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Internet of Blockchains Wie Cosmos das Web 3.0 revolutionieren will

Tausende Blockchains, unendliche Skalierbarkeit: Cosmos ist einer der wichtigsten Akteure in der Web3-Entwicklung. So funktioniert das Krypto-Netzwerk.

Moritz Draht
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Cosmos (ATOM)

Beitragsbild: Shutterstock

Nahm die Blockchain-Evolution ihren Anfang bei Bitcoin und über Smart-Contract-Plattformen wie Ethereum die nächste Entwicklungsstufe, hat mit Projekten wie Cardano, Solana und Avalanche das Zeitalter der dritten DLT-Generation begonnen. Dazu zählt auch Cosmos.

Mit einem Schwerpunkt auf Interoperabilität und Skalierbarkeit soll das Multichain-Ökosystem das Grundgerüst für ein “Internet of Blockchains” legen – und damit nicht weniger als die Saat für die Kernsanierung des Cyberspace. Ein ambitioniertes Ziel, das auch Polkadot mit seinem Parachain-Modell auf ähnliche Weise verfolgt. Beide Projekte verbindet viel, das Rennen um den Web-3.0-Standard scheint sich zwischen den Plattformen zuzuspitzen. Dass sich die Wege von Cosmos und Polkadot kreuzen, muss aber nicht als Nachteil ausgelegt werden. Im Gegenteil.

Cosmos: Web-Verjüngungskur

Die Blockchain-Technologie ist Triebfeder einer Entwicklung, die eine neue Zeitrechnung des Internets einläuten soll – das Web 3.0, die Revolutionierung der von Tech-Konzernen monopolisierten Netzarchitektur. Beschleunigt wird der Erneuerungsprozess durch das Wachstum der Token-Ökonomie. Nur: An Austausch fehlt es. Eine der wichtigsten und zugleich größten Herausforderungen.

Solange Blockchain-Netzwerke isoliert voneinander bleiben, wird die große Web-3.0-Revolution lange auf sich warten lassen. Vor diesem Hintergrund hat das Software-Unternehmen Tendermint 2014 mit der Entwicklung der Cosmos Blockchain begonnen. Datensilos sprengen und dadurch neue Anwendungsmöglichkeiten schaffen: Das ist eine der wesentlichen Funktionen der Cosmos Blockchain. Dass sich der zugehörige Token ATOM unter die 30 größten Kryptowährungen hochgearbeitet hat, deutet das Potenzial der Cross-Chain-Plattform an, die ihre Stärken im Netzwerk-übergreifenden Datenaustausch, einer hohen Skalierbarkeit und benutzerfreundlichen Entwicklung eigener Blockchain-Anwendungen ausspielt.

Fokus auf Interoperabilität

Die Stellschrauben bei Cosmos wurden von Grund auf für den Austausch zwischen Netzwerken justiert. Der gemeinsame Hafen ist der Cosmos Hub – eine Art Basis-Blockchain, die Transaktionen verarbeitet, verschiedene Netzwerke, bei Cosmos heißen sie Zones, miteinander verbindet, absichert und über das Inter-Blockchain-CommunicationProtokoll (IBC) synchronisiert.

Das im März 2021 implementierte IBC-Protokoll bildet eine wichtige Schnittstelle. Es ermöglicht die Kommunikation zwischen Netzwerken, beispielsweise die Übertragung von Token, wodurch die angeschlossenen Blockchains von vornherein auf Cross-Chain-Anwendungen optimiert werden können. Theoretisch ließen sich Tausende Blockchains über den Cosmos Hub miteinander verbinden, was im deutlichen Gegensatz zu Polkadot steht, das zumindest bislang auf 100 Parachains limitiert ist.

Grundsätzlich ist Cosmos für alle Proof-of-Stake-basierten Blockchains offen. Auch die Token-Übertragung zwischen öffentlichen und privaten Blockchains lässt das Protokoll zu. Aber auch PoW-basierte Blockchains wie Bitcoin und (noch) Ethereum lassen sich über sogenannte Peg-Zones an Cosmos anbinden. Das IBC-Protokoll soll sich somit zum Industriestandard für den alles vernetzenden Web-3.0-Aufbau entwickeln.

Token-Funktionen

Die native Kryptowährung ATOM wird für Transaktionen, Governance und als Treibstoff für das Proof-of-Stake-Verfahren verwendet, das Validatoren für die Verarbeitung von Blöcken belohnt und bei Falschverhalten mit Stake-Abzügen bestraft. Blöcke werden mit einer Zweidrittelmehrheit der Validatoren durchgewinkt. Das auch als Byzantine Fault Tolerance (BFT) bekannte Prinzip gilt als besonders angriffssicher und wird in Cosmos durch die Tendermint-Software umgesetzt.

Aktuell sichern 150 Validatoren den Cosmos Hub ab, wobei die Anzahl der Validatoren mit dem Wachstum des Cosmos-Ökosystems auf bis zu 300 steigen soll. Als „Delegator“ können auch kleinere Wallets von den PoS-Renditen profitieren, indem sie Validatoren mit ATOM-Token versorgen. Im Gegensatz zu Polkadot, wo alle verbundenen Blockchains über die Relay Chain abgesichert werden und sich der DOT-Staking-Topf mit dem Wachstum des Ökosystems entsprechend füllt, sichern sich die Zones bei Cosmos als eigenständige Netzwerke über ihre eigenen Token ab – weshalb die Gewinnerwartungen bei ATOM tendenziell geringer ausfallen.

Bis zur Unendlichkeit – und noch viel weiter?

Der Transaktionsdurchsatz einer Blockchain stößt irgendwann unweigerlich an seine Grenzen. Das ist ein Problem. Steigen Nutzeraktivitäten, verstopft der Flaschenhals – und Blockchains werden träge. Transaktionen schieben sich nach hinten, stapeln sich im Mempool, und lassen im Umkehrschluss die Transaktionsgebühren ansteigen.

Zur Problemlösung fährt Cosmos einen zweigleisigen Ansatz: vertikale und horizontale Skalierung. Mit 1.000 bis 4.000 Transaktionen pro Sekunde, je nach Anzahl aktiver Validatoren, gewährleistet das TendermintBFT-Konsensverfahren bereits einen hohen Durchsatz. Erschöpfen sich aber auch diese Kapazitäten, lassen sich Multichain-Netzwerke als horizontale Skalierungslösung bauen, die ein und dieselbe Anwendung auf parallel laufende Chains auslagern. Zumindest theoretisch ist Cosmos dadurch unendlich skalierbar.

Maßgeschneiderte Anwendungen

Ähnlich wie bei Polkadot, das mit seinen Substrates ein Framework für die Entwicklung von Blockchains zur Verfügung stellt, können Entwickler:innen mit vorgefertigten Modulen bei vergleichsweise geringem Aufwand spezifische Blockchain-Anwendungen auf Cosmos bauen. Neben den Basis-Bausteinen lassen sich auch neue, individualisierte Module mit dem SDK-Framework (Software Development Kit) entwickeln, die das Anwendungsspektrum permanent erweitern.

Das Baukastenprinzip ermöglicht die vergleichsweise ressourcenschonende Entwicklung anwendungsspezifischer Blockchains und ist daher einer der Schlüssel beim Aufbau einer in sich greifenden Web-3.0-Ökonomie. Durch die Standardisierung neuer Module lassen sich auch komplexere Anwendungen mit der Zeit einfacher entwickeln.

Pulsierende Netzwerkeffekte

Mit seiner offenen Struktur schafft Cosmos den Rahmen für ein sich immer weiter herausschälendes Blockchain-Ökosystem. 262 Applikationen sind inzwischen im Cosmos Network live, insgesamt 28 Blockchains durch das IBC-Protokoll miteinander verbunden. Zusammen decken sie eine Marktkapitalisierung von über 63 Milliarden US-Dollar ab.

Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Bis Ende 2022 erwartet Tendermint-CEO Peng Zhong rund 200 Blockchains im Cosmos Network. Das übergeordnete Ziel seien Tausende souveräner Blockchains. Bedenkt man, dass jede einzelne die Handlungsmöglichkeiten einer Ethereum Blockchain abdecken kann, lassen sich die Möglichkeiten erst erahnen.

Weitere Entwicklungsschritte

Zudem stehen noch wichtige Upgrades auf der Roadmap, darunter die Gravity Bridge, die Cosmos an die Ethereum Virtual Machine anschließt, Interchain-Accounts für bessere Benutzerfreundlichkeit, Liquidity Pools sowie die Alphaversion der Gravity DEX, einer dezentralen Börse, die mit ihren Cross-Chain Swaps zu einem wichtigen Token-Verteiler innerhalb des Cosmos-Systems wird. Ein wichtiger Baustein ist die für Januar 2023 geplante “Interchain Security“, mit der Sicherheit im Cosmos-Netzwerk erhöht werden soll.

Weitere Entwicklungsschwerpunkte sollen außerdem verstärkt in den Bereichen NFTs und Gaming liegen. Zusätzlich zu anstehenden Integrationen von Layer-2-Skalierungslösungen wie ZK und Optimistic Rollups, die den ohnehin hohen Transaktionsdurchsatz weiter potenzieren, fächert sich somit ein Makrokosmos verschachtelter Anwendungsmöglichkeiten auf. Und je weiter sich das Netzwerk verschachtelt, umso höher fallen auch die Kurserwartungen aus.

Cosmos oder Polkadot?

Gemessen an der wachsenden Bedeutung für die Web-3.0-Entwicklung, dürfte für den ATOM-Token noch Wachstumspotenzial brach liegen. Dabei gilt auch und gerade im Blockchain-Sektor: Erfolg ist ein Marathon, kein Sprint. Auf lange Sicht scheint die Hochleistungs-Blockchain bestens aufgestellt für die Web-3.0-Anforderungen. Was sich unter der Haube verbirgt, hat das Zeug, die Internet-Wende maßgeblich mitzugestalten und die getrennt voneinander laufenden Blockchain-Anwendungen zu verflechten.

Ob Cosmos oder Polkadot, ist eine Frage, die sich hinsichtlich gleicher Ziele zwar aufzwingt, aber nicht unbedingt stellen muss. Vielmehr sollten beide Plattformen, die sich mit unterschiedlichen Akzentuierungen voneinander abheben, als sich ergänzende Teile und Bereicherung für die Gesamtentwicklung des Internet of Blockchains gesehen werden.

Disclaimer: Der Beitrag erschien zuerst in der April-Ausgabe des BTC-ECHO Magazins und wurde entsprechend aktualisiert. Hier gehts zum Magazin-Shop.

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