Bitcoins Skalierungsdebatte: Ein letztes Wort von Satoshi Nakamoto?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Quelle: UK, London - April 08, 2015: famous rosetta stone in the British Museum

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Die Debatte zwischen Bitcoin und Bitcoin Cash liegt in der Skalierungsdebatte begründet. Der Ansatz von Bitcoin Cash, größere Blöcke zu verwenden, wird dabei von Roger Ver als „Satoshis Vision“ gefeiert. Eine angebliche Mail von Satoshi Nakamoto von 2015 steht dem Anspruch jedoch im Weg. 

Trotz der Probleme, die es seit einiger Zeit mit gefälschten Twitter-Profilen gibt, ist Twitter das soziale Netzwerk mit den interessantesten und leidenschaftlichsten Debatten der Kryptoszene. Seien es ausführliche Antworten auf Bitcoin-kritische Schriften, tiefgreifende Analysen des Kryptomarktes oder leidenschaftliche Debatten – vieles von dem, was sich später in Artikeln niederschlägt, findet seinen Anfang auf Twitter.


Die Debatten werden dabei am meisten zwischen Anhängern von Bitcoin und Anhängern von Bitcoin Cash ausgetragen. Ausgangspunkt dieser Diskussionen ist die Skalierungsdebatte, die Frage, wie man mit dem Bitcoin-Protokoll möglichst viele Transaktionen verarbeiten kann. Bitcoin Cash ist eine Hard Fork von Bitcoin, die die Skalierungsdebatte mit größeren Blöcken beantworten möchte. Bitcoin selbst hingegen bleibt bei Blöcken mit der Größe von einem MB, setzt aber auf die Off-Chain-Lösung Lightning Network. BTC-ECHO hat über diese Debatte verschiedene Artikel geschrieben.

What would Satoshi do – Auf der Suche nach der urprünglichen Vision des Bitcoin-Erfinders

Roger Ver, der bekannteste Vertreter von Bitcoin Cash, betont dabei, dass die großen Blöcke die von Satoshi präferierte Lösung wären. Es vergeht kaum ein Tag, an dem der ehemals als „Bitcoin Jesus“ bekannte Unternehmer nicht betont, dass Bitcoin Cash die Vision Satoshis wäre. Vertreter dieser These stützen sich unter anderem auf einen Post von Satoshi Nakamoto aus dem Jahr 2010 auf Bitcointalk.

Schon zuvor wurde dieser Anspruch von Anhängern Bitcoins in Frage gestellt. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf eine Mail vom ehemaligen Bitcoin-Developer Mike Hearn aus dem Jahr 2013. In einem darin enthaltenen Zitat beschreibt Satoshi Nakamoto eine Idee, die Jahre später als Lightning Network bekannt wurde.

Nun wurde die Debatte von Vertretern des Bitcoin-Umfelds erneut angeheizt. Seit dem 26. Juni 2018 wird ein Eintrag in der bitcoin-dev-Mailinglist vom 15. August 2015 auf Twitter diskutiert und weitergeleitet. Dieser Eintrag, unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ mit der E-Mail-Adresse [email protected] geschrieben, soll zeigen, dass der Erfinder von Bitcoin der Vergrößerung der Blockgröße extrem skeptisch gegenüber stand. Hier eine Übersetzung:

Ich habe die aktuelle Debatte über die Blockgröße in der Mailingliste verfolgt. Ich habe gehofft, dass sich die Debatte auflöst und dass ein Fork-Vorschlag weitestgehenden Konsens erzeugt. Mit dem formellen Release von Bitcoin XT 0.11A sieht das allerdings sehr unwahrscheinlich aus. Ich bin also dazu gezwungen, meine Bedenken über diese sehr gefährliche Fork zu äußern. Die Entwickler dieses Möchtegern-Bitcoins geben vor, der Originalversion von Bitcoin zu folgen. Aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Als ich Bitcoin entwickelt habe, habe ich ihn so entworfen, dass zukünftige Änderungen ohne einstimmige Übereinkunft schwierig ist.

Bitcoin wurde so entworfen, dass es vor dem Einfluss charismatischer Führer geschützt ist – ganz egal, ob sie Gavin Andresen, Barack Obama oder Satoshi Nakamoto heißen. So gut wie jeder muss einer Änderung zustimmen und das ohne gezwungen oder unter Druck gesetzt zu werden. Indem sie diese Fork auf den Weg bringen, verletzen die Entwickler die „originale Vision“, die sie vorgeben zu ehren.

Sie verwenden meine alten Schriftstücke, um zu behaupten, was Bitcoin ursprünglich hätte gewesen sein sollen. Ich weiß jedoch, dass sich seitdem eine Menge geändert hat und neues Wissen hinzukam, das einigen meiner früheren Ansichten widerspricht. Zum Beispiel habe ich nicht mit Pool-Mining und dessen Effekte auf das Netzwerk gerechnet. Bitcoin zu einem kompetitiven monetären System zu machen und gleichzeitig seine Sicherheitsaspekte zu wahren, ist keine einfache Aufgabe. Wir sollten uns mehr Zeit nehmen, um eine robuste Lösung zu finden. Ich glaube, dass wir bessere Anreize für die Nutzer, die Nodes betreiben, schaffen sollten, anstatt uns einfach auf Altruismus zu verlassen.

Wenn zwei Entwickler Bitcoin forken und erfolgreich neu definieren können, was „Bitcoin“ ist – vor allem in Angesicht von technischer Kritik und mit der Verwendung von populistischen Taktiken – werde ich keine Wahl haben, als das Projekt Bitcoin als gescheitert zu erklären. Bitcoin sollte sowohl technisch als auch sozial robust sein. Die aktuelle Situation ist insgesamt sehr unbefriedigend zu beobachten.

Bitcoin XT ist ein Bitcoin Client aus dem Jahr 2015, der von Mike Haern entwickelt wurde. Dieser setzte stark auf eine Erhöhung der Blockgröße und ist inzwischen ein im Bitcoin-Cash-Netzwerk verwendeter Client.

Handelte es sich tatsächlich um Satoshi Nakamoto?

Aus Sicht der Bitcoin-Vertreter ist das eine eindeutige Äußerung gegen Bitcoin Cash. Doch kann man wirklich behaupten, dass es sich hier um eine Nachricht von Satoshi Nakamoto selbst handelt? Auch in der Twitter-Diskussion gibt es einige skeptische Stimmen und eine sachliche Diskussion um die Legitimität dieser Mail:

https://twitter.com/duudl3/status/1011777148758188032

Be your own Satoshi – für mehr unabhängiges Denken

Ob die zitierte Mail von Satoshi ist oder nicht – allein das White Paper und die bekannten Aussagen von Satoshi Nakamoto zeigen, dass auch der Gründer von Bitcoin seine Position ändern kann. Entsprechend kann man eine Einzelaussage für oder wider Lightning Network auf der einen und größere Blöcke auf der anderen Seite kaum als endgültiges Urteil werten. Zwar ist es interessant zu sehen, ob und was Satoshi zur Skalierungsdebatte zu sagen hatte. Dass die Community dies entsprechend verfolgt, ist nachvollziehbar, aber sollte nicht zu einem alles andere übertrumpfenden Qualitätsargument werden.

Die Kryptowelt ist dezentral – und kein Kult, der ein einzelnes White Paper verehrt! Dieses ist ein wichtiges, zentrales Dokument, auf dem man aufbauen muss. Messen wir also eine Kryptowährung am Erfolg, anstatt an einem Wortlaut festzuhalten.

BTC-ECHO

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