KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse

Quelle: Shutterstock.com

KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse

Die Hongkonger Bitcoin-Börse KuCoin hat 16 Kryptowährungen entfernt. Vier betroffene Unternehmen wurden dazu interviewt. Sie berichten von Anstiftung zum illegalen Wash Trading. Von manipulierten Handelsvolumina, der Unterdrückung von Schwachen und einem neuen kriminellen Geschäftsmodell. 

Das Handelsvolumen eines gegebenen Coins dient vielen Menschen als Indikator für das Schwarm-Interesse am jeweiligen Coin. Je mehr Geld über den Kanal eines Coins fließt, desto größer das Gewinnpotential. Doch das wissen auch die Unternehmen, die für das Zustandekommen der Handelsvolumina verantwortlich sind: die Exchanges. Wie The Block herausgefunden hat, wurde dieses Wissen von der in Hongkong ansässigen Krypto-Börse KuCoin dazu instrumentalisiert, um Unternehmen schwächerer Coins unter Druck zu setzen. Bei vier dieser Unternehmen gilt es als gesichert, dass ihnen von KuCoin empfohlen wurde, sich an Wash Trading zu beteiligen. Auf diese betrügerischen Manipulationen machten wir bereits im Juli und November 2018 aufmerksam. Doch die jüngsten Enthüllungen setzen dem Ganzen die Krone auf.

Wash Trading vs. Market Making

Im traditionellen Finanzmarkt gibt es sogenannte Market Maker, die bestimmte Wertpapiere für einen kurzen Zeitraum kaufen bzw. verkaufen und damit das Risiko dieser Anlagen übernehmen. Diese Dienstleistung hat legalen Status. Wash Trading meint ebenfalls das kurzfristige Kaufen und Verkaufen, jedoch zum Zwecke der Vortäuschung höherer Handelsvolumina. Diese Art des Handels ist illegal. Nachdem im September bereits die Hongkonger Bitcoin-Börse OKex mit Wash Trading für Schlagzeilen gesorgt hat, sind nun im Fall der ebenfalls in Hongkong ansässigen Exchange KuCoin ähnliche Vorwürfe erhoben worden. Die beiden „chinesischen Exchanges operieren unter dem legalen Deckmantel des Market Making, betreiben jedoch im Grunde Wash Trading“, so der Analyst Sylvain Ribes, der für die Entdeckung dieses kriminellen Geschäftsmodell bei OKex einen viel beachteten Artikel publiziert hat.

Der Fall KuCoin

Ende 2018 wurden 16 Coins von den Listen der zu handelnden Coins gestrichen: Sie waren nutzlos, hieß es, KuCoin statuierte ein Exempel, schließlich waren die Handelsvolumina zu gering. An dieser Stelle könnte man es gut sein lassen, Gründe wie fehlende Rentabilität zu nennen. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer. Das geht aus den Enthüllungen von vier der 16 betroffenen Unternehmen hervor. Die betrügerische Masche lässt sich mit folgendem Satz zuspitzen: Entweder zahlen sie Gebühren, um das Handelsvolumen ihres Coins in die Höhe zu treiben, oder ihr Coin wird von unserer Plattform nicht mehr unterstützt.

Ferner wurde uns empfohlen spezielle Unternehmen damit zu beauftragen, uns bei der Erfüllung des Mindesthandelsvolumens zu helfen. Ich war ziemlich entsetzt über das, was ich da lesen musste,



so Talal Tabbaa, Geschäftsführer von Jibrel, eines der 16 betroffenen Unternehmen. Als einer von zwei Partnern für die Zusammenarbeit wurde hftservicesltd.com vorgeschlagen, ein Unternehmen, das sich selbst auf seiner Homepage als Partner von KuCoin vorstellt.

Ich sollte also ins Wash-Trade-Geschäft einsteigen. Da gibt es keinen Zweifel. Wenn es eine Garantie [über das Handelsvolumen] gibt, weiß man, dass irgendetwas faul ist,

so Tabbaa. Er lehnte schließlich ab, die jährlichen 180.000 US-Dollar zu bezahlen. Jibrel, Tabbaas Coin, verschwand daraufhin von KuCoin.

Ähnliche Erfahrungen machte David Koepsell, der CEO von EncrypGen: „Uns wurden Nachrichten geschickt, in denen wir angehalten wurden, unser Handelsvolumen zu erhöhen und gefragt, ob wir nicht Interesse an einem kostenpflichtigen Service für diese Angelegenheit hätten.“ In seinem Fall ging es um 90.000 US-Dollar, auch er lehnte ab und prompt war der Token von KuCoin verschwunden.

Einen Erkenntnisschritt weiter kam Yuri Pimenov, seines Zeichens CTO bei Publica. Pimenov ging auf den Deal ein. Doch nach kurzer Zeit erhöhten sich die vereinbarten Gebühren. Pimenov verweigerte die Zahlung der höheren Gebühren und schon bald darauf gehörte Publica auf KuCoin der Vergangenheit an.

Wie viele Schafe sind schwarz?

Wenn man Handelsvolumina manipuliert, macht man das aus zwei Gründen. Entweder macht man es, um die Gebühren für einen gelisteten Coin einzustreichen – die nichtsahnenden Kunden kaufen dann den entsprechenden Coin, weil sie denken, er wäre interessant. In diesem Fall würden die Gründer des Coins profitieren. Oder man hat den Coin gekauft und will, dass der Preis steigt. In beiden Fällen handelt es sich um Betrug,

so Dave Weisberger, CEO bei Coinroutes.

KuCoin wies die Vorwürfe zurück, sie seien sich „ziemlich sicher“, nie derartige Emails verschickt zu haben.

Sollten die E-Mails tatsächlich von unseren Mitarbeitern stammen, werden wir definitiv etwas dagegen unternehmen,

sagte eine Stimme des Unternehmens.

Meine Vermutung ist, dass das auf jeder Exchange gemacht wird. Das Ausmaß ist in den meisten Fällen gering. Insgesamt scheint das [Wash Trading] das kleinste Problem des Systems zu sein,

meinte Ribes ganz allgemein. Doch der Analyst ist auch schockiert von der Ignoranz manche Anleger: „Ich bin sehr überrascht, wie viele Menschen noch immer an die lächerlichsten Vermögenswerte glauben…Wash Trades interessieren sie nicht…sie machen so lange weiter, bis sie kein Geld mehr haben.“

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Bitcoin-Börse Huobi greift nach dem großen Geld
Unternehmen

Huobi Group, Mutterkonzern der Bitcoin-Börse Huobi, hat während des Weltwirtschaftsforum in Davos die Veröffentlichung einer Broker-Plattform verkündet. Damit hat es das Unternehmen auf das große Geld abgesehen.

Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Buchgeld-Tokenisierung: Neuer Wind im Geldsegment
Unternehmen

Algorand und Monerium arbeiten gemeinsam an der Tokenisierung von Buchgeld. Das gaben die beiden Unternehmen jüngst in einer Pressemitteilung bekannt.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Weitere Korrekturen beim Bitcoin-Kurs?
Kursanalyse

Der Bull Run, der Bitcoin und andere Kryptowährungen erfasst hat, kommt ins Straucheln. Nicht nur, weil die Kurse an eine wichtige Resistance stießen, aktuell macht auch eine sich bildende bearishe Divergenz Sorgen.

Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Das digitale Zentralbankengeld kommt
Regulierung

Spezialisten aus über 40 Ländern nähern sich dem Thema digitales Zentralbankengeld. Zur Entwicklung wurde auf dem Weltwirtschaftsforum jüngst ein Central Bank Digital Currency (CBDC) Toolkit für Entscheidungsträger herausgegeben.

Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Ethereum, Ripple und Iota – Luftholen oder Fehlausbruch?
Kursanalyse

Nach drei bullishen Wochen konsolidieren die Kurse von Ethereum (ETH), Ripple (XRP) und Iota (MIOTA) in dieser Woche. Die Entlastungsrallye pausiert somit vorerst und Retests der Ausbruchsniveaus werden zeitnah über den weiteren Kursverlauf entscheiden. Dabei halten sie sich weiterhin besser als Bitcoin (BTC), dessen Schwäche den Gesamtmarkt aktuell korrigieren lässt.

Bitcoin, KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse
Bitcoin als soziales Konstrukt
Kolumne

In Sachen Transaktionsgeschwindigkeit schlagen Zahlungsnetzwerke wie PayPal oder Visa Bitcoin um Längen. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist BTC das am schnellsten wachsende dezentrale Zahlungsnetzwerk der Welt. Woran liegt das?

Angesagt

So stehen deutsche Banken zur Kryptoverwahrung
Insights

Das Verwahrgeschäft für digitale Assets ist eines der Trendthemen 2020. Während manche FinTechs bereits Lösungen zur Token Custody entwickelt haben, scheint bei vielen Banken noch Misstrauen zu herrschen. Wir wollten es genauer wissen und haben direkt bei den deutschen Finanzinstituten nachgefragt. Wie sich deutsche Banken zum Kryptoverwahrgeschäft positionieren, erläutern wir anhand der ersten Reaktionen, die wir in unserer Banken-Umfrage erhalten haben.

Maduros Kryptowährung Petro wird für halben Preis gehandelt
Regierungen

Die staatliche Kryptowährung Venezuelas, der Petro, scheint nach einigen Startschwierigkeiten nun auch herbe Wertverluste zu verzeichnen. Petros, die einigen Venezolanern per Airdrop zugeschickt wurden, werden deutlich günstiger verkauft als von der Regierung festgesetzt.

ETC Labs unterstützt UNICEF mit einer Million US-Dollar
Blockchain

Ethereum Classic Labs und UNICEF arbeiten zusammen, um blockchainbasierte Lösungen für einige der dringendsten Probleme der Welt voranzutreiben. Durch finanzielle Unterstützung und den Einsatz innovativer Blockchain-Technologie wollen die Partner das Leben der Menschen verbessern.

Bitcoin Cash: Kommt die Mining-Steuer?
Altcoins

Ein Teil der Bitcoin Cash Miner plant die Einführung einer Art Mining-Steuer. Der zugehörige Fonds soll helfen, das Ökosystem stabil zu halten und die Infrastruktur weiterzuentwickeln.

KuCoin: Erpresserische Methoden einer Bitcoin-Börse