Web 3.0 – Das Internet der Blockchains?

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Web 3.0 – Das Internet der Blockchains?

Steht das Internet vor einem evolutionären Sprung? Bisher ist der Vormarsch blockchainbasierter Unternehmen ein weitestgehend stiller Prozess abseits des Mainstreams. Glaubt man Visionären wie dem erfolgreichen Blockchain-Unternehmer Matteo Gianpietro Zago, könnte sich das jedoch bald ändern. Demnach bewegen wir uns in Richtung eines Internets der Blockchains – das Web 3.0. Doch was genau ist damit gemeint und wo liegen die Unterschiede zur jetzigen Version des World Wide Web? Begleitet uns auf eine kurze Zeitreise durch die Geschichte des Internets und – noch viel wichtiger – wagen wir einen Blick in dessen mögliche Zukunft.

Web 1.0 – Statische Homepages ohne Interaktionsmöglichkeit

lles begann mit dem Web 1.0. Die erste Form unseres Internets war eine simple Aneinanderreihung von statischen Homepages, die im Endeffekt eine Abbildung der realen Welt darstellten. So gehörte es für Unternehmen etwa ab Ende der 90er-Jahren zum guten Ton, neben einer Telefonnummer auch eine Homepage auf der Visitenkarte vorzeigen zu können.

Wir wählten uns mit Modems ins Netz ein, brauchten Stunden, um einen Song herunterzuladen und wenn mal so etwas wie Interaktion stattfand, dann höchstens in den damals beliebten Chatrooms.

Web 2.0 – Das Mitmach-Web

Es war das Web 2.0, das der ersten Version des Internets den Rang ablief. Anfang der 2000er-Jahre machte sich ein neues Phänomen breit: User-generated Content.

War eine Kommunikation zwischen Produzent und Konsument in der ersten Version des Internets – ähnlich wie beim Fernsehen – praktisch nicht vorhanden, so lieferte das Internet immer mehr Wege, die Nutzer mit einzubeziehen.

Es entstanden ungeahnte Möglichkeiten, eigene Inhalte ohne großen finanziellen und zeitlichen Aufwand mit der Welt zu teilen. Blogs und YouTube-Videos sprossen wie Pilze aus dem Boden und prägen bis heute die Landschaft des Internets.

Doch was stimmt nicht mit dem Web 2.0? Wieso brauchen wir ein neues Internet?

Matteo Gianpietro Zago ist der Vorsitzende der Internet of Blockchain Foundation (Iobf), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, blockchainbasierte Start-ups zu fördern. Für ihn ist klar: Das Web 3.0 wird das Internet der Blockchains sein.

Denn die größte Schwachstelle des jetzigen Web sieht er in der Zentralisierung der wichtigsten Online-Funktionen bei wenigen Big Playern, die somit die ökonomischen Mittelpunkte des derzeitigen Internets bilden. So liegen etwa Informationen, die in einer Cloud gespeichert sind, auf riesigen Server-Farmen von Google oder Amazon. Datenkraken wie Facebook machen ein Geschäft daraus, sensible, persönliche Informationen etwa über das Konsumverhalten an Höchstbietende zu verkaufen. Suchmaschinen wie Google laden geradezu dazu ein, über die Anwendung von Algorithmen Suchergebnisse im eigenen Sinne zu kontrollieren.

Doch für Matteo Gianpietro Zago wird das nicht lange so bleiben: Es wird einen sanften, zunächst vom Endverbraucher kaum registrierten Übergang vom Web 2.0 zum Web 3.0 geben.

Die Hauptmerkmale des neuen Internets

Hauptmerkmale der nächsten Evolutionsstufe des Internets sollen demnach sein:

  • Es wird keine zentralen Kontrollpunkte mehr geben. Regierungen oder Großunternehmen werden daher nicht mehr die Macht besitzen, Daten von Einzelpersonen zu kontrollieren oder den Zugriff auf Homepages einzuschränken.
  • Es wird nicht einige, wenige Finanzzentren des Internets in Form von Megakonzernen geben, sondern vielfältige Möglichkeiten, Nutzer an digital erwirtschafteten Gewinnen zu beteiligen.
  • Es wird weit weniger groß angelegte Hacks geben, da es für Hacker nicht mehr ausreichen wird, zentrale Knotenpunkte zu knacken.

Zago stützt seine Ansicht auf die starke Innovation in der Blockchainwelt. Denn in vielen relevanten Anwendungsbereichen gibt es bereits blockchainbasierte, dezentrale Alternativen mit spannenden Antworten auf die Herausforderungen der Zentralisierung.

Beispiele aus dem Web 3.0

Datenspeicherung

Anstelle von der Dropbox oder Google Drive könnten blockchainbasierte Projekte wie Storj oder Siacoin treten. Diese Unternehmen nutzen die Blockchain, um Informationen dezentral zu speichern. Dies könnte eine Win-Win-Situation für die User darstellen: Auf der einen Seite würden eigene Daten nicht mehr in der Hand von zentralen Servern liegen, über die der Nutzer keine Kontrolle hat. Stattdessen wären sie auf viele, kleinere Server oder Computer verteilt. Auf der anderen Seite kann der Nutzer sich etwas dazu verdienen, indem er selbst Speicherplatz zur Verfügung stellt. Denn gezahlt wird hierfür meistens in Form einer unternehmenseigenen Kryptowährung, wie etwa Storjcoin. Durch dieses Prinzip würden ebenfalls teure Serverkosten gespart, weshalb eine extreme Kostenreduzierung etwa für das Betreiben eigener Homepages möglich wäre.

Soziale Netzwerke

Alternativen zu den zentralisierten Netzwerken Facebook, Twitter oder Instagram könnten soziale Netzwerke wie Steemit oder Akasha werden. Ohne zentrale Kontrollinstanz können dort angelegte Accounts nicht mehr zensiert oder eingeschränkt werden – die Kontrolle über die eigenen Daten bleibt in den Händen des Nutzers.

Video-Streaming

Die neuen YouTube, Vimeo oder Netflix könnten in D-Tube oder Theta zu finden sein. Möglicherweise würde dies auch eine faire Verteilung von Werbegeldern nach sich ziehen. Denn während YouTube – das mittlerweile von Google aufgekauft wurde – selbst zugibt, die Verteilung „nicht immer fair“ zu gestalten, können die genannten Blockchain-Projekte nicht durch Entscheidungen mächtiger Mulitmedia-Bosse verändert werden.

WhatsApp & Co.

Auch im Bereich des Messaging findet sich mit Status bereits eine dezentrale Alternative. Der Status-Messenger basiert auf der Ethereum-Blockchain und ist nach seinem Selbstverständnis „mehr als nur ein Messenger“. Denn bei Status kann nicht nur gechattet, sondern auch Ethereum-Zahlungen oder Smart Contracts verschickt werden.

Bankenwesen

Im Kern der Entwicklung von Bitcoin stand ursprünglich natürlich die Weiterentwicklung des Geldsystems, welches durch die Finanzkrise 2008 enorm an Vertrauen verloren hatte. Dass das eigene Geld bei Bankenpleiten einfach verschwinden könnte oder Konten nach Belieben überwacht oder gar eingefroren werden können, ist vielen Bankenkunden durch den Börsencrash erst richtig bewusst geworden. Kryptowährungen wie Bitcoin, Bitcoin Cash, Litecoin, Dash, Monero u. v. m. ermöglichen dezentrales Banking – nur eben ohne Banken.

Betriebssysteme

Die Firma Essentia.one möchte ein Betriebssystem für Smartphones erstellen, mit dem der Zugriff auf die vielen dApps ermöglicht wird. Damit möchte man Betriebsysteme wie Android oder iOS Konkurrenz machen.

Dezentrale Exchanges

Spätestens der Zusammenbruch von Mt.Gox hat der Blockchain-Industrie auf unsanfte Weise klargemacht, dass es auch im Bereich der Handelsbörsen dezentraler Alternativen bedarf. Exchanges wie Openbazaar oder CobinHood sind Pioniere in dieser Richtung. Die Liste könnte noch um viele Unternehmen erweitert werden. Ob sich die angesprochenen Projekte jedoch tatsächlich durchsetzen werden, ist natürlich Spekulation.

Schöne neue Welt?

Firmen wie ICQ oder Myspace, die den Anfang von Web 2.0 mitgeprägt haben, sind heute kaum noch Größen im Netz. Vor diesem Schicksal sind freilich auch die oben genannten Projekte nicht gefeit. Entscheidend ist, in welche Richtung sich die digitale Welt als Ganzes bewegt. Folgen wir der Vision von Zago, können wir uns auf ein Web freuen, dass wesentlich dezentraler und fairer funktioniert als das heutige. Seine Vorstellung von der Zukunft des Internets ist zweifellos schön. Klar ist jedoch, dass Weltkonzerne wie Google oder Facebook nicht bereitwillig ihre Macht aus der Hand geben werden. Es wird sich zeigen, wie ihre Antwort auf die möglicherweise kommende Dezentralisierung aussehen wird.

Letztlich wird es auch auf die Nutzer – sprich: auf uns – ankommen, für welche Form des Geldes, für welches Betriebssystem und für welche sozialen Netzwerke wir uns in unserem Alltag entscheiden.

BTC-ECHO

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