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Ethereum 2.0 Gibt Ethereum mit dem Merge die Dezentralität auf?

In der Ethereum Community werden derzeit Stimmen laut, die Ethereums Zensur-Resistenz infrage stellen. Wie realistisch diese Gefahr ist, zeigt sich bei genauerer Betrachtung.

Johannes Macswayed
 |  Lesezeit: 0 Minuten
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Ethereum Münze

Beitragsbild: Shutterstock

| Es ist wohl eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres im Krypto-Space: Der Merge im Ethereum-Netzwerk steht vor der Tür.

Das Verbot des Mixing-Dienstes Tornado Cash durch US-Finanzministerium wirft im Krypto-Kosmos weiter viele Fragen auf. Für manche gilt die Sanktionierung als ein Einschnitt in die Privatsphäre.

In der Ethereum Community ist nun eine weitere Debatte entfacht, in der die Gefahr einer steigenden Zentralisierung der Ethereum-Blockchain in den Mittelpunkt gerückt ist. Ethereums Zensurresistenz wird in der Folge infrage gestellt.

Ethereum 2.0: Zensur auf der Protokoll-Ebene?

Die Furcht, gegen Sanktionen des US-Finanzministeriums zu verstoßen, trieb einige Entwickler und andere Figuren des Krypto-Sektors dazu, jegliche Verbindung zu Tornado Cash zu kappen und sich klar von der Plattform zu distanzieren. Wallets, die mit dem Tornado-Cash Protokoll interagierten, egal mit welcher Absicht, hatten keinen Zugang mehr zu weiten Teilen der Ethereum-Infrastruktur. Stablecoin-Betreiber legten ebenfalls Gelder still und machten auf den großen Einfluss zentralisierter Stablecoin-Unternehmen im Ethereum-Ökosystem aufmerksam.

Kurze Zeit später wurde bekannt, dass Ethermine, der größte Mining-Pool-Betreiber Ethereums, bei der Blockerstellung Tornado-Cash-Transaktionen boykottierte. Damit setzte Ethermine womöglich einen Präzedenzfall für die On-Chain-Zensur auf Ethereum.

Dies geht deutlich über das Verwehren von Zugriff auf das Front-End vieler Krypto-Plattformen hinaus. Es handelt sich um die selektive Ausgrenzung jener Blöcke, die einer staatlichen Verordnung zuwiderlaufen. Man könnte meinen, die Neutralität der Blockchain drohe dadurch unterwandert zu werden, wenn Transaktionen eines gebrandmarkten Protokolls blockiert werden.

Andere Miner prozessieren derzeit noch entsprechende Blöcke. Sie könnten sich angesichts Ethermines Einfluss auf das Netzwerk jedoch bald genötigt sehen, nachzuziehen. Und es zeigt sich, dass sich dieses Problem nicht auf die Proof-of-Work-Version der Ethereum Blockchain beschränken wird.

Zentralisierung auf Ethereum

Die Blockproduktion nach dem Ethereum Merge Mitte September wird nicht mehr von Minern übernommen werden, sondern von Validatoren. Durch das Staken von 32 ETH wird man zum Validator der Transaktionen auf Ethereum. Eine beachtliche Token-Menge, die viele kleinere Investoren nicht haben. Um dennoch zu staken können diese einem Ethereum Staking Pool beitreten. So gibt es insgesamt fast 417.000 Validatoren. Dennoch deuten einige Statistiken auf eine starke Zentralisierung hin.

Quelle: Glassnode

Fast 60 Prozent des gesamten Ethereum Stakes ist auf vier Pools verteilt. Davon sind drei den großen zentralisierten Börsen Binance, Coinbase und Kraken zuzuordnen. Die Gefahr einer 51-Prozent-Attacke, etwa durch Absprache der zentralisierten Betreiber, sei dahingestellt. Auffällig ist der Anteil des Anbieters für liquides Staking “Lido Finance” mit 31 Prozent.

Lido ermöglicht es kleineren Anlegern, ihre ETH in das Protokoll zu geben und damit Renditen zu verdienen. Hier wird es gestakt, ohne dass 32 ETH für die Einrichtung eines Knotenpunkts zur Validierung benötigt werden. Stattdessen delegiert das Protokoll diese Einzahlungen an größere Validatoren weiter, die selbst in der Lage sind, Knotenpunkte zu betreiben und Transaktionen zu bestätigen.

Wichtig ist hierbei, dass die Lido Community per Abstimmung fortlaufend die Knotenpunkt-Betreiber bestimmt. Demnach wäre es möglich, dass für den Ausschluss gewisser Validatoren gestimmt werden könnte. Beispielsweise solche, die gegen kommende Regularien der OFAC oder anderen Behörden verstoßen. Diese Validatoren sähen sich dann vermutlich wie Ethermine gezwungen, gewisse Transaktionen zu blockieren. Andernfalls drohen neben dem Verlust von Einnahmen durch den Ausstoß aus dem Pool sogar strafrechtliche Konsequenzen.

Die hohe Konzentration der Staking-Anteile Ethereums stellt also eine potenzielle Schwachstelle des Systems dar. Im Falle weiterer Sanktionen könnte es zu einer Kettenreaktion des Gruppenzwangs kommen.

Lido im Fokus

Lidos hoher Anteil am ETH Stake ist bedenklich. Platz für Wachstum gibt es aber weiter. Mit der erfolgreichen Implementation von ETH 2.0 ist es denkbar, dass die Nachfrage nach ETH Staking auch unter kleineren Investoren zunehmen wird. Zumal eine Erhöhung der Staking-Zinssätze in Aussicht steht. Lidos Anteil wüchse vielleicht sogar auf mehr als 50 Prozent an. Damit hätte der Staking Pool Entscheidungsmacht über die Entwicklung der Ethereum Blockchain.

Denn mit der Mehrheit der Validatoren wären sie in der Lage, die Blockproduktion zu verweigern oder wie Ethermine Transaktionen bestimmter Plattformen zu zensieren.

Es gilt also vor allem, die zentralisierten Anteile am Ethereum Stake aufzulösen. So beispielsweise über die Einführung von Obergrenzen für einzelne Anbieter. Ein solcher Vorschlag der Selbstregulierung lag bereits in der Lido-Community zur Abstimmung vor. Das ernüchternde Resultat: 99 Prozent der Stimmberechtigten waren gegen eine solche eigens auferlegte Obergrenze.

Ein möglicher Grund: Der Großteil der Lido Governance Token (LDO) und somit des Wahlrechts liegt scheinbar in den Händen großer US-amerikanischer Venture Kapitalgeber.

Quelle: Crunchbase

Diese unterliegen den Regularien der US-Aufsichtsbehörden und müssten sich im Extremfall entweder dazu entschließen, das lukrative Staking-Geschäft aufzugeben oder über ihre Macht im Projekt, dieses dazu nötigen, eine Zensur zu dulden. Vorbei wäre in dem Fall die Unveränderlichkeit und Erlaubnisfreiheit.

Was machen die Ethereum Staker?

Die maßgebenden Stakeholder stellt dieses Szenario vor eine Entscheidung. Erzwingen sie auf Druck der Regulatoren eine Zensur im Netzwerk? Oder geben Sie ihre Staking-Ambitionen auf?

Coinbase-CEO Brian Armstrong sprach sich im Falle einer Zensur durch Behörden bereits für eine Niederlegung seines Staking-Dienstes aus, um die “Integrität des Netzwerks zu bewahren”. So entschlossen die Ansage auch klang: Inmitten dieser Debatte startete Coinbase seinen eigenen ETH Staking Token (cbETH). Das lässt vermuten, dass das Staking-Geschäft weiter ausgebaut werden soll.

Kraken zeigte sich noch deutlich zurückhaltender. Man sei sich “der Bedeutung der Zensur-Resistenz und Erlaubnisfreiheit für Krypto” bewusst. Als einer der führenden ETH-Validatorenen “beobachte man die derzeitige Diskussion sehr genau, sowie die potenziellen Implikationen der Tornado Cash Sanktionen für Validatoren”, teilte ein Sprecher der Börse auf Anfrage mit.

Der Fall Tornado Cash zeigt: Die US-Behörden sehen sich auf Basis der nationalen Sicherheit befugt, eine DeFi-Plattform für illegal zu erklären. Und über zentralisierte Strukturen auf Ethereum kann zur Zensur angesetzt werden. Wo ein Weg ist, könnte also auch ein Wille sein.

Zensur zensieren

Indessen diskutiert die Ethereum-Community über mögliche Lösungen. Gründer Vitalik Buterin bekannte sich zum sogenannten Social Slashing. Hierin werden etwaige Staking-Belohnungen für Zensur-duldende Validatoren vernichtet. Damit würden aber auch Kleinanleger, die ihre ETH über Lido an jene Validatoren delegieren, Geld verlieren. “Das weniger bearishe Szenario”, findet jedenfalls Ethereum Influencer Anthony Sassano.

Außerdem bleibt zu klären, wer das Slashing durchführt und ob eine Gefahr des Missbrauchs existiert. Lässt sich Zensur mit Zensur bekämpfen?

Wahrscheinlich wären dann auch eine oder mehrere Hard Forks. Diese könnten Ethereum in eine Blockchain aus konformen und trotzigen Validatoren teilen. Das zweitgrößte Netzwerk im Krypto-Space würde drohen, zu zerstückeln. Eine neue “Classic” Version, die am Kredo der Unveränderlichkeit festhält und eine, die durch Konformität legitimiert wird.

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