Nahostkonflikt & Bitcoin: Hamas setzt auf Krypto-Spenden

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

Quelle: Shutterstock

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Im schwelenden Nahostkonflikt setzt der bewaffnete Arm der islamistischen Palästinenser-Organisation Hamas auf Bitcoin-Spenden. Wie neuste Untersuchungen darlegen, nutzen die Terror-Brigaden dabei zudem ausgefeilte Techniken, um die Geldströme in den Gaza-Streifen zu verschleiern. Derweil sollen vor allem iranische Großspender den Geldhahn zudrehen. Krypto-Spenden könnten für die Palästinenser-Organisation damit zumindest kurzfristig Abhilfe schaffen.

Aufgrund ihrer vermeintlichen Anonymität gehören Kryptowährungen nicht nur zum Handwerkszeug herkömmlicher Krimineller. Terroristen sollen ebenfalls immer wieder auf die für Behörden oft undurchsichtigen Finanzspritzen setzen, um ihre extremistischen Zwecke zu verfolgen.

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Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, ruft auch der bewaffnete Arm der Palästinenser-Organisation Hamas, die von den USA und der EU als Terrorgruppe gelisteten Izz el-Deen al-Qassam Brigaden, seit diesem Jahr zu Spenden in Bitcoin auf.

So befindet sich auf der Website der Vereinigung seit Januar eine zweiminütige Anleitung mit dem Titel „Wie kann ich den palästinensischen Widerstand mit Bitcoin unterstützen?“. Diese erklärt Schritt für Schritt, wie die Überwachungsmöglichkeiten des traditionellen Finanzsystems ausgehebelt und Spenden in den Gaza-Streifen verschleiert werden können.

Neuesten Untersuchungen des Analyseunternehmens Elliptic zufolge, sollen die Brigaden dabei nun zudem auf ausgefeilte Techniken der Tarnung setzen: Nachdem die Terroristen lange Zeit einzelne Wallets als Empfangsadresse für Spenden angaben, nutzen sie seit neustem für jede Hilfszahlung separate Krypto-Accounts.

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Dies erschwert die strafrechtliche Verfolgung der illegalen Spenden. Denn während einzelne Konten über Zeit durchaus bestimmten Empfängern zugeordnet und deren Zahlungen eingefroren werden können, stellen laufend neue Accounts die Behörden vor große Herausforderungen. Wohin das Geld fließt, ist für Geheimdienste wie Analyseunternehmen oft kaum feststellbar.

Elliptic: Bitcoin-Spenden derzeit noch Experiment

Bisher konnte die Palästinenser-Organisation damit zumindest kleine Erfolge feiern:

Zwischen dem 26. März und dem 16. April allein sollen die Brigaden 0,6 Bitcoin im Wert von knapp 3.000 Euro von internationalen Spendern erhalten haben. Bisher hat die viermonatige Spendenaktion damit insgesamt rund 6.600 Euro in die Kassen der Terrorgruppe gespült, so die jüngsten Untersuchungen.

Dieses gering anmutende Spendenvolumen gilt es laut Elliptic-Gründer Tom Robinson, jedoch nicht zu vernachlässigen:

Noch befinden sich die [Bitcoin-Spenden] im Experimentierstadium – derzeit probieren [die Brigaden] aus, wie die Spenden funktionieren und wie viel Geld sie sammeln können.

Über die Geldgeber weiß man indes wenig. So steht einzig fest, dass für die Spenden die Dienste großer asiatischer Börsen genutzt wurden.

Iranische Großspender drehen Geldhahn zu – Geld in Gaza wird knapp

Die Hamas kontrolliert seit 2007 den am Mittelmeer gelegenen Gaza-Streifen. Die aus einer politischen Partei und einem bewaffneten Arm bestehende Palästinenser-Organisation betrachtet Israel als besetztes Territorium. Stattdessen will sie im gesamten Gebiet Palästina einen islamischen Staat errichten. In diesem Zuge bekennt sich die Organisation immer wieder zu Selbstmordanschlägen und Raketenbeschüssen auf Israel wie zuletzt Ende März.

Für diesen „islamischen Widerstand“ erhält die Hamas jährlich Millionenspenden – ein Großteil davon aus dem schiitischen Iran, dem selbsterklärten Erzfeind Israels. Zuletzt sollen die Zahlungen aus Teheran jedoch vor allem deshalb zurückgehen, weil die Hamas immer wieder die Einmischung des Irans im Syrienkrieg kritisiert, vermuten Beobachter.

Zudem versiegen die Steuereinnahmen der Organisation, weil der ägyptische Präsident Abdel-Fattah Al-Sisi seit 2013 das illegale Tunnelsystem auf der Grenze nach Ägypten konsequent blockiert. Vorher herrschte hier reger Handel. Der Einbruch des Schmuggels soll ebenfalls maßgeblich zum finanziellen Engpass in Gaza beitragen.

Bewährt sich die Methode auch weiterhin, könnten hier Krypto-Spenden für die Palästinenser-Organisation zumindest kurzfristig Abhilfe schaffen.

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