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Wie geht es weiter? Der große DeFi Jahresrückblick 2022 und Erwartungen für 2023

Es ist Zeit, zurückzublicken: Das hat den DeFi-Markt 2022 bewegt und diese Entwicklungen erwarten uns im Jahr 2023.

Leon Waidmann
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DeFi

Beitragsbild: Shutterstock

| Diese Themen haben den DeFi-Space 2022 dominiert.

Das Jahr 2022 war kein einfaches Jahr für Decentralized Finance. Die meisten DeFi-Token verzeichneten drastische Kurseinbrüche und selbst DeFi-Schwergewichte wie Uniswap (UNI), Aave (AAVE) oder Maker (MKR) verloren über 90 Prozent ihrer Marktkapitalisierung.

Darüber hinaus sank das in den Smart Contracts von Decentralized-Finance-Protokollen befindliche Kapital (TVL), um mehr als 140 Milliarden US-Dollar. Ein Rückgang von über 78 Prozent im Vergleich zu Dezember 2021.

DeFi TVL
Total Value Locked (TVL) in DeFi. Quelle: defilama.com

Doch obwohl der TVL fast 75 Prozent seines Höchststands verloren hat, macht DeFi immer noch einen großen Teil des Kapitals in On-Chain-Produkten aus. Im Vergleich zur breiteren Finanzindustrie ist Decentralized Finance jedoch noch wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die am meisten genutzten Produkte sind DEXs und Geldmärkte.

Ebenso wie das gesamte in DeFi Smart Contracts befindliche Kapital, ging auch das Handelsvolumen auf dezentralen Börsen zurück. Im Jahr 2021 erlebten DEXs einen regelrechten Boom. Die Handelsvolumen stiegen derart stark an, dass man, wie die untere Grafik zeigt, kaum noch erkennen kann, wie hoch das Handelsvolumen auf DEXs im Frühjahr 2021 tatsächlich gewesen ist. Die jährliche Durchschnittswachstumsrate des DEX-Volumens von Januar 2020 bis November 2022 betrug 402,4 Prozent.

DeFi DEX-Handelsvolumen
Monatliches Handelsvolumen auf dezentralen Börsen. Quelle: delphidigital.io

Zwar ist das Wachstum im Jahr 2022 stagniert und insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahres eingebrochen, aber dennoch ist bemerkenswert, dass DEXs trotz des Bärenmarkts nach wie vor monatlich Handelsvolumina von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar abwickeln.

Das hat den DeFi-Markt 2022 bewegt

Aus technischer Sicht war das DeFi-Jahr 2022 ein Jahr voller Fortschritte und Erfolge. Die Adoption von DeFi auf Layer-2-Netzwerken wie Arbitrum oder Optimism ist rasant angestiegen. Zudem ist der Ethereum Merge geglückt und der Weg zur weiteren Skalierung der größten Smart-Contract-Plattform des Krypto-Space damit geebnet.

Leider wurden diese bedeutenden technischen Fortschritte im Jahr 2022 von einigen großen negativen Ereignissen überschattet. Die wohl gravierendsten Auswirkungen auf Decentralized Finance hatten der Crash des algorithmischen Stablecoins Terra USD (UST) von Terra (Luna) im Mai und die FTX-Pleite im November.

2022 war auch für DeFi-Investoren eher Tal- als Bergfahrt. Es wurden Milliarden verbrannt, zahlreiche Projekte eingestellt und Millionen von Hackern aus unzureichend sicher programmierten DeFi-Anwendungen erbeutet.

Über fünf Milliarden US-Dollar konnten Hacker im Jahr 2022 aus Decentralized Finance entwendend – ein neuer trauriger Rekord. Der Angriff auf die Ronin Bridge von Axie Infinity im März ging als bislang größter DeFi-Hack in die Geschichte ein. Hacker übernahmen für kurze Zeit die Kontrolle der Mehrheit an Validatoren der Ronin Bridge und konnten dadurch die Abhebung großer Mengen an Krypto-Assets autorisieren und insgesamt knapp 620 Millionen US-Dollar stehlen. Für die öffentliche Wahrnehmung und die Seriosität des DeFi-Space war das ein herber Rückschlag.

Insgesamt hat das Image von Decentralized Finance im Jahr 2022 definitiv gelitten. Trotz des Scheiterns zahlreicher zentralisierter Kryptowährungsunternehmen hat sich der DeFi-Sektor in diesem Jahr nicht als Mainstream-taugliche Alternative zu seinen zentralisierten Pendants etablieren können – woran könnte das gelegen haben?

Das sind die größten Probleme in DeFi

Decentralized Finance steht vor großen Herausforderungen, die es zu überwinden gilt, bevor er als ernsthafte Konkurrenz zu etablierten Finanzdienstleistern gesehen werden kann. Zu den größten Herausforderungen gehören die mangelnde Benutzerfreundlichkeit vieler DeFi-Protokolle, fehlendes Know-how und der weltweite Mangel an klaren regulatorischen Richtlinien.

Zudem basieren gegenwärtig eine Vielzahl an DeFi-Projekten auf nicht nachhaltigen Businessmodellen, wodurch sie früher oder später zum Scheitern verurteilt sind. Schaut man sich beispielsweise die Daten von Tokenterminal.com an, dann sind derzeit die wenigsten DeFi-Projekte profitabel. Außerdem ist der Onboarding-Prozess für neue User immer noch nicht ideal und es bedarf mehr Möglichkeiten, über die User ohne zentrale Krypto-Börsen direkt in den DeFi-Space einsteigen können. Einige positive Entwicklungen in diesem Zusammenhang kommen derzeit von Uniswap und PayPal.

Darüber hinaus konnten Decentralized-Finance-Plattformen im Jahr 2022 noch nicht das gleiche Nutzererlebnis und denselben Designstandard wie traditionelle, zentralisierte Finanzdienstleistungen bieten. Daher sind die meisten DeFi-Protokolle immer noch zu kompliziert, um von der breiten Masse genutzt zu werden.

Wie geht es weiter?

Die Entwicklung von Decentralized Finance wird kein Prozess sein, der in den nächsten Monaten stattfinden wird. Es wird ein mehrjähriger Prozess mühsamer Trial-and-Error-Prozesse sein, die schlussendlich zu mehr Selbstbestimmung über die eigenen Vermögenswerte, einem transparenteren, grenzüberschreitenden Finanzsystem führen könnte, das tatsächlich danach strebt, seinen Usern das bestmögliche zu bieten.

Mehr DeFi-Adoption

Gerade in Sachen Skalierung und Adoption von Decentralized Finance dürfte sich im Jahr 2023 einiges tun. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die zunehmende Adoption von Optimistic-Rollup-Skalierungslösungen wie Optimism oder Arbitrum und Zero-Knowlege-Technologien, wie die von StarkWare oder zkSync, im Jahr 2023 dazu beitragen wird, die Kosten der Interaktion mit Decentralized Finance zu senken und deren Benutzerfreundlichkeit zu verbessern.

Außerdem könnte das FTX-Debakel langfristige Auswirkungen auf das Verhalten von Krypto-Usern haben, die sich zunehmend gegen die Nutzung von zentralen Krypto-Dienstleistern entscheiden und stattdessen auf deren dezentrale Alternativen ausweichen könnten.

Schon jetzt scheint sich nämlich abzuzeichnen, dass die FTX-Katastrophe Auswirkungen auf dezentrale Börsen wie Uniswap, GMX oder dYdX hat. Die dezentralen Börsen konnten infolge der FTX-Pleite Rekordhandelsvolumen verzeichnen und ihre Nutzerzahlen schossen für kurze Zeit durch die Decke.

Klarere Regulierung

Zudem dürfte die Regulierung rund um Decentralized Finance im Jahr 2023 einiges an Fahrt aufnehmen. Einerseits wird in der EU mit MiCA einer der größten, wenn nicht sogar der größte und detaillierteste Rechtsrahmen für Decentralized Finance eingeführt werden. Andererseits sollten wir auch damit rechnen, dass die Gesetze für den Decentralized-Finance-Space in den USA und im Rest der Welt infolge des FTX-Debakels deutlich konkreter werden.

Welche weiteren Trends uns in Decentralized Finance im Jahr 2023 erwarten und welche Projekte dabei im Mittelpunkt stehen könnten, erfahrt ihr in der kommenden Januar-Ausgabe des BTC-ECHO Magazins.

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