Was ist eigentlich aus Slock.it geworden?

Tobias Schmidt

von Tobias Schmidt

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Tobias Schmidt

Tobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Quelle: smart house, home automation, device with app icons. Man uses his smartphone with smarthome security app to unlock the door of his house via Shutterstock

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Die Kryptoszene ist auch für ihre Schnelllebigkeit bekannt – neue Blockchain-Projekte sprießen wie Pilze aus dem Boden, andere Sterne am Kryptohimmel verglühen genauso schnell, wie sie aufgegangen sind. In unserer Reihe „Was ist eigentlich aus … geworden?“ wollen wir uns in regelmäßigen Abständen mit Projekten befassen, um die es in der letzten Zeit etwas ruhiger geworden ist. Dabei wollen wir ergründen, wie der aktuelle Stand aussieht und ob wir in der Zukunft wieder mehr zum Thema hören werden.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tobias Schmidt

Die Idee, die hinter dem Geschäftsmodell des deutschen Blockchain-Start-ups Slock.it steht, ist so einfach wie innovativ. Schlösser, die über programmierbare Schnittstellen verfügen, sollen über diese mit der Ethereum-Blockchain verlinkt sein. Über Smart Contracts, die auf Ethereum laufen, sollen die Schlösser dann geöffnet und wieder geschlossen werden können. Wie der Name Slock (Smart Lock) andeutet, erhofft man sich dadurch, die Nutzung von Schlössern zu revolutionieren. In den letzten Jahren hatten wir das Start-up, unter anderem mit zwei Interviews, immer wieder verfolgt. Höchste Zeit, mal wieder drauf zu schauen und uns auf den neuesten Stand zu bringen.

Slock.it, Ethereum und die DAO


Bis Anfang 2016 handelte es sich bei Slock.it nur um ein kleines Start-up der zwei Brüder Christoph und Simon Jentzsch aus dem kleinen deutschen Städtchen Mittweida. Groß war bis dahin nur die Idee hinter dem Projekt Slock.it – intelligente Türschlösser (Smart Locks), die mittels Smart Contracts über die Blockchain bezahlt, geöffnet und verschlossen werden können. Als es jedoch darum ging, eine nachhaltige Finanzierungsmethode für das Wachstum ihres Unternehmens zu finden, hatten die Brüder eine Idee, die nicht nur ihr Unternehmen, sondern auch die Kryptoszene an sich für immer verändern sollte.

Die Rede ist selbstverständlich von der DAO – der Decentralized Autonomous Organization. Im Allgemeinen beschreibt dieser Begriff eine Organisationsform, die komplett personenunabhängig auf der Basis von Smart Contracts funktioniert. Konkret geht es um das Vorzeigeprojekt des Venture Capital Funds, der von den Jentzsch-Brüdern auf der Ethereum-Blockchain gebaut wurde. Diese Idee begann zunächst auch so erfolgreich, dass im ersten Monat ein Gegenwert von mehr als 150 Millionen US-Dollar generiert wurde. Staatenlos und unabhängig stand es den Investoren der DAO selbst zu, ihre Einlagen zu verwalten. Dennoch war natürlich auch die Finanzierung von Slock.it eine Motivation hinter dem Projekt.

Slock.it nach der DAO

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Das Ende der Geschichte der DAO ist hinlänglich bekannt und von unserer Seite intensiv aufgearbeitet worden (unter anderem im ersten Teil dieser Reihe). Nach dem Hack ging es für Christoph und Simon Jentzsch und ihrem Start-up Slock.it jedoch weiter. Dabei spezialisierten sie sich weiter auf den Ausbau der Grundidee des intelligenten, sich selbst verwaltenden Schlosses. Ein erster Anwendungsfall wären etwa sich selbst vermietende Apartments – eine Art Airbnb ohne den dahinter stehenden Menschen. Dasselbe Konzept kann man genauso gut auf Autos oder andere vermietbare Gegenstände übertragen. Je nach Fortschritt der Technik ist so ein autonom fahrendes, sich selbst vermietendes Auto als modernes Taxi vorstellbar – gesteuert über Smart Contracts auf Ethereum.

Unterstützt wird das Slock.it-Projekt inzwischen vom Innogy Innovation Lab und von Siemens. Die Kooperation mit Innogy baut dabei auf dem Konzept auf, welches man zuvor mit RWE erarbeitet hat. In einem Seed sicherte das Unternehmen ein Funding von zwei Millionen US-Dollar, um die Finanzierung seiner Projekte auch nach dem Platzen der DAO zu sichern.

Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Slock.it spricht inzwischen nicht mehr vorrangig von selbstverwaltenden Schlössern, sondern von einer Sharing Economy. Diese könnte sich als Ökosystem um die Slock.it-Grundidee und deren Technologie entwickeln. In diesem Zusammenhang entstand auch das Universal Sharing Network, eine Sharing Economy Plattform, die Christoph Jentzsch im letzten Jahr auf der Ethereum Developer Conference in Cancún, Mexico, vorstellte. Darüber will man insgesamt das Teilen von Objekten wie ungenutzten Wohnungen, Büroräumen und Autos, aber auch Maschinen oder sonstigen Ausrüstungen vereinfachen. Der Anreiz dabei ist es, Eigentum zu monetarisieren.

Slock.it hat sich also vom Scheitern des ersten großen autonomen Funding-Projekts nicht unterkriegen lassen und andere Wege der Finanzierung gefunden. Mit dem Universal Sharing Network ist es zudem erfolgsversprechend für die Zukunft aufgestellt und konnte seinen Blockchain-Use-Case erfolgreich in ein Produkt verarbeiten. Die Mobile-App mit dem Alpha Tester Program ist bereits verfügbar.

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