Künstliche Intelligenz im Finanzwesen “Die Bedrohung ist real”

Das Finanzwesen ist laut einer Studie des Bitkom besonders von der Künstlichen Intelligenz betroffen. Und damit auch: hochgradig gefährdet.

Moritz Draht
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Beitragsbild: Shutterstock

| KI-Risiken müssen ernstgenommen werden, meint Fourthline CFO Peter Grausgruber

Keine Arbeitswelt wird stärker von Künstlicher Intelligenz verändert, als das Finanzwesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des deutschen Digitalverbands Bitkom. 62 Prozent der Befragten gaben den Finanzbereich als den Sektor an, in dem sich Berufsbilder am ehesten durch KI-Technologien transformieren. Erst danach: die IT-Branche.

“Jede und jeder sollte sich jetzt schon mit KI vertraut machen und sich entsprechend weiterbilden“ lautet die Empfehlung von Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Denn Fakt ist: KI-Technologien werden nicht nur alltäglicher, Fortschritte – wie zuletzt durch ChatGPT – auch in kürzeren Zeitsprüngen gemacht.

Zur Aufklärung gehören dann auch die Schattenseiten: Fake News, Datenmüll, Plagiate. Schon heute sehen wir die negativen Auswirkungen. Insbesondere neue Betrugsformen in dem Bereich, der laut der Bitkom-Auswertung am stärksten erodiert. Weshalb die Studie auch eine Handlungsaufforderung ist: Das Finanzwesen gehört vor den kommenden Bedrohungen geschützt.

Peter Grausgruber, der Chief Financial Officer beim niederländischen Fintech Fourthline ist und zuvor bei Bitpanda war, teilt diese Einschätzung. “Die Bedrohung ist real”, mahnt er im Gespräch mit BTC-ECHO. Schon heute zeichne sich ab: Betrugsformen werden “systematischer”, davon betroffen ist im Zweifel jeder Einzelne.

Künstliche Intelligenz wird raffinierter

KI-Betrug ist heute schon gang und gäbe. Im Kleinen sind es die auch als “Know your Customer”, kurz KYC, bezeichneten Anmeldeverfahren, die mit gefälschten Bildern und Ausweisen ausgetrickst werden. Bekannt sind Vorfälle bei der Krypto-Plattform OKX. Im Großen können ganze Systeme, Infrastrukturen, Datensätze infiltriert werden. Der mögliche Schaden hierbei ist kaum zu beziffern.

“Algorithmen können sehr gut Profile vortäuschen, Bilder oder auch Dokumente generieren”, meint Grausgruber. Inzwischen ginge das schon in Echtzeit. Die Fälschungskünste der KI seien dabei, so authentisch zu werden, “dass es viele nicht mehr erkennen”.

KI gegen KI

Dafür braucht es wiederum mit Künstlicher Intelligenz trainierte Sicherheitsvorkehrungen. Was verdeutlicht: Mehr und mehr spitzt sich ein Wettlauf der besseren KI-Systeme zu. Grausgruber zeigt sich dennoch optimistisch: “Die Industrie ist nicht dabei, zu verlieren”.

Ein gefälschtes Bild würde nicht mehr reichen, um Registrierungsverfahren zu umgehen. “Unsere Systeme sind so weit entwickelt, dass sie das entdecken”. Bei der “Summe an Checks”, halte er es für unwahrscheinlich, “dass das alles überrollt” wird.

Konkrete Bedrohungen

Fahrlässig dürfe man mit der Bedrohung aber nicht umgehen. Durch die zunehmende Digitalisierung steige auch die Gefahr von Cyberangriffen. Vor dem Hintergrund einer digital ID, die Ausweispapiere in Zukunft ergänzen könnten, steigt auch das Risiko von Identitätsdiebstahl.

“Es wird immer weitergehen, in die nicht-physische, die digitale Ebene, das wird auch der Trend sein für KI-Bedrohungen”, so Grausgruber. Entweder, “dass man versucht, eine ID zu replizieren”, oder Passwörter mithilfe von KI geknackt würden.

Darauf müssen sich Plattformen einstellen: “zusätzliche Datenpunkte, Authentifizierungsmethoden plus bessere AI-Technologien”, rät Grausgruber. Aber auch die Nutzer könnten zur eigenen Sicherheit beitragen. “Der User muss auch darüber nachdenken und sehen, welche Sicherheitsbeschränkungen da eigentlich vorgesehen sind”. Helfen könnten bereits gut gewählte Passwörter.

Auch vor dem Blockchain-Bereich werde der Fortschritt der Künstlichen Intelligenz nicht Halt machen. “Auch dort wird es Weiterentwicklungen brauchen, nicht jede Blockchain wird sicher genug sein und auch dort wird es Evolution brauchen”. Der Schlüssel liege darin, Schutzmechanismen zu kombinieren: “da wird man große Fortschritte machen”, glaubt Grausgruber.

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