Lightning-Network führt Transaktionen zwischen verschiedenen Blockchains durch

Das Lightning-Network, eine der technologischen Meilensteine in der Entwicklung von Blockchains wie Bitcoin oder Litecoin, ist in der letzten Woche zum Zuge gekommen. Im Rahmen eines Testversuchs wurde über das Lightning Network eine Transaktion zwischen den beiden Testnets der Bitcoin- und der Litecoin-Blockchains durchgeführt.



Als eines der Hauptversprechen der SegWit-Aktivierung auf der Bitcoin-Blockchain im August galt die Möglichkeit der Implementierung des Lightning Network, von dem man sich einen Teil der Lösung des immer stärker aufkommenden Skalierungsproblems des Bitcoin-Netzwerkes versprach. Der große technologische Fortschritt, den das Lightning Network bringen sollte, ist es, dass Zahlungen über viele separate Micropayment-Kanäle ausgeführt werden, die es ermöglichen, Buchungen quasi an der Blockchain vorbei vorzunehmen. Stattdessen können zwei Nutzer beliebig viele Transaktionen untereinander vornehmen, ohne dass die Gesamtheit aller Teilnehmer der Blockchain über den Geldfluss informiert wird. Lediglich der Endbetrag ihrer Transaktion wird im Nachhinein in der Blockchain für alle transparent vermerkt.

Schon seit Monaten hatte die Bitcoin-Community bisher jedoch vergeblich auf einen endgültigen Einsatz des Lightning Network und damit auf eine Vollendung des SegWit-Updates gewartet. Inwieweit die anstehende, inzwischen vollständig abgesagte SegWit2x-Aktivierung bei der Verzögerung eine Rolle gespielt hatte, kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Nur eine Woche nach der Absage an SegWit2x hat das Lightning Network nun jedoch erstmals Verwendung in einer blockchainübergreifenden Transaktion gefunden.

Dabei wurde ein sogenannter Atomic Swap durchgeführt, also ein direkter Umtausch einer Kryptowährung in eine andere. Dieser fand off-chain statt, sodass die Transaktion auf keiner der beiden Blockchains festgehalten wird. Im Vergleich zu On-Chain-Lösungen senkt dies Transaktionskosten und -zeit erheblich.

Schauplatz dieses Versuchs waren die beiden Testnets der Blockchains der Kryptowährungen Bitcoin und Litecoin. Dieser Vorgang ist insofern bemerkenswert, als dass es nicht Bitcoin, sondern dessen (vor der Bitcoin-Bitcoin-Cash-Hard-Fork oftmals so betitelter) kleiner Bruder Litecoin war, der die SegWit-Aktivierung und somit auch die Implementierung des Lightning Networks als Erstes durchgeführt hatte – und zwar deutlich vor dem Bitcoin-Netzwerk. Somit hatte das Update für Litecoin quasi als inoffizieller Testlauf für die Bitcoin-Community fungiert.

Inzwischen ist Bitcoin diesen Schritt ebenfalls gegangen, wodurch die nun durchgeführte Transaktion möglich wurde. So wird zukünftig wohl eine größere Interoperabilität zwischen Bitcoin und Altcoins geschaffen werden, in der Kryptowährungen ohne größere Umstände und vor allem ohne Intermediäre wie Krypto-Börsen, untereinander getauscht und wieder zurückgetauscht werden. Wie revolutionär und vor allem massentauglich diese technologische Entwicklung wirklich ist, wird sich bei einer langfristigen Beobachtung der Lightning-Network-Adaption zeigen müssen.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet nebenberuflich als Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Zudem engagiert er sich aktiv für die Krypto-Community – sowohl online als zentraler Ansprechpartner im Slack-Channel von BTC-ECHO als auch offline als Speaker und Interviewer pflegt er stets den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären. Der promovierte Physiker kann auf jahrelange Berufserfahrung als Projektleiter und technologischer Berater zurückgreifen. Philipp begeistert sich dabei seit vielen Jahren nicht nur für die technologische Dimension von Kryptowährungen, sondern auch für die dahinterliegende sozioökonomische Vision.

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