bei Chainalysis, warnt vor möglichen “Kollateralschäden” bei Hackerangriffen auf die Ukraine. “Das ist meine größte Sorge”, sagt sie gegenüber BTC-ECHO. “Wir haben so etwas schon mal 2017 gesehen. Damals attackierten Hacker, die Russland zugerechnet werden, mit einem Trojaner das Finanzsystem der Ukraine. Das Schadprogramm verbreitete sich aber schnell weltweit und richtete einen globalen Schaden von etwa zehn Milliarden US-Dollar an – einer der zerstörerischsten Cyberangriffe der Geschichte.”

Beide Experten sind sich einig: Die Börsen und DeFi-Dienstleister sollten in den kommenden Monaten in hoher Alarmbereitschaft sein. Und auch die Nutzer. “Wenn Sie persönlich in Kryptowährungen involviert sind, sollten Sie lieber eine Hardware Wallet nutzen”, empfiehlt Richard Gardner. Solche Hardware Wallets sind physische Geräte, auf denen Kryptowährungen gespeichert werden, oft USB-Sticks. Sie kosten wenige hundert Euro und sind relativ leicht aufzusetzen.

Der Unterschied zu anderen Aufbewahrungsformen: Hardware Wallets sind nicht dauerhaft mit dem Internet verbunden, deswegen gelten sie als “kalt”. Das garantiert höchstmögliche Sicherheit gegenüber einer klassischen privaten Wallet oder der Aufbewahrung auf Krypto-Börsen und in DeFi-Protokollen. Diese sind anfällig für Hacks und Phishing-Attacken. Einen ausführlichen Test aller Hardware Wallets findet ihr hier.

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