Die US-Regierung liefert aktuell womöglich ungewollt zwei der stärksten Argumente für das langfristige Krypto-Narrativ. Neben regulatorischen Schritten der SEC und versöhnlichen Tönen aus dem Weißen Haus macht Bitwise-CIO Matt Hougan vor allem den Trump’schen Finanzminister Scott Bessent als Treiber der jüngsten Bitcoin-Rallye aus. In seinem wöchentlichen Memo betont der Experte, dass die staatlichen Eingriffe am Anleihemarkt sowie die zunehmende Politisierung des Finanzsystems gerade “perfekte Bedingungen” für die Krypto-Leitwährung schaffen würden.
Auslöser war die Ankündigung des Finanzministeriums, die periodischen Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen von zwei auf vier Milliarden US-Dollar zu verdoppeln. Zwar erscheine die Summe gemessen an den Billionenschulden gering, der Markt habe die Maßnahme jedoch als Versuch gewertet, die langfristigen Zinsen künstlich zu drücken. Diese Form der Finanzrepression benachteilige Sparer und treibe Investoren in knappe Vermögenswerte wie Gold und Krypto.
Als die Anleiherenditen trotz der Interventionen rasch wieder stiegen, stellte das Ministerium sogar die Nutzung des rund eine Billion US-Dollar schweren Treasury General Account in Aussicht. “Innerhalb von etwa 48 Stunden wandelte sich das Gespräch von einer Liquiditätsoperation über zwei Milliarden Dollar zur Möglichkeit, eine Billion Dollar zur Stützung langer Anleihen einzusetzen”, erklärt der Bitwise-CIO.
Bitcoin als neutrales Geld in einer multipolaren Weltordnung
Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Krypto-Kurse durch die offensive Nutzung des US-Dollar-Systems als geopolitisches Druckmittel. Mit der Ankündigung umfassender Sanktionen gegen Irans Finanzverbindungen und der Androhung, Akteure vom Dollar-System abzuschneiden, setze die US-Regierung ihre Währung explizit als ein Machtmittel ein. Ähnlich wie bei der Einfrierung russischer Devisenreserven im Jahr 2022 könnte dieses Vorgehen neutrale monetäre Netzwerke für internationale Akteure erheblich attraktiver machen.
Bitcoin bleibe in diesem Umfeld das einzige knappe, weltweit transferierbare Vermögensgut, das ohne Abhängigkeit von den Banken- oder Verwahrstrukturen eines einzelnen Staates gehalten werden könne. Zwar diene Gold ebenfalls als hervorragender Wertspeicher, erweise sich bei Transaktionen aber als zu schwerfällig. Das Fazit von Hougan: “Je mehr das globale Finanzsystem zu einem Werkzeug geopolitischer Macht wird, desto wertvoller wird ein neutrales Finanznetzwerk”.
