M&A im Kryptosektor – beginnt bald der große Übernahmepoker?

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Acis in Poker via Shutterstock

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Neben zahlreichen Kooperationen, die jede Woche zwischen Blockchain-Start-ups, Banken, Konzernen und IT-Dienstleistern abgeschlossen werden, nimmt langsam auch das Geschäft mit den Übernahmen Fahrt auf. Handelt es sich hierbei um einzelne Strohfeuer oder um einen generellen Trend, der die Kryptoszene ergreift?

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Besonders ins Blickfeld ist die größte amerikanische Kryptobörse Coinbase gerückt, die sich vor Kurzem gleich drei Finanzdienstleister einverleibt hat. So übernimmt die Kryptobörse Keystone Capital, Venovate Marketplace und Digital Wealth. Coinbase erhält mit der Übernahme der Gesellschaften auch Lizenzen als Broker, Anbieter von alternativen Handelssystemen (Over-The-Counter-Trading) und als Investmentberater. Insbesondere die Berechtigung zum Betreiben von alternativen Handelssystemen erleichtert Coinbase den Aufbau eines Handelsplatzes für Security Token. Ähnlich verhält es sich mit der Meldung, dass die Litecoin Foundation 9,9 Prozent an der WEG Bank AG erworben hat – die Motive dürften ähnlich gelagert sein.

Die Frage nach dem Warum

Die Anreize für die Übernahmen und Anteilskäufe liegen also auf der Hand. Krypto-Start-ups benötigen Lizenzen, um im Finanzsektor mitmischen zu können. Genau diese Lizenzen können regulierte Finanzdienstleister bieten. Durch den zunehmenden regulatorischen Druck werden Krypto-Start-ups immer mehr dazu gedrängt, Infrastrukturen und regulatorische Voraussetzungen zu schaffen, um ihr Geschäft vollumfänglich zu betreiben.

Wer über das nötige Kleingeld verfügt, versucht entsprechend eine Abkürzung zu nehmen, sprich Lizenzen und Infrastrukturen zuzukaufen, anstatt diese mühsam zu beantragen und aufzubauen. Eines muss dabei aber auch klar sein: Nur weil ein Krypto-Start-up einen mit Lizenzen ausgestatteten Finanzdienstleister erwirbt, ist das noch lange kein Freifahrtschein, um anschließend nach Belieben Geschäfte durchzuführen. Die Behörden können auch dann noch ihr Veto einlegen, wenn sie mit den neuen Geschäftsvorhaben nicht einverstanden sind.

Vice Versa im M&A-Geschäft?


Doch wie sieht es im umgekehrten Fall aus – gibt es auch etablierte Finanzdienstleister, die sich an Krypto-Start-ups beteiligen? Im Gegensatz zu Start-ups aus dem Bitcoin-Ökosystem mangelt es traditionellen Finanzdienstleistern oft an innovativen Ideen. Genau hier könnten strategische Zukäufe von Krypto-Start-ups die Überlebensfähigkeit von Finanzdienstleistern sichern. Wer sich nicht weiterentwickelt, wird früher oder später aus dem Markt gedrängt. Dieses Wissen setzt sich auch in der ansonsten eher konservativen Finanzbranche immer weiter durch.

So verwundert es nicht, dass beispielsweise Goldman Sachs an Circle beteiligt ist. Es ist davon auszugehen, dass sich zukünftig auch etablierte Finanzdienstleister Anteile an vielversprechenden Krypto-Unternehmen sichern werden. Anstatt Lizenzen zu erwerben, erwerben Finanzdienstleister damit Innovation, die sie sonst sehr mühselig selbst entwickeln bzw. aufbauen müssten.

Ist das Pokerspiel bereits in vollem Gange?

So sinnvoll das M&A-Geschäft aus strategischer Sicht in beide Richtungen sein mag, befinden wir uns noch am Beginn der Entwicklung. Die Krypto-Ökonomie steckt nach wie vor in den Kinderschuhen und ist oftmals weit davon entfernt, kommerziell erfolgreich zu sein bzw. praktikable Lösungen anzubieten. So ist davon auszugehen, dass nicht nur die Usability der Kryptoprodukte weiter optimiert werden muss, sondern auch die Schnittstellen zu anderen IT-Infrastrukturen. Zudem hält die nach wie vor große Unklarheit in der Regulierung viele Finanzdienstleister davon ab, stärker in die Branche zu investieren.

Je mehr sich die Start-ups im Blockchain- und Kryptobereich weiterentwickeln, desto stärker wird das M&A-Geschäft Fahrt aufnehmen. Schließlich wollen Finanzdienstleister funktionierende Use-Cases zukaufen und keine unprofitablen Ideenwerkstätten, die vielleicht irgendwann einmal Erfolg haben könnten.

Umgekehrt macht es für Krypto-Start-ups oftmals erst dann Sinn, Finanzdienstleister zuzukaufen, wenn sie über das nötige Kleingeld verfügen und ihre Produkte bzw. Dienstleistungen über eine ausreichende Marktreife verfügen, um kommerziell erfolgreich zu sein.

BTC-ECHO


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