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Zahlen, Daten, Fakten Ethereum 2.0: Ist der ETH-Merge schon eingepreist?

Der Merge auf Ethereum 2.0 wird die Ethereum Blockchain fundamental für immer verändern. Insbesondere für den Wert des ETH-Tokens hat das weitreichende Folgen.

Leon Waidmann
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Ethereum

Beitragsbild: Shutterstock

Die erste Phase des Ethereum Merge soll am 6. September beginnen. Mit dem Merge verändert sich die Ethereum Blockchain grundlegend, da der Konsensmechanismus des Netzwerks von Proof of Work auf Proof of Stake umgestellt wird. Mit einem derartig komplexen Upgrade gehen auch einige Risiken einher.

Dennoch scheint die Mehrheit der Krypto-Welt aktuell optimistisch zu sein, was den Erfolg des Upgrades angeht. Für das ETH-Ökosystem hat ein erfolgreicher Merge weitreichende Folgen. Die wichtigsten davon könnt ihr in unserer aktuellen Ausgabe des BTC-ECHO Magazins nachlesen.

Aber nicht nur auf NFTs, DeFi und andere ETH-Sektoren hat der Merge tiefgreifende Auswirkungen. Vor allem auf die oft wenig beachteten Token-Eigenschaften, die sogenannten Tokenomics, des ETH-Tokens hat das Upgrade einen starken Einfluss.

Tokenomics: Die Hintergründe

Tokenomics bezieht sich auf das Verständnis der Eigenschaften einer Kryptowährung in Bezug auf Angebot und Nachfrage und beschäftigt sich deshalb mit folgenden Fragen:

  • Wie viele Token gibt es?
  • Wie viele Token werden in der Zukunft existieren?
  • Werden Token-Rückkäufe durchgeführt?
  • Wie hoch ist die Token-Inflationsrate?
  • Werden Protokolleinnahmen an Token-Inhaber ausgeschüttet?

Alle Antworten auf diese Fragen können sich direkt oder indirekt auf den Wert einer Kryptowährung auswirken.

Da viele Investoren derzeit noch nicht ganz verstanden haben, wie weitreichend die Folgen des Merge für die Tokenomics von Ethereum sind, schauen wir uns diese im Folgenden genauer an.

Ethereum-Inflationsrate fällt nach Merge um ca. 90 Prozent

Die Anzahl neu auf den Markt kommender Ethereum wird durch den Merge stark zurückgehen. Im Krypto-Jargon wird dieses Phänomen “Triple Halving” genannt. Bei Bitcoin beschreibt das Halving ein Ereignis, das etwa alle vier Jahre dafür sorgt, dass die Anzahl neu auf den Markt kommender BTC um ca. 50 Prozent reduziert wird. So sank die Inflationsrate von Bitcoin dank der Halvings im Laufe der Jahre von über 11-12 Prozent im Jahr 2012 auf 1,7-2 Prozent im Jahr 2020. Das nächste Bitcoin-Halving steht im März 2024 an.

In der Vergangenheit hat dieses Ereignis oft zu einem Anstieg des Bitcoin-Kurses geführt, da der BTC-Verkaufsdruck infolge der Reduktion der Inflationsrate deutlich abgenommen hat.

Der Begriff “Triple Halving” versucht also zu verdeutlichen, wie stark sich der Merge auf die Inflationsrate von Ethereum auswirkt.

Derzeit kommen jährlich knapp 5,5 Millionen neue Ether-Token auf den Markt, was einer Inflationsrate von knapp 2,5 Prozent entspricht.

Inflationsrate
Quelle: Ethereum-Inflationsrate, ultrasound.money

Nach dem Merge sinkt die jährliche Anzahl neu auf den Markt kommender ETH-Token auf 0,6 Millionen Token, wodurch Ethereum de facto zu einem deflationären digitalen Vermögenswert wird (siehe oben).

ETH
Quelle: Ethereum-Inflationsrate, ultrasound.money

Da Ethereum seine Miner nach dem Merge nicht mehr für die Validierung von Transaktionen im Netzwerk bezahlen muss, entlässt es quasi seine bestbezahlten Mitarbeiter und tauscht diese gegen neue “Staking Officers” aus, deren Gehalt um einiges niedriger ist.

Man kann argumentieren, dass diese Veränderung auf Kosten einer geringeren Zensurresistenz der Ethereum Blockchain geht – mehr dazu lest ihr hier. In Bezug auf die Inflationsrate ist diese Veränderung jedenfalls enorm und kommt einem dreifachen Bitcoin Halving gleich.

ETH-Staking-Renditen steigen

Derzeit erhalten ETH-Staker eine jährliche Staking-Rendite von rund 4,1 Prozent. Diese Rendite dürfte durch den Merge steigen, da Block-Belohnungen für das Validieren von Transaktionen, die bislang an Ethereum-Miner ausbezahlt wurden, nach dem Upgrade an Staker fließen.

Die Nutzung des Ethereum-Netzwerks kommt der ETH-Staking-Rendite nach dem Merge auf drei verschiedene Arten zugute:

  • Block-Belohnungen, die an Staker für die Sicherung der ETH Blockchain ausgezahlt werden.
  • Trinkgelder, die User zahlen, die ihre Transaktionen priorisiert haben wollen.
  • MEV-Belohnungen, die von Nutzern gezahlt werden, um Transaktionen in einer bestimmten Reihenfolge auszuführen.

Die Krypto-Analysefirma messario.io erwartet daher, dass die Staking-Rendite bei gleichbleibender Aktivität im Ethereum-Netzwerk nach dem Merge auf bis zu 9 Prozent ansteigen könnte.

Entwicklung der aktiven ETH-Adressen

Auch wenn die Anzahl der täglich aktiven Ethereum-Adressen in den letzten Monaten etwas zurückgegangen ist, kann man trotzdem erkennen, dass sie sich seit 2020 in einem stetigen Aufwärtstrend befindet.

Aktive Ethereum Adressen
Quelle: Täglich-Aktive-Ethereum-Adressen, etherscan.io

Unter der Annahme, dass die Aktivität im Ethereum-Netzwerk weiter zunimmt oder gleich bleibt, scheint die Staking-Renditenprognose von messari.io durchaus realistisch.

Fazit

Wahrscheinlich hat ein großer Teil der Anleger noch nicht verstanden, wie stark das Upgrade die Tokenomics von ETH verändern wird. Daten von Google Trends unterstützen diese These. Einerseits ist nämlich das Interesse am Ethereum Merge in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen – was darauf hindeutet, dass immer mehr Menschen verstehen, welche Auswirkungen das Upgrade mit sich bringt.

Ethereum Merge Google Trends
Quelle: “Ethereum Merge”, Google Trends

Andererseits lässt ein Vergleich mit dem Suchinteresse an Bitcoin und Ethereum darauf schließen, dass ein großer Teil der Anleger noch nicht verstanden hat, wie weitreichend die Auswirkungen eines erfolgreichen Merge für ETH sind.

Google Trends
Quelle: “Ethereum Merge vs. Bitcoin vs. Ethereum”, Google Trends

Aus diesen Gründen scheint es unwahrscheinlich, dass der Markt den Ethereum Merge bereits eingepreist hat.

Disclaimer: Die auf dieser Seite dargestellten Inhalte stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie dienen lediglich der Information.

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