Eric Romba von lindenpartners im Interview zu STOs, der Rolle der BaFin und Kunst auf der Blockchain
BaFin, Eric Romba von lindenpartners im Interview zu STOs, der Rolle der BaFin und Kunst auf der Blockchain

Quelle: Eric Romba, Credits by Peter Venus

Eric Romba von lindenpartners im Interview zu STOs, der Rolle der BaFin und Kunst auf der Blockchain

Eric Romba ist Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei lindenpartners und betreut Mandanten aus der Krypto-Ökonomie. Große Aufmerksamkeit erhielt der erste von der BaFin lizenzierte STO vom Berliner Bitcoin Start-up Bitbond, das von lindenpartners begleitet wurde. Wie die Chancen stehen, dass es in 2019 weitere STOs in Deutschland geben wird, wann es staatliche Security-Token-Börsen gibt und warum es sinnvoll ist, auch Kunstwerke über die Blockchain zu handeln, hat uns Eric Romba im persönlichen Interview verraten.

BTC-ECHO: Viele Akteure in der Krypto-Szene, insbesondere Krypto-Start-ups, die Finanzdienstleistungen anbieten möchten, sind nicht gut auf die BaFin zu sprechen. Teilst du deren Ansicht, dass sich die BaFin zu restriktiv verhält?

Eric Romba: lindenpartners hat unter zwei Gesichtspunkten sehr gute Erfahrungen mit der BaFin [Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht] gemacht. Einerseits hinsichtlich ihrer Offenheit, andererseits hinsichtlich ihres Wissens über den Markt. Die BaFin hat immer versucht, geltendes Recht auf neue Technologie anzuwenden.

Die BaFin ist nicht per se strikter als das deutsche Recht, aber sie muss gleichzeitig sicherstellen, dass das Recht eingehalten wird. Man kann natürlich darüber lamentieren, dass es anderswo vermeintlich leichter ist [eine Lizenz für Krypto-Projekte wie STOs zu bekommen]. Aber ein sicherer Rechtsrahmen hat eben auch viele Vorteile. Wir merken das beispielsweise an Gesprächen mit Investoren. Denn Projekte aus Malta oder Gibraltar werden ganz anders wahrgenommen als deutsche Projekte. Sollten es letztere zu einer Genehmigung [in Deutschland] gebracht haben, kann man auch davon ausgehen, dass die Qualität stimmt.


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Übrigens: Viele Regularien sind auf europäischer Ebene getroffen worden. Das heißt, dass jedes Land diese Regelungen einheitlich anwenden muss.

BTC-ECHO: In diesem Kontext hört man öfter von der ESMA [Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde], die auf europäischer Ebene für die Finanzaufsicht zuständig ist. Wie stark siehst du hier die europäische Behörde in der Handlungspflicht und wie stark kann sie überhaupt Einfluss auf die EU-weite Krypto-Regulierung nehmen?

Eric Romba: Die ESMA hat innerhalb der europäischen Aufseher eine wichtige Rolle, weil sie die unterschiedlichen Haltungen der EU-Mitgliedsländer sammelt und koordiniert. Im ESMA-Report zum Thema Krypto wurden die unterschiedlichen Erfahrungen ja auch bereits gesammelt. Zudem hat die ESMA eine beratende Rolle für die EU-Kommission. So kann die ESMA beispielsweise Impulse für Rechtsakte geben.

Am Ende steht immer der Gedanke eines einheitlichen Europas – auch in diesem Sinne hat die ESMA eine Hub-Funktion, um die unterschiedlichen Auffassungen der nationalen Aufseher zum Ausgleich zu bringen. Insofern ist die Rolle der ESMA nicht zu unterschätzen, allerdings ist sie im Gegensatz zu den nationalen Aufsehern auch kein Exekutiv-Board. Die Verwaltungsentscheidungen verbleiben nach wie vor beim nationalen Aufseher.

BTC-ECHO: Wie schätzt du die Chancen ein, dass Bitbond nicht der einzige deutsche und von der BaFin lizenzierte STO in 2019 bleibt?

Eric Romba: 100 Prozent. Allein vor dem Hintergrund, dass wir bereits an anderen Projekten arbeiten und guter Dinge sind, dass wir diese gemeinsam mit der BaFin in einen Wertpapierprospekt führen werden.

BTC-ECHO: Und deine Einschätzung: über zehn oder unter zehn in 2019 [von der BaFin genehmigte STOs]?

Eric Romba: In diesem Jahr über zehn. Derzeit liegen noch zwei weitere [STO-Anträge] bei der BaFin. Wir selbst haben noch fünf weitere Projekte in der Pipeline, die in unterschiedlichen Reifegraden sind. Natürlich zieht das erste genehmigte Projekt auch immer eine Art Nachahmungseffekt nach sich. Es gibt mittlerweile einige andere Anwaltskanzleien, die sich dem Thema STO widmen.

BTC-ECHO: Bitbond verfügte bereits vor der STO-Antragsstellung über eine BaFin-Lizenz. Wie sehr hat das bei dem Genehmigungsprozess geholfen?

Eric Romba: Grundsätzlich ist die Verwaltung unabhängig. Es hat sicherlich eine Rolle gespielt, dass Bitbond bei der BaFin bekannt war vor dem Hintergrund, dass es sogenannte Aufsichtsgespräche gibt – die Kontrolle also laufend erfolgt. Zudem kannte man das Unternehmen und das Geschäftsmodell. Gleichzeitig muss man sehen, dass für die Aufsicht eine andere Abteilung zuständig ist als für die Billigung von Wertpapieren. Man wird da zwar intern sicher Informationen ausgetauscht haben; aber letztendlich ist der eingereichte Prospekt zu billigen.

BTC-ECHO: Werden wir in den nächsten ein bis drei Jahren auch viele traditionelle Mittelständler, die überhaupt nichts mit der Blockchain zu tun haben, sehen, die STOs als Finanzierungsform nutzen werden?

Eric Romba: Auch hier wieder 100 Prozent. Wir bauen gerade Prototypen, die das Prinzip der Tokenisierung von Werten über die Blockchain vornehmen und dann digital vertreiben. Das passiert zum Beispiel im Bereich von Sachwerten oder alternativen Energien. Das werden wir noch in diesem Jahr auch für mittelständige Unternehmen sehen.

Denn solche Unternehmen sind bereits reguliert und verfügen über ein funktionierendes Geschäftsmodell. Die neuen technischen Möglichkeiten sehen sie natürlich auch. Man fragt sich nun, wie man die nutzen kann. Ein Beispiel, wieso es für mittelständige Unternehmen Sinn ergibt, sich mit der Blockchain-Technologie auseinanderzusetzen, ist unter anderem das Erschließen einer neuen, krypto-affinen Anlegerschaft.

BTC-ECHO: Nun gibt es keine staatlich regulierten Security Token Exchanges. Wie lange wird es noch dauern, bis beispielsweise eine Börse Stuttgart den Security Token Handel anbietet?

Eric Romba: Wir nehmen wahr, dass sich verschiedene Marktakteure diesem Thema widmen. Für einen klassischen MTF [Multilateral Trading Facility, zu Deutsch: Multilateraler Handelsplatz, also eine Börse im klassischen Sinne] ist sicherlich die Börse Stuttgart der Hoffnungsträger. Die sind ja bereits sehr früh mit einem solchen Vorhaben an die Öffentlichkeit gegangen. Da die Börse Stuttgart als sehr technologiegetrieben gilt, würde ein MTF für Krypto-Assets aus unserer Wahrnehmung sehr gut in ihr Profil passen.

So gesehen gibt es schon eine Erwartung, dass wir noch in diesem Jahr einen Handelsplatz sehen, der den Handel mit STOs ermöglicht. Gleichzeitig muss man sagen, dass bestimmte Probleme wie das Reporting noch nicht gelöst sind. Das klassische Reporting, das derzeit gesetzlich gilt, ist nicht für Token gemacht. Man muss im Prinzip festlegen, dass für Token die gleichen Regeln wie für Wertpapiere gelten. Aber das wird gelingen.

BTC-ECHO: Bezüglich KYC [Know Your Customer]: Wenn ich das richtig verstehe, ist jeder, der ein STO durchführt, verpflichtet, KYC durchzuführen. Da Token aber besonders einfach ausgetauscht werden können, ist letztlich doch keine Kontrolle gegeben, wer Besitzer der Security Token ist?

Eric Romba: Heutzutage kann jeder mithilfe von Scheingesellschaften Aktien an regulierten Märkten kaufen. Das ist also kein Phänomen, das es nur in der Token-Ökonomie gibt. Des Weiteren greift grundsätzlich immer noch das Privileg der Eigenimmission. Nach dem herrschenden Geldwäschegesetz bin ich nicht verpflichtet, KYC zu machen.

Allerdings gibt es dann immer noch die strafrechtliche Komponente. Nach § 261 StGB [Geldwäsche; Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte] gibt es ein Risikopotenzial, dass man [als STO-Emittent] leichtfertig Geldwäsche ermöglicht und sich somit strafbar macht. Deswegen ist es empfehlenswert, KYC und AML [Anti Money Laundering] durchzuführen.

Ab 2020 sind übrigens auch Wallet Provider und Exchanges verpflichtet, AML-Richtlinien einzuhalten.

BTC-ECHO: Mal eine etwas andere Frage. Du selbst bist leidenschaftlicher Kunstsammler und stellst auch einige Werke öffentlich aus. Wird der Handel mit Kunst in Zukunft ebenfalls via Token abgebildet bzw. dessen Eigentumsübertragung?

Eric Romba: Man kann die Frage nach der Tokenisierung von Sachwerten wie Kunstgegenstände aus zwei Perspektiven betrachten: Zum einen gibt es die physische Kunst, also den „fühlbaren Gegenstand“. Dafür kann ich mir Anwendungsfälle für die Blockchain-Technologie vorstellen. Zum Beispiel kann man mithilfe der Blockchain verifizieren, ob es sich um einen Originalgegenstand handelt oder nicht.

Der andere Anwendungsfall ist das sogenannte fractional ownership. Das heißt, man erwirbt einen Anteil an einem physischen Gegenstand mithilfe eines Tokens. Bei der Liquidierung erhalten die Token Holder dann anteilig Gewinn.

Dann gäbe es da noch Anwendungsfälle bei digitaler Kunst wie Videoarbeiten. Replizierbare Arbeiten könnte man auch mit Token ausstatten und damit übertragbar machen. Für die Dauer der Ausstellung hinterlegt man beispielsweise Token und erwirbt somit das Recht, die Arbeit über einen bestimmen Zeitraum zeigen zu dürfen. So könnte man auch Kunst auf dezentralen Speichermedien verfügbar machen.

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