Kanadische Stadt erwägt Bitcoin & Co. für die Grundsteuer

Max Halder

von Max Halder

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Max Halder

Max Halder kaufte 2011 seinen ersten Bitcoin. Er studierte Chemie und Pharmakologie an der Universität Regensburg und graduierte 2016 mit einem Master of Science. Seither setzt er sich als Pädagoge und freiberuflicher Dozent in einer Suchtklinik und in Förderzentren für Aufklärung und Bildung ein.

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Auf dem langen und steinigen Weg der Mainstream-Adaption gilt die Akzeptanz von Regierungen als Meilenstein. Eine kanadische Kleinstadt in Ontario diskutiert nun über ein Pilotprojekt zur Bezahlung von Steuergeldern in Kryptowährungen. Die Implikationen eines solchen Projekts dürften für breites Grinsen sorgen.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2019 02:07 Uhr von Andre Winterberg

Bitcoin und andere Kryptowährungen bekamen in Kanada in letzter Zeit schlechte Presse. Schuld daran war das ominöse Verschwinden des Chefs der kanadischen Exchange QuadrigaCX. Der Stadtrat der kanadischen Kleinstadt Innisfil, nahe der US-amerikanischen Grenze, könnte bald für Gegenwind sorgen. Bei einer Stadtratssitzung am 27. März machte der als progressiver Politiker bekannte Jason Reynar den Vorschlag, Bürgern und Unternehmen die Beitragszahlungen für das öffentliche Gemeinwesen sowie die Grundsteuer in Form von Kryptowährungen zu ermöglichen.

Die Kleinstadt Innisfil

Innisfil gilt als innovationsfreudige Stadt. Die beiden Redner, Reynar und sein Kollege Davis Lockie, sehen in der Adaption von Kryptowährungen eine Möglichkeit, den technologischen Vorsprung der Stadt weiter auszubauen. Sie verweisen unter anderem auf günstigere Gebühren gegenüber Kreditkartenzahlungen:

Um die Grundsteuer mit Kreditkarte bezahlen zu können, muss man Gebrauch von einem Zahlungsabwickler machen (dieser heißt Plastiq). Daran geknüpft sind Transaktionsgebühren, die der Eigentümer direkt an diesen Dienstleister bezahlen muss (die Gebühren liegen bei ca. 2,9 Prozent).


Gesetzt den Fall, dass derartige Zahlungen in Kryptowährungen abwickelbar sind, werden zwar immer noch Gebühren anfallen. Doch laut dem Vorschlag Reynars und Lockies würden diese auf 0,5 Prozent fallen. So ist ihrem Entwurf weiter zu entnehmen, dass sie auf Seiten der Stadtverwaltung den Zahlungsabwickler Coinberry Limited beauftragen würden.

Coinberry Limited

Coinberry Limited ist ein kanadisches FinTech-Unternehmen, das unter anderem als Exchange fungiert. Das im Jahr 2017 gegründete Unternehmen ist bei der Finanzbehörde (FINTRAC) registriert, hält sich an das KYC-Prinzip und berücksichtigt Anti-Geldwäscherichtlinien. Die im Zuge der QuadrigaCX-Pleite aufgekommenen Probleme – getrennte Aufbewahrung von Kunden- und Firmenguthaben, Nutzung von Multi-Signature-Wallets etc. – seien bei Coinberry Limited ausgeschlossen. Als eine von zwei Exchanges in Kanada wurde Coinberry Limited von der unabhängigen Unternehmensberatung als glaubwürdig und verlässlich eingestuft. Außerdem prüfe die führende Firma für Cyber Security die Plattform regelmäßig auf Sicherheitslücken.

Damit die Stadt Innisfil nicht gezwungen wird, Kryptowährungen zu besitzen, tausche Coinberry Limited die eingegangenen Zahlungen direkt in die Landeswährung um und schreibe den entsprechenden Betrag der Stadt gut,

so die beiden Sprecher. Kursschwankungen würden bei Bestätigungsverzögerungen auf der Blockchain selbstverständlich berücksichtigt werden. So bezahlt der Beitragspflichtige im Falle kurzfristiger Preisschwankungen die Differenz nach bzw. bekommt diese gutgeschrieben. Indes sei es der Stadt überlassen, zu entscheiden, ob der Besitz von Kryptowährungen vielleicht in Zukunft eine sinnvolle Option darstellen könnte.

Freiheit für Bürger und Unternehmen

Auf Seiten der Interessenten an diesem neuen Zahlungssystem besteht die Wahl, sich bei Coinberry Limited anzumelden oder aber eine bereits vorhandene Wallet zu verwenden. Bisher sei die kostengünstigste Zahlungsvariante von Beiträgen für das Gemeinwesen der Bankeinzug. Diesen nutzen laut Bericht 22 Prozent der Beitragspflichtigen. Reynar und Davis raten der Stadtverwaltung zu einem einjährigen Pilotprojekt mit anschließender Evaluierung. Danach könne man darüber sprechen, ob die Zahlungen in Kryptowährungen auch in Zukunft weiterhin möglich sein sollen.

Fazit

Während der Sitzung hieß es, dass Innisfil „eine von wenigen“ Städten sei, die sich diese Neuerung nun überlegen. Jason Reynar ist jedenfalls ein viel beachteter Mann, der mit diesem Vorstoß einen durchdachten Entwurf vorgelegt hat, der zur Nachahmung ermutigt. Auf dem Weg zur Mainstream-Adaption wäre das ein wegweisender Ritterschlag.


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