EZB-Bericht: Bitcoin & Co. könnten Finanzstabilität gefährden

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Quelle: Shutterstock

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Die Europäische Zentralbank EZB warnt in ihrem jüngsten Bericht, dass Kryptowährungen die Stabilität des Finanzsektors künftig gefährden könnten. Unter anderem sei derzeit nicht klar, wie viele Banken in Krypto-Anlagen investieren und in welchem Maß das traditionelle Wirtschafts- und Finanzwesen mit den Kursen digitaler Währungen verbunden sei. Entsprechende Informationslücken gelte es auszuräumen.

Für viele Finanzanalysten sind die Märkte von Bitcoin & Co. ein Mysterium. Wer wie viele Coins besitzt, wohin sie fließen und welche Triebfedern die Kurse emporschnellen oder absacken lassen, darüber kann oft nur gemutmaßt werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die gemeinsame Währungsbehörde der Eurozone, sieht diese Informationslücke kritisch. In ihrem jüngsten Bericht beleuchtet sie an diesem Mittwoch, dem 7. August, sowohl Risiken von Krypto-Anlagen als auch deren mögliche Handhabe. Dabei kommt die Zentralbank zu dem Schluss, dass es derzeit an verlässlichen, umfassenden Daten zum Krypto-Sektor mangele.

Damit sei nicht abzuschätzen inwiefern, der traditionelle Finanzsektor mit dem Krypto-Geschäft verflochten sei, wie viele Fonds, Firmen und Banken bereits in Bitcoin, Ether oder andere Währungen investiert haben und so von einem möglichen Crash der Währungen betroffen sein könnten. Zudem sei derzeit nicht klar, wie hoch das ausgegebene Kreditvolumen gegenüber Investoren sei.


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So heißt es in dem Bericht:

Es besteht eine große Datenlücke in Bezug auf die Verflechtungen mit der Realwirtschaft und dem Finanzsektor, [dies betrifft] die Krypto-Aktiva von Banken oder Finanzunternehmen sowie Informationen über die Kreditvergabe für Krypto-Investitionen.

Dabei, geben die Autoren zu bedenken, befinde sich entsprechende Banken-Regulierung mit Blick auf Risikopositionen derzeit noch im Vakuum. An Vorschriften und Standards, wie viel ihrer Bilanzsummen Geldhäuser in Kryptowährungen investieren dürfen, mangele es.

Risiko wächst mit der Verbreitung von Kryptowährungen 

In dieser Unsicherheit sehen die Währungshüter für künftige „Extremsituationen“ potentielle Gefahren für die Finanzstabilität des Euroraums, sollten Kryptowährungen breitere Anwendung finden.

Gemessen am Grad derer Verknüpfungen könnten Krypto-Anlagen für das Finanzsystem Risiken bedeuten. Spillover-Effekte könnten sich auf die Realwirtschaft übertragen. Krypto-Anlagen könnten dann insbesondere […] die Funktionsweise des Zahlungsverkehrs sowie bestehende Marktinfrastruktur beeinträchtigen und zudem Konsequenzen für die Geldpolitik mit sich bringen,

scheint sich der Bericht entschieden vom bisherigen EZB-Mantra abzuwenden, das Kryptowährungen bisher als geldpolitisch weitestgehend irrelevant abgetan hatte.

Trotzdem müssten Regierungen „Extremszenarien“ in unmittelbarer Zukunft noch nicht fürchten. Denn einerseits fielen die Investitionen vonseiten der Banken derzeit überschaubar aus. Anderseits fänden Kryptowährungen aufgrund ihrer hohen Wertschwankungen nur geringe Anwendung im Massenmarkt.

Stable Coins hingegen, wie sie dieser Tage immer wieder im Zentrum der öffentlichen Debatte stehen, könnten dies ändern. So sind sich die Autoren sicher, dass sich diese künftig als wertstabiles Bezahlmedium nützlich zeigen könnten. Dies wiederum könnte die Attraktivität von Kryptowährungen steigern.

EZB will Datenlücken schließen

Zunächst gelte es vonseiten der Zentralbanken nun, entsprechende Informationslücken sowohl mit Blick auf On-Chain- als auch Off-Chain-Daten auszuräumen, um so das gesamte Ausmaß des Krypto-Sektors zu erfassen.

Derzeit sei ein solches Monitoring von Transaktionen jedoch aufgrund unterschiedlicher Datenstandards verschiedener Börsenbetreiber und Statistikunternehmen extrem erschwert. Zudem müssten sich die prüfende Lupe der Behörden an stetig neue Entwicklungen anpassen und so am Puls der Zeit bleiben.

Während internationale Institutionen wie das Irving Fisher Committee (IFC) für Zentralbankstatistik statistische Erhebungen mit Blick auf die Krypto-Märkte bereits vorantreibe, müsse auch die EZB an ihrer Analyse feilen, um künftige Risiken zeitnah abfedern zu können.

Finanzrisiko Bitcoin: Der Teufel steckt in der Bankbilanz

Spätestens mit der weltweiten Finanzkrise, die unter anderem durch überschuldete Banken und die Verbreitung fauler Wertpapiere ausgelöst worden war, beobachten Regulatoren und Finanzbehörden die Bilanzen von Geldhäusern mit Argusaugen. Risikofaktoren für eine kommende Krise will man tunlichst ausschließen.

Davor, dass dabei künftig auch Kryptowährungen als Anlageklasse eine wichtige Rolle spielen könnten, warnt nicht nur die EZB. Auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) sowie der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht sehen hier die Notwendigkeit eines entsprechenden Monitorings sowie einschlägiger Vorschriften.


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