Empört euch (nicht)! Coinbase verbietet politische Diskussion – Twitter-Chef Dorsey reagiert prompt

Brigitte Bernhardt

von Brigitte Bernhardt

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Brigitte Bernhardt

Brigitte Bernhardt hat Architektur studiert, PR und Redaktion gelernt und arbeitet als Fachautorin für verschiedene Medien. In die Kryptowelt ist sie 2017 eingetaucht und war vom ersten Moment fasziniert – von der Technik, von der Idee, den Menschen die Kontrolle über das eigene Geld zu geben und von den Möglichkeiten, die Kryptowährungen und Blockchain für unsere Welt bedeuten.

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Die Themen Blockchain, Bitcoin und andere Kryptowährungen sorgen regelmäßig für Gesprächsstoff, nicht nur in der Krypto-Szene. Schließlich tun sich durch die revolutionäre Idee eines zentralbankunabhängigen Geldsystems auch gesellschaftliche Fragen auf. Doch wieviel kritische Auseinandersetzung hält eines der führenden Krypto-Unternehmen intern aus?

Dass es für die rasanten Entwicklungen im Krypto-Space eine offene und kritische Geisteshaltung braucht, liegt auf der Hand. Ebenso ist der Blick über den Tellerrand förderlich, um auf globale Herausforderungen zu reagieren und innovative Projekte voranzubringen.

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Allerdings könnte genau diese Offenheit für vielfältige Themen dazu führen, das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. So sieht es jedenfalls Coinbase-CEO Brian Armstrong. Daher hat er in einem Blogbeitrag vom 27. September 2020 klargestellt, was die Mission des Unternehmens ist und welches Verhalten er von seinen Mitarbeitern erwartet.

Coinbase ist nicht nur eine der weltweit größten Börsen für Kryptowährungen, sondern sieht sich auch in der Verantwortung als Global Player. So ist die Mission des Unternehmens nach eigenem Bekunden keine geringere, als ein offenes Finanzsystem für alle zu schaffen. Jeder Mensch auf der Welt soll die Möglichkeit haben, mit Kryptowährungen wirtschaftliche Freiheit zu erlangen.

Coinbase: Unternehmensziele gehen vor

Um große Veränderungen wie diese zu erreichen, bedürfe es einer Gruppe kluger, talentierter Menschen, die bereit seien, sich ein Jahrzehnt oder länger auf ein schwieriges Problem konzentrieren. So begründet Armstrong seine Entscheidung und verweist dabei auch auf Unternehmen, die ihre Ziele nicht erreichen, weil eben dieser Fokus fehle. Wenn sich Mitarbeiter von diverse Themen ablenken lassen, fehlen diese Zeit und Energie dem Unternehmen. Stattdessen könne Coinbase sogar einen größeren Unterschied in der Welt machen, wenn sich das Unternehmen explizit auf seine Produkte und Kunden konzentriert:

Ich möchte, dass Coinbase sich auf die Erreichung seiner Mission konzentriert, weil ich glaube, dass wir auf diese Weise den größten Einfluss auf die Welt haben können.

Wie diese Konzentration auf das Wesentliche aussieht, beschreibt der CEO ebenfalls in seinem Statement. So möchte er, dass seine Mitarbeiter Abstand nehmen von politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Gleiches gilt für Aktivitäten, die nichts mit den Kernzielen der Firma zu tun haben. Auch werde man sich bei Coinbase nur minimal an gemeinnützigen Projekten beteiligen. Schließlich arbeite das Unternehmen gewinnorientiert. Nicht zuletzt kann ein profitableres Unternehmen einen noch größeren Unterschied in der Welt machen.

Profit vs. Streitkultur?

Führungskräfte aus der Kryptoszene, Unternehmer und Investoren reagierten unterschiedlich auf Armstrongs Statement. Eine deutliche Kritiker kam von Jack Dorsey, CEO von Twitter. Er meldete sich in einem Tweet am 30. September zu Wort:

Bitcoin (auch bekannt als „Krypto“) ist direkter Aktivismus gegen ein Finanzsystem, das nicht überprüfbar ist, das ausschließt und das so viele Bereiche unserer Gesellschaft negativ beeinflusst. Es ist wichtig, die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme, mit denen eure Kunden täglich konfrontiert sind, *zumindest* anzuerkennen und in diesem Kontext zu sehen.

Dagegen sehen andere Armstrongs Vorstoß durchaus positiv. Diverse „Twitteratis“ attestieren dem CEO geradezu richtungsweisendes unternehmerisches Denken. Sie werten sein Statement als mutige Entscheidung und als klugen Schachzug.

Etwas differenzierter sieht Jennifer King von Startup Recruiting Bootcamp das Ganze:

Coinbase kündigt ein Verbot für Mitarbeiter an, sich an politischen Diskussionen zu beteiligen. Ok, die Herausforderung, in diesem Klima politische Themen am Arbeitsplatz zu regulieren, ist real. Aber sie zu verbieten ist nicht die Lösung. So funktionieren die Menschen einfach nicht.

Demgegenüber glaubt Armstrong zu wissen, dass seine Leute durchaus so arbeiten wollen. Hierzu erklärt der Coinbase-Chef in seinem Blogbeitrag, dass gerade vor dem Hintergrund der sehr heterogenen Zusammensetzung seiner Belegschaft politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen außen vor bleiben sollten:

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„Ich glaube, die meisten Mitarbeiter möchten bei der Arbeit respektiert werden, ein einladendes Umfeld haben, in dem sie einen Beitrag leisten können, und Wachstumschancen haben. Sie wollen, dass der Arbeitsplatz ein Zufluchtsort vor der Spaltung ist, die in der Welt zunehmend präsent ist.“

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