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Ungezügelte Inflation  EZB tritt auf die Bremse – Wie reagieren Bitcoin und Co.?

Ist das die lang ersehnte Kehrtwende bei der EZB? Die Notenbank signalisiert ein schrittweises Anheben der Zinsen ab dem dritten Quartal. Gänzlich unbeeindruckt zeigte sich bislang Bitcoin.

Nicola Hahn
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EZB

Beitragsbild: Shutterstock

Mit Spannung wurde am Donnerstag, dem 10. März, dem EZB-Zinsentscheid entgegengefiebert. Im Vorfeld herrschte große Unsicherheit, ob die EZB angesichts des Russland-Ukraine-Krieges den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik wagen würde.

Nun herrscht diesbezüglich etwas mehr Klarheit. Die Notenbank wird den Leitzins bei null belassen, fährt allerdings ihr Anleihekaufprogramm schneller zurück, als ursprünglich vom Markt angenommen. Im Juni 2022 sollen die Ankäufe wieder auf 20 Milliarden Euro reduziert werden und könnten im dritten Quartal sogar ganz beendet werden. Danach sollen die Zinsen in kleinen Schritten angehoben werden, heißt es seitens des EZB-Rats. Angesichts des Ukraine-Krieges wolle man allerdings weiter vorsichtig vorgehen.

Der deutsche Leitindex DAX reagierte verschreckt auf ein mögliches Ende der Aufkaufprogramme. Gewinner der Sitzung waren allerdings deutsche Bundesanleihen. Für zehnjährige Anleihen der Bundesrepublik Deutschland stiegen die Zinsen um 0,1 Prozentpunkte auf 0,3 Prozent.

Die EZB befindet sich in einem Dilemma

Theoretisch ebnet die EZB mit der Entscheidung den Weg in Richtung einer Zinswende. Der Weg dahin ist allerdings enorm steinig, denn der Notenbank-Chefin Christine Lagarde muss es gelingen, auf der einen Seite die hohen Inflationsraten in der Eurozone in Schach zu halten und auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft durch ein zu schnelles Anheben der Zinsen, oder besser gesagt, ein zu schnelles Zurückfahren der Anleihekäufe, nicht in eine Rezession rutscht.

Dies würde wie folgt ablaufen: Steigen die Zinsen, so wird es sowohl für Staaten, als auch für Unternehmen teurer, sich zu (re-)finanzieren. Dies könnte vor allem Staaten in Südeuropa treffen, die sich aufgrund maroder Staatshaushalte geradeso über Wasser halten können. Ein zu schneller Zinsanstieg würde diese Staaten sowie etliche Unternehmen in diesen Staaten in enorme Schieflage bringen. Auch wird von vielen mittlerweile das Wort Stagflation wieder in den Mund genommen. Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr hier.

Wenig überzeugt von ihrer plötzlichen Kehrtwende ist Robert Halver, Managing Director und Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Der Ukraine-Krieg schlägt sich in einer immer gewaltigeren Inflationswelle nieder. Allerdings wird die EZB ihrer originären Aufgabe als Wellenbrecher trotz einer leicht restriktiveren Note überhaupt nicht gerecht. Mit großer Unterstützung der (Finanz-)Politik betreibt sie eindeutig Konjunkturförderung.

Robert Halver gegenüber BTC-ECHO

USA: Verbraucherpreise explodieren

Etwas später dann die Meldung aus den USA. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um satte 7,9 Prozent. Das ist gleichzeitig die stärkste Teuerung seit 1982. Ein starker Preistreiber sind nach wie vor die hohen Energiekosten. Aufgrund der Sanktionen gegenüber Russland dürften die Rohstoff- und Energiepreise weiter auf hohem Niveau bleiben und gegebenenfalls auch noch weiter zulegen. Die anhaltend hohen Inflationsraten setzen auch die US-amerikanische Notenbank zunehmend unter Zugzwang, um ihr Mandat der Preisstabilität gerecht zu werden. In einer Anhörung am 3. März hatte sich Fed-Chef Jerome Powell daher für eine Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte starkgemacht. Eine Anhebung um 0,50 Prozent dürfte allerdings aufgrund der enorm hohen Teuerungsraten noch nicht vom Tisch sein.

Bitcoin-Community in Aufruhr

Während die weltweiten Aktienmärkte nach den Meldungen wieder etwas abgeben, zeigt sich das Edelmetall Gold weiter von seiner starken Seite und notierte nach Veröffentlichung der CPI-Daten rund 0,7 Prozent im Plus. Der Bitcoin-Preis zeigte sich bislang unbeeindruckt. Auch in der Bitcoin Community folgte eine rege Diskussion rund um das Thema Inflation und was dies für den Bitcoin heißen könnte. Im Folgenden ein kleiner Auszug:

Dan Held, Marketing-Direktor bei der Handelsplattform Kraken, wirft in einem Tweet die Frage in den Raum, wie man angesichts solch hoher Inflationsraten immer noch kein Bitcoin besitzen kann.

Cameron Winklevoss reagierte ebenfalls entsetzt auf die Daten des US-Arbeitsministeriums. Provokativ vergleicht er dabei Bitcoin mit einer Art Immunität, die einen vor der Krankheit des Gelddruckens und der daraus resultierenden Inflation schützen kann.

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