DAO: Ready? Steady? Go?

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DAO: Ready? Steady? Go?

Wie ist der aktuelle Stand der DAO? Vom nötigen Sprung in die Realität und kompromissbeladenen Umsetzungen: Ein Kommentar zur Dezentralen Autonomen Organisation von Markus Büch.

2019 wurde als das „Year of the DAO“ ausgerufen. DAOStack, Aragon oder Colony stehen stellvertretend für den Beginn des Post-The-DAO-Zeitalters. Sogar einer der The-DAO-Entwickler hatte sich Anfang dieses Jahres und erstmals seit 2016 öffentlich zu den damaligen Geschehnissen geäußert und seine Sicht der Dinge dargestellt.  Sicher überwiegt seit der durch die von The DAO verursachten Hard Fork der Ethereum Blockchain die Vorsicht. Zumal diese – zugegebenermaßen schwerwiegende – Entscheidung noch heute von Bitcoin-Maximalisten als Beleg für das Fehlen einer authentischen Dezentralität des Ethereum-Projekts angesehen wird.

Der Sprung in die Realität

Doch vor lauter wiederbelebtem Enthusiasmus bleibt die Idee scheinbar in diesem Stadium stecken. Während Uber mit 8,1 Milliarden US-Dollar zumindest einen der größten Börsengänge der letzten Jahre absolviert hat und mit dem vereinnahmten Kapital auf uneinholbare Weise eine der größten Mobilitätsdienstleistungsplattformen der Welt aufbauen wird, wagt sich aus dem Blockchain-Universum noch keine DAO in die Realität. Die großen DAO-Projekte sind selbst nur Plattformen, die anderen Gründern die Errichtung einer DAO ermöglichen wollen. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, jedoch wird damit das Risiko des Scheiterns von der Plattform weg auf die Initiatoren verlagert.

Bei TheDAO war dies noch anders. Und nicht nur, dass diese Anbieter um einen begrenzten Kreis der Interessenten konkurrieren, daneben geht von diesen auch kein öffentlich wahrnehmbarer Impuls aus, den nächsten evolutiven Schritt zu gehen. Das Konzept der DAO wird nur dann etwas nachhaltig verändern können, wenn es die Komfortzone des Ideenstadiums verlässt. Nur dann besteht überhaupt die Möglichkeit, dass sich das Dezentralisationskonzept der gesamten Gesellschaft und der Wirtschaft öffnen kann.

Indes: Die analoge Welt muss überhaupt erst einmal Notiz davon nehmen (können). Es nützt der Idee recht wenig, wenn jene nur den Akteuren aus der Blockchain-Community bekannt ist. Zumal der Anteil von auf das „Hodln“ fokussierter selbsternannter „Krypto-Investoren“ auch größer sein dürfte als derjenige der DAO-Enthusiasten. Ebenfalls suboptimal ist, dass es kein allgemeingültiges Verständnis von der DAO gibt. Daneben gilt es, belastbare Geschäftsmodelle für dezentrale Unternehmensstrukturen zu finden. Es sei denn, die DAO soll ein netzwerkbasiertes Instrument zur gemeinschaftlichen Budgetverwaltung eines Crowdfundings bleiben. Dies kann nicht der Anspruch sein. Dafür ist die Idee zu schade.

Die Rechtslage rund um DAOs

Schon gar nicht sollte man mit Blick auf die zweifellos unsichere Rechtslage auf den nationalen oder europäischen Gesetzgeber warten. Dieser weiß nicht, was er regulieren oder etablieren soll. Er wird zudem, ohne dass ein Bedarf angemeldet wird, nichts unternehmen. Die Initiative muss aus dem DAO-Raum, der Gesellschaft oder Wirtschaft selbst kommen. Nur dann bewegt sich etwas. Das Recht oder Gesetz folgen zumeist den gesellschaftlichen und unternehmerischen Inventionen und Ideen. Dies zeigt der Blick in die Geschichte. Die Aktiengesellschaft gab es weit vor einem Aktiengesetz und vor einem staatlichen Handelsregistersystem. Sie ist ein Kind der Kaufleute und wurde von ihnen für ihre eigenen Bedürfnisse entwickelt.

Der Gesetzgeber erkannte irgendwann die Notwendigkeit für eine gesetzliche Grundlage und schuf entsprechende Gesetze. Dieser Weg sollte beschritten werden. Zwar findet sich auf Malta mit dem Innovative Technology Arrangements and Services Act eine Art gesetzlicher Rahmen für DAOs. Allerdings erfasst dieser nicht die Organisationsstruktur und damit das eigentliche Potential der DAO, sondern bezieht sich lediglich auf die technische Basis. Dies wundert freilich nicht, denn die DAO wird überwiegend von der blockchaininteressierten Wissenschaft gern am Rande mit besprochen und dann als rein codebasierte Struktur missverstanden.

Law enables Code

Auch der infantile Ruf nach „Code is law“ muss im DAO-Kontext mehr und mehr verhallen. So ist das Recht nicht nur die Grundlage für ein freies Programmieren – Law enables Code! – sowie das Fundament für die privatautonome Gestaltung der Rechtsverhältnisse, sondern es wird sich kein Gründer oder Beteiligter einer DAO freiwillig in einen rechtsfreien Raum begeben und einem Computerprogramm unterwerfen. Gerade Gesellschaft und Wirtschaft brauchen Rechtssicherheit und keine missverstandene Krypto-Anarchie. Daher muss sich die DAO-Szene mit den heutigen rechtlichen Möglichkeiten einer Umsetzung beschäftigen und sollte diese dann auch umsetzen.

Im Zweifel wird dies vom „Trial-and-Error“-Prinzip begleitet werden. Aber der Stein muss ins Rollen kommen, denn Schneebälle rollen genug in der „Kryptowährungswelt“. Es bringt dem Konzept daher wenig, wenn Woche um Woche neue Möglichkeiten für Abstimmungsprozesse und Vorschlagbewertungssysteme gesucht, gefunden und dann doch nur auf einer weiteren Konferenz präsentiert werden. Die Initiative für das Aufstellen von Bitcoin-Automaten macht es im Grunde vor. Im Bewusstsein des großen Risikos, dass die deutsche Finanzmarktaufsicht mehr als nur ein Exempel statuiert, stellt man kurzerhand einen Bitcoin-Automaten auf. Doch so viel Risiko muss man für eine reale DAO nicht eingehen.

Kompromissbeladene Umsetzungen

Geeignete Rechtsformen für die Realisierung gibt es durchaus. Beispielsweise die kleine Genossenschaft liechtensteinischen Rechts (Liechtenstein Venture Cooperative), die Europäische Genossenschaft (Societas Cooperativa Europaea) oder – unter bestimmen Voraussetzungen – auch der deutsche nichteingetragene (n. e. V.) oder der wirtschaftliche Verein (w. V.). Mit einer spezifischen Kombination mit dem Perpetuierungsvehikel Stiftung, das der Blockchain-Welt zwischenzeitlich mehr als gut bekannt ist, lassen sich DAO-artige und vor allem voll digitalisierbare Plattformstrukturen für demokratisches Unternehmertum – sogar technologieneutral – etablieren. Natürlich fehlt eine Rechtsform, welche die Idee eins-zu-eins abbildet. Daher sind heutige Umsetzungen freilich kompromissbeladen.

Selbstredend sind die aktuellen Rechtsformmodelle im Kern zentralistisch. Aber dies hat rechtshistorische Gründe und ist nicht in Stein gemeißelt. Es fehlt nur der Beweis, dass es anders geht. Auch wird auf dem Beginn der Reise die Philosophie der Blockchain darunter leiden. Doch im Grunde ist das DLT-Universum bereits in die Lager der Traditionalisten und der Funktionalisten geteilt. Über kurz oder lang wird jene Spaltung der Fortentwicklung allerdings mehr Vor- als Nachteile bringen.

Wenn Inhalt über Form siegt

Im Übrigen gibt es Unternehmen, die – ohne jeden Bezug zur Blockchain-Technologie – das DAO-Gen in sich tragen. Beispielsweise ist der in Dresden ansässige Neonworx w. V. (neonworx.de) ein wirtschaftlicher Verein, der für die Kultur- und Kreativwirtschaft einen Coworking Space zur Verfügung stellt und dadurch nachhaltig kreative Arbeitsmöglichkeiten fördert. Die hierfür notwendigen Räumlichkeiten werden allein vom Verein angemietet und ausschließlich an die Mitglieder ohne wirkliche Marge weitervermietet. Freilich steht hier eine Organisation im Zentrum, aber mit Blick auf die Wirkungen wurde eine reale Plattform geschaffen, die wiederum auf einem demokratischen Grundkonzept basiert und das Gemeinwohl lokal nachhaltig fördert. Im Ergebnis hat der Inhalt über die Form gesiegt. Und darum geht es (doch auch): um das Erschaffen einer neutralen Plattform für nachhaltiges Wirtschaften jenseits des Shareholder-Value-Ansatzes.

Daher: DAO! Ready! Steady! Go!

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