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Coinbase akquiriert umstrittenen Blockchain Tracker Neutrino

Quelle: Shutterstock

Coinbase akquiriert umstrittenen Blockchain Tracker Neutrino

Coinbase gab am 19. Februar bekannt, das Unternehmen Neutrino gekauft zu haben. Neutrino spezialisiert sich auf das Analysieren von Blockchains und dem Tracking digitaler Assets. Doch die Akquise hat einen unangenehmen Beigeschmack.

Damit Bitcoin sich im Mainstream etablieren kann, braucht es in den Augen von Coinbase vor allem eines: Legitimität. Das heißt, der Ruf des „anonymen Hackergeldes“ muss weichen und einem seriösen Image Platz machen. Immerhin ist Bitcoin tatsächlich nicht anonym. Damit ist die Möglichkeit gegeben, die Transaktionen auf der Blockchain zu verfolgen und so die kleinen Zweifel an der Legitimität der Kryptowährungen zu lassen.

Neutrino hilft Blockchains zu überwachen

Der jüngste Kauf von Coinbase, das Unternehmen Neutrino, geht in eben diese Richtung. Mit Neutrino erwirbt Coinbase die Fähigkeit, Assets auf mehreren Blockchains zu überwachen. Neutrino wirbt auf ihrer Website mit einem breiten Katalog an Diensten. So können sie gestohlene Gelder tracken, Darknet Markets analysieren, ICOs und Smart Contracts im Auge behalten und all das selbstverständlich in Echtzeit.

In Kombination mit dem Know-Your-Customer-Prozess (KYC), den Coinbase im Rahmen der US-amerikanischen KYC/AML-Auflage fordert, lassen sich reale Identitäten Transaktionen zuordnen. Somit ist Coinbase in der Lage, die verschiedenen Blockchains weitläufig zu analysieren und die Geldflüsse nachzuvollziehen. Auf der einen Seite betrifft dies Geldflüsse, die vor dem Kontakt mit Coinbase geschehen. Auf der anderen Seite solche Transaktionen, die nach dem Abheben von Coinbase passieren.

Die Schattenseite der Überwachung

Für Coinbase ist diese Analyse-Fähigkeit wichtig, um dem Regulator zu versichern, dass sie keine illegalen Aktivitäten unterstützen. Nicht zuletzt lässt sich durch die Blockchain-Technologie sogar mehr garantieren als im traditionellen Finanzsystem. Während der Kunde einer Bank sein Guthaben in Bargeld abheben kann und dann relativ anonym Transaktionen tätigen kann, sind alle Bitcoin-Transaktionen digital und öffentlich festgehalten. Mit anderen Worten hat Coinbase sogar einen Compliance-Vorteil gegenüber den herkömmlichen Banken.

Nach eigenen Angaben behält sich Coinbase das Recht vor, Accounts einzufrieren, wenn diese gegen das User Agreement verstoßen. Coinbase hat mithilfe der Blockchain-Analyse die Möglichkeit, auch noch vier bis fünf Transaktionen nach einer Abhebung (oder vor einer Einzahlung) das Geld zu verfolgen. Sollte das Geld mit illegalen Aktivitäten assoziiert werden, selbst wenn es sich nicht mehr in den Händen des Kunden befindet, kann Coinbase das Konto sperren.

In der Folge „Controlling Bitcoin?“ des Let’s-Talk-Bitcoin-Podcasts diskutiert Andreas Antonopoulos die Gefahren, die solch eine Zensur mit sich bringt. Vor allem in Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen könnte man Bitcoin politisch kontrollieren, auch wenn dies rein technisch nicht möglich ist.

Neutrino und HackingTeam: Eine fragwürdige Vergangenheit

Zudem geriet auch das Team hinter Neutrino in die Kontroverse. So sind sowohl der CEO, der CTO als auch der CRO Neutrinos langjährige Mitarbeiter des HackingTeam.

Reporters Without Borders (RSF) zählte HackingTeam 2013 zu einem der fünf „Corporate Enemies of the Internet“. Das nicht ohne Grund: Die Überwachungssoftware von Hacking Tool fand ihren Weg nämlich auch zu autoritären Regimen wie Saudi-Arabien und Äthiopien, die damit Journalisten überwachten und verhafteten. Des Weiteren zeigte ein Hack von HackingTeam im Jahr 2015 auch, dass einige Institutionen der Vereinigten Staaten,wie das FBI, die DEA und das Verteidigungsministeriums auf der Kundenliste von HackingTeam standen.

In Antwort auf die Nachfrage von Breakermag distanziert sich Coinbase von der zwielichtigen Vergangenheit der Neutrino-Führung. Dabei betont das Unternehmen die Rolle der Privatsphäre der Kunden und die „Risikominimierung“ der Geldflüsse von Kryptowährungen.

Wer sich tatsächlich um seine Privatsphäre sorgt, sollte diese Aufgabe wahrscheinlich nicht einer dritten Partei überlassen, sondern das Ruder selbst in die Hand nehmen. Das Lightning-Netzwerk auf Bitcoin, wie die Wasabi- und Samourai-Wallet bieten ein gesundes Maß an Anonymität. Für den Rest gibt es Monero.

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