Bitcoin-Mining: Bis zu 800.000 Geräte abgeschaltet

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Bitcoin-Mining: Bis zu 800.000 Geräte abgeschaltet

Zwischen 600.000 und 800.000 Bitcoin Miner wurden seit Beginn der Kursturbulenzen im November temporär abgeschaltet. Was nach einem Bitcoin-Exodus klingt, ist die natürliche Reaktion auf sinkende Kurse und steigende Stromkosten. Für die Miner, die am Markt verbleiben, bedeutet die geringere Hash Rate auch einen sinkenden Konkurrenzdruck.

Über die Schwierigkeiten der Mining-Industrie, in diesen stürmischen Zeiten noch rentabel zu wirtschaften, berichteten wir bereits am 22. November. Der vage Begriff „Schwierigkeiten“ scheint sich nun zu konkretisieren. Wie F2pool-Gründer Mao Shixing im Interview mit CoinDesk mitteilt, wurden seit Mitte November schätzungsweise zwischen 600.000 und 800.000 Miner vom Netz genommen.

Die Folge: Die bis Anfang November trotz Bärenmarkt stetig ansteigende Hash Rate, verzeichnet im Zuge des Crashs der letzten zwei Wochen eine fallende Tendenz. Dies geht aus den Datensätzen von blockchain.com hervor:

 

Der Grafik nach zu urteilen, ist die Hash Rate vom 30-Tage-Hoch am 4. November von etwa 54 Millionen Terahashs pro Sekunde (TH/s) auf 41 Millionen TH/s am 24. November gefallen. Dies entspricht einem Verlust von etwa 15 Prozent der Hash Rate innerhalb von nur 20 Tagen.

Mao zufolge ist die Einbuße an Hashing Power im Netzwerk allen voran darauf zurückzuführen, dass eine Vielzahl von Minern nicht mehr rentabel wirtschaften kann und sich daher gezwungen sieht, ihre Geräte vom Netz zu nehmen. Dies gelte insbesondere für Bitcoin Miner, die noch auf ältere und daher weniger effiziente ASIC-Miner wie dem Antminer T9+ von Bitmain setzen. Diese liefern dem Bericht zufolge nur eine Hashing Power von 10 TH/s Sekunde. Zu wenig, um in Anbetracht der Kursturbulenzen profitabel am Markt zu agieren.

Allein Mining Pool F2pool sind in den letzten Wochen über zehn Prozent der Miner weggebrochen. Zwar sei die genaue Zahl schwer zu schätzen; Mao zufolge hätte der Mining Pool aber nach Gesprächen mit einzelnen Mining-Farmen „zehntausende Miner den Betrieb einstellen sehen“.

Lies auch:  Bitcoin Mining: Was sagt uns die Datenlage über Hash Rate und Dezentralität?

Diverse Faktoren verantwortlich

Der Crash ist indes nicht als alleinige Ursache auszumachen. Denn da wäre noch der Anstieg der Elektrizitätskosten zu nennen. Diese sind aufgrund von Wasserknappheit im Winter tendenziell höher als im Sommer. Im Sommer kalkulieren Miner demnach mit umgerechnet 0,029 US-Dollar pro Kilowattstunde (KWh) Strom, während der Preis pro KWh in den kalten Monaten auf bis zu 0,043 US-Dollar pro KWh ansteigen kann.

Mao betont indes, dass das Bitcoin Mining ein dynamischer Prozess ist. Ein Abschalten der Geräte ist häufig eine temporäre Reaktion auf die Marktsituation. Sollten die Kurse wieder steigen, könnte der Break-Even-Point für eine Vielzahl an Wettbewerbern wieder erreichbar sein. Dann, so Mao, ist auch wieder ein Anstieg der Hash Rate zu beobachten.

Difficulty ebenfalls auf Talfahrt

Für diejenigen, die schon etwas länger dabei sind, ist der direkte Zusammenhang von Hash Rate und Difficulty intuitiv klar. Für alle anderen sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass eine geringere Hash Rate auch eine sinkende Difficulty zur Folge hat. Die Difficulty ist die dynamische Kennzahl für die „Schwierigkeit“, also die Menge an Rechenleistung, die die Miner aufbringen müssen, um einen neuen Block propagieren zu können.

Wie in der Grafik zu sehen ist, ist die Difficulty seit Mitte Oktober konstant gesunken. Dies wiederum bedeutet, dass die verbleibenden Miner am Markt eine geringere Schwelle für das Finden neuer Blocks überwinden müssen und daher durchschnittlich häufiger in der Lage sind, einen Block zu propagieren.

Diese Kausalität sieht auch Mao:

„Die Änderung der Mining Difficulty von Bitcoin weist normalerweise eine Verzögerung von etwa 14 Tagen [nach einer Änderung der Hash Rate] auf. Nach der Welle von Abschaltungen haben die Akteure, die sich entschieden haben, zu bleiben, vielleicht ein besseres Leben.“

Keine existenzielle Bedrohung für große Player

Da sinkende Preise in aller Regel mit einer geringeren Hash Rate und damit auch mit einer geringeren Difficulty korreliert sind, können die großen Mining Pools aus einem gewissen Erfahrungsschatz schöpfen, um durch die teils extremen Marktschwankungen nicht in die Bredouille zu geraten. Dass Kurscrashs für erfahrene Miner keine existenzielle Bedrohung darstellen, bestätigt auch Slush-Pool-Gründer Marek Palatinus im Interview mit Forklog:

„Preiskorrekturen sind seit unserer Gründung im Jahr 2010 ein natürlicher Bestandteil des wachsenden Bitcoin-Ökosystems. Deshalb haben wir fast alle von ihnen erlebt und sie haben uns geholfen, unsere Geld- und Risikomanagementmaßnahmen im Laufe der Jahre zu verbessern. Die aktuelle Situation schränkt unsere Fähigkeit, schneller zu wachsen, bis zu einem gewissen Grad ein, stellt aber keine ernsthafte Bedrohung für unsere finanzielle Gesundheit dar.“

Die Bitcoin Miner dürften über den aktuellen Sinkflug zwar ebenso wenig begeistert sein, wie der Rest der Szene; wie Palatinus aber andeutet, nutzt die Industrie den Krypto-Winter, um die Infrastruktur insofern zu verbessern, als dass sie zum nächsten Bull Run gut aufgestellt sind.

Lies auch:  Mining? Nein danke – Japanischer Online-Riese DMM.com gibt Krypto-Mining auf

Gönnen wir Bitcoin also diese kurze Verschnaufpause. Das Ökosystem wird gestärkt daraus hervorgehen.

Falls ihr noch Fragen zum Bitcoin Mining habt, werft doch mal einen Blick in unser Tutorial.

BTC-ECHO

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