Slock.it, innogy, Share & Charge – ein Interview

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 8 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Was hat sich seit dem letzten Jahr bei Slock.it getan? In diesem Interview gab uns Stephan Tual ein kleines Update.

Slock.it ist ohne Zweifel eines der bekannteren deutschen Unternehmen im Blockchain-Ökosystem. Ihr Ziel ist die Entwicklung von Geräten – wie beispielsweise Schlössern – die mit der Ethereum Blockchain verbunden sind und so das Feilbieten von allem ermöglichen.

Wir haben über das Unternehmen im letzten Jahr mehrfach berichtet. Indirekt mit diesem im Zusammenhang stehend ist die DAO, die dezentrale autonome Organisation, die letztlich eine Art dezentralen Venture Fund darstellte und unter anderem Slock.it finanzieren sollte.

Die Geschichte der DAO ist bekannt – doch wie ging es mit Slock.it weiter? Stephan Tual, der COO hinter Slock.it, bot sich an, mir Rede und Antwort zu stehen und über die jüngsten Entwicklungen im Unternehmen zu berichten.


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Hallo Stephan, schön, dass Du uns die Möglichkeit für ein Interview eingeräumt hast! Kannst Du uns zur Einführung ein wenig zu Deinem Werdegang hinsichtlich Blockchain erzählen?

An sich war ich an der Blockchain-Technologie recht früh interessiert und habe entsprechend Bitcoin verfolgt. Ohne große Kritik muss ich jedoch sagen, dass ich nicht sonderlich begeistert war. Bitcoin macht das, was es tun will, gut, ich fand bloß den finanziellen Aspekt nicht so interessant.

Eines Tages habe ich einen inspirierenden Vortrag gehört, in dem der Vortragende seine Vision einer Bitcoin-basierten Zukunft darlegte. Er erzählte von selbstfahrenden Autos, die Bitcoin akzeptieren und so ein dezentrales Uber schafften, indem die mietbaren Autos letztlich wirklich autonom waren. Diese Vision begeisterte mich!

Sechs Monate später veröffentlichte Vitalik Buterin sein Paper über Ethereum. Ich sah, dass mit Ethereum die beschriebene Vision möglich war und sprang deshalb sofort auf. Ich arbeitete für Ethereum für einige Zeit, um später bei IBM adept eine Internet of Things-Anwendung zu entwickeln. Mit dieser Erfahrung – Blockchain und Internet of Things- schloss ich mich schließlich Slock.it an.

Slock.it ist ein Projekt, dass kaum vorgestellt werden muss: Als erste Anwendung ist ein intelligentes Schloss, ein smart lock oder kurz slock geplant. Dieses Schloss ist mit der Ethereum Blockchain verbunden, so dass über smart contracts das Schloss selbst auf Zahlungen reagiert. Damit ist ein Airbnb ohne Menschen möglich. Möchtest Du hier was korrigieren oder ergänzen?

Insgesamt ist das alles richtig. Ich würde nur ergänzen, dass es Slock.it nicht nur um Schlösser geht. Wenn wir uns umschauen merken wir, dass wir alle eigentlich ständig Strom nutzen. Im Geist der Sharing economy könnte man sich unter anderem auch diesbezüglich einen Markt vorstellen. Ein Peer to Peer Markt der Gebrauchsgegenstände, an dem die Nutzung von WLAN und Waschmaschine feilgeboten wird – das ist dank Slock.it ohne einen Mittelsmann möglich.

Danke für diese Ergänzung. Soweit zu dem, was Slock.it vorschwebt. Wie ist bezüglich des Projekts aber der aktuelle Stand?

Slock.it wurde im letzten Jahr sehr bekannt. Wir haben einige Preise gewonnen, haben beispielsweise bezüglich des Projekts Share & Charge vom BDVI einen Award erhalten.

Nicht einfach diese Awards sind spannend, wir denken, dass wir die Blockchain-Szene nachhaltig prägen werden: wenn man von finanziellen Anwendungen absieht bewegen sich viele andere Use Cases noch im Proof of Concept-Bereich. Davon sind wir schon weit entfernt: Wir planen, noch in diesem Jahr mit Slock.it live zu gehen.

Wie du es schon vorher ausgedrückt hast geht letztlich die Vision von Slock.it noch weiter als ein intelligentes Schloß. Das Ziel ist ein universal sharing network. Damit dies funktionieren kann ist ein Link zwischen dem einzelnen Gerät – beispielsweise dem Schloß – und der Ethereum Blockchain notwendig. Das soll über einen Ethereum Computer realisiert werden. Wenn ich das Konzept richtig verstehe erinnert mich dieser Computer ein wenig an den 21Bitcoin Computer. Liege ich damit richtig und kannst Du etwas zu den Plänen hinsichtlich dieses Computers erzählen?

Ähnlichkeiten sind auf jeden Fall da, auch wenn hier deutlich mehr direkt im Ethereum-Ökosystem realisiert wird – was einfach an den Möglichkeiten bzgl Smart Contracts etc liegt.

Mit dem großen Launch in diesem Jahr wird es natürlich auch den Ethereum Computer geben. Wir planen jedoch nicht, diesen einzeln zu verkaufen. Grund ist, dass der Tech-affine User inzwischen genügend Geräte bei sich herumstehen hat; soll wirklich zum Receiver, zum Router, zu Amazon Echo, den verschiedenen Computern, dem Repeater… noch ein Gerät kommen? Wir planen deshalb Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen, so dass bspw. Router mit integriertem Ethereum Computer erhältlich sein werden. Parallel werden wir eine Version des Ethereum Computers als open source Variante der Community anzubieten, die wahrscheinlich auf dem Raspberry Pi läuft.

Um dieses und andere Projekte zu finanzieren wurde letztes Jahr die DAO geschaffen. Viele Dinge wurden dazu schon gesagt, ich möchte hier eher in die Zukunft blicken und fragen, was ihr daraus mitgenommen habt und ob es von eurer Seite nochmal sowas wie die DAO gibt.

Ich hab auf jeden Fall viel gelernt. Auch wenn Du als jemand in der Öffentlichkeit ein eher kleines Rädchen in einem riesigen Venture Fund wie der DAO bist, werden Dich Leute mit dem Projekt assoziieren. Das mag in positiven Zeiten gefallen, wenn es auch in dem Maße einem schon über den Kopf stieg, nach dem Exploit wurde man persönlich verantwortlich gemacht. Und nicht nur, bis eine Lösung gefunden wurde, sondern darüber hinaus.

Mit dem DAO-Exploit haben wir viel Zeit, Reputation und Geld verloren – während die Hard Fork mitsamt dem dazugehörigen Split in Ethereum und Ethereum Classic nicht wenige Investoren sogar reicher machte.

Ich glaube weiterhin an das Konzept und verfolge Projekte wie verschiedene Charity DAOs sehr aufmerksam. Ob ich noch einmal bei solch einem Projekt mitmache denke ich nicht, aber vielleicht werden wir von slock.it irgendwann mal Anteile an der Firma auf so einem Konzept basierend verkaufen.

Etwas zur vorherigen Frage passend eine technische Frage: was sind Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen, denen man sich aktuell bzgl Ethereum oder genau der Implementation von Smart Contracts in Ethereum stellen muss?

Ich denke, da wären zwei Punkte zu nennen:

  • Die Implementierung von Smart Contracts muss noch einfacher werden. Man kann sich hier am HTML-Framework orientieren, welches Leuten ohne viel Vorwissen erlaubt, kleine Internetseiten zusammenzubasteln. Wenn man weiterhin an all die Toolkits und Pakete denkt, die die Webseiten-erstellung erleichtern merkt man, dass Ethereum hier noch großes Weiterentwicklungs-Potential besitzt.
  • Ein anderes Problem ist die Wahrnehmung von Ethereum: viele Leute sehen hinter ETH primär einen monetären Wert. Man jubelt, wie sich Ethereum in bullishen Zeiten verhält – wenn der Kurs jedoch fällt, ist “Ethereum gescheitert”. Das ist im Fall von Ethereum noch inkorrekter als bei Bitcoin! Ethereum geht es um etwas ganz anderes, weshalb sich letztlich auch Fragen wie Immutability ganz anders stellen. Ich erwähne dieses Problem der rein monetären Wahrnehmung, da dies wirklich Ethereum Schwierigkeiten bringen kann: es existieren innerhalb des Ökosystems inzwischen viele Projekte, die ohne eine Due Dilligence oder ähnliches einen ICO aufziehen und ordentlich Geld sammeln. Wenn sowas scheitert kann es für Ethereum selbst zu Regulationen kommen.

Slock.it hat mit seinem Vorhaben viele Leute angesprochen, so dass es zu einigen weiteren Kooperationen kam. Kannst Du dazu etwas erzählen?

Mit Innogy verfolgen wir das Konzept, was wir mit dem RWE Innovation-Hub erarbeitet haben, weiter: Ziel ist hier die Entwicklung einer Ladevorrichtung an Ampeln, bei der Autos via Induktion sich selbst laden können und via Smart Contracts auch selbst dafür zahlen. Der Proof of Concept funktioniert. Ob ein derartiges System jedoch mal wirklich im großen Stil genutzt wird kann ich nicht sagen; letztlich ist es kompliziert und teuer, etwas derartiges im bestehenden Straßenverkehr zu implementieren.

Neben diesem Projekt ist aktuell natürlich Share & Charge zu erwähnen, was ich ja weiter oben schon beschrieben habe. Schließlich beraten wir diverse Institutionen noch bezüglich des smart grid, da hier ein System wie das universal sharing network für die Energieversorgung genutzt werden kann.

Was sind die nächsten Ziele von Slockit?

Wir peilen in diesem Jahr zwei wichtige Meilensteine an: zum Einen soll Share & Charge wirklich live gehen, so dass Leute dieses System wirklich nutzen können, um Einkommen zu generieren. Eine derartige Entwicklung sollte dem Markt bzgl. Elektromobilität weiteren Aufschwung geben. Außerdem möchten wir dieses Jahr viele Mühen in den Launch von Slock.it und die Entwicklung des universal sharing networks stecken. Wir haben also viel zu tun!

Stephan, vielen Dank für das Interview!

BTC-ECHO


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